Author Archive for Stern&Kringel

Taverne zu Prandegg

Über moosbewachsenen Granitblöcken und wildwuchernden Haselstauden thronen die Reste der Burg Prandegg, der Franz Leitner seinen beruflichen Neustart zu verdanken hat. „Vor zehn Jahren hab ich hier im Backhäusl regelmäßig Bauernbrot gebacken“, erzählt der gelernte Bäcker, „und dann hat mich die Gemeinde gefragt, ob ich nicht ein Lokal aufmachen will“. Also verwandelte er mit tatkräftiger Unterstützung von Freundeskreis und örtlichen Vereinen das verfallene Gemäuer des ehemaligen Meierhofs in eine gemütliche Jausenstation, wo Kinder beim Ritterspiel zwischen Reitern und Wanderinnen durch Gastgarten und Spielplatz wuseln. Dass Franz Leitner im Ruf steht, einen der besten Schweinsbraten nördlich der Donau zu servieren, lockt die Gäste zusätzlich an. „Ich schau, dass alles so weit wie möglich von rundumadum kommt“, erklärt Leitner die Einkaufspolitik in seinem Null-Emissionen-Gasthaus: das Fleisch von einem Familienbetrieb in St. Leonhard, der frische Saibling aus dem nahen Naarntal, der Apfelmost aus Wartberg und das Bio-Zwickl aus Freistadt. Nur die fantastischen, mit Mohn und Powidl gefüllten böhmischen Golatschen bezieht er von jenseits der Grenze, was die Gäste aber nicht zu stören scheint: „Am Wochenende reißen uns die Leute die Golatschen nur so aus der Hand.“

Café Bar Stern

Wie die Protonen-Strahlen der Ghostbusters zickzacken die weißen Lichtbänder durchs Lokal, und auf den Kletterpflanzen über den Tischen könnte sich Tarzan locker durch die Lüfte hangeln: „Das Lichtkonzept und die Bepflanzung sind sicher die auffälligsten Änderungen seit dem Umbau“, meint Rainer Landerl, der Geschäftsführer der Café Bar Stern beim Linzer City Kino. Nicht nur die Einrichtung wurde im Sommer 2014 cinefantastisch umgebastelt, sondern auch die Karte noch regionaler und biologischer gestaltet: Kaffee und Fruchtsäfte kommen aus dem Mühlviertel, Limonaden aus dem Hausruckviertel, Craft-Biere aus Salzburg und der Cider direkt vom burgenländischen Erzeuger. „Wenn wir bei uns so tolle Produzenten haben, dann wär’s doch idiotisch, wenn ich’s anderswo kauf“, lacht Landerl. Begleitet werden die Getränke von hausgemachten Mehlspeisen, Tagesgerichten und kleinen Imbissen aus der bio-regionalen Küche des Restaurants Gelbes Krokodil, zu dem das Stern gehört. An lauen Sommerabenden öffnet sich die bewegliche Glasfront zum kleinen Gastgarten am Linzer Graben, wo man bei einem gepflegten Hollerkracherl über Sternzeichen, Sternbilder und Filmsternchen philosophieren kann.

Lucia’s Naturladen

Kaum tritt man durch die offene Glastür, empfängt einen der aromatische Duft von jungen Kräuterkistln und das herzhafte Lachen von Lucia Lössl, die einer Kundin vom saftigen Gemüse der nahen Felder vorschwärmt. „Wenn du gut essen willst, musst du wissen, was grad bei uns reif ist“, meint die Namensgeberin von Lucias Naturladen im Ennser Vorort Lorch. Regelmäßig fährt sie zu den umliegenden Höfen und holt knackiges Gemüse, frisch geerntetes Obst oder selbstgemachte Nudeln. „Meine Überzeugung ist, dass besser einer für alle fährt, bevor jeder einzeln umanandkurvt“, erklärt Lössl. Vor sechs Jahren hat sie ihren Kindheitstraum vom eigenen „Kaufmannsladen“ erfüllt, „wo es gute und schöne Dinge gibt“. Dazu zählen für Lössl nicht nur regionale Bio-Lebensmittel, sondern auch fair gehandelte ModeSchafmilchseifen aus Sierning, Klangschalen und eine Unzahl von kreativen Geschenksideen. „Besonders beliebt sind unsere Geschenkskörbe mit Schmankerln aus der Umgebung“, sagt Lössl. „Da wissen die Beschenkten genau, wo’s herkommt.“

Der Bauer und sein Prinz

Gemeinhin sind die britischen Royals als niemals versiegender Quell für die Klatsch-, Tratsch- und Quatschpresse bekannt. Dass sich einer von ihnen ernsthaft Gedanken um die Gesundheit unseres Planeten macht, ist da eine positive Überraschung: Wenn Prinz Charles mit dicken Arbeitshandschuhen eine wilde Dornenhecke zurechtstutzt und dabei über die „harmonische Zusammenarbeit mit der Natur“ philosophiert, kommt der ansonsten eher linkisch wirkende Thronfolger richtig sympathisch und glaubwürdig rüber. Seit 30 Jahren lässt er seine 760 Hektar große Duchy Home Farm biologisch bewirtschaften, weil er „gesunden Boden schaffen und Leben in die Erde reinbringen“ will. Um die praktische Umsetzung kümmert sich dann David Milton: Der Landwirt und „latente Öko“ sieht den Betrieb als Gegenmodell zur „westlichen Art der Nahrungsmittelherstellung“, bei dem es nur um Gewinnmaximierung ohne Rücksicht auf die Umwelt geht. Der Film „Der Bauer und sein Prinz“ des deutschen Regisseurs Bertram Verhaag erzählt von der fruchtbaren Zusammenarbeit eines Visionärs und eines Praktikers, die gemeinsam zeigen, dass eine andere Art der Landwirtschaft möglich ist.

Gasthof Rahofer

Vollgepumpt mit warmen Sonnenstrahlen präsentieren sich schon die ersten Früchte am Feigenstrauch direkt neben den Tischen im Innenhof. „Aus denen machen wir bald Marmelade“, freut sich Rudolf Rahofer. Seit mehr als 500 Jahren verbindet der historische Vierkanthof im Ortskern von Kronstorf gehobene Gast- mit traditioneller Landwirtschaft – ein Erfolgsrezept, das Haubenkoch Rahofer seit über 35 Jahren fortführt. Ob Kartoffeln für den Grammelknödelteig, Dinkel für das selbstgebackene Brot oder Früchte für Säfte und Marmeladen, sie alle stammen vom eigenen Hof. Die restlichen Zutaten kommen „zu etwa drei Viertel“ aus der unmittelbaren Umgebung, der Fisch etwa aus Schiedlberg, das Kalb aus dem Kremstal und der frische Spargel von einem Bauern aus dem Ort. Daraus kocht Rahofer klassische oberösterreichische Gerichte „ohne Firlefanz“, die im noblen Restaurant-Salon, in der urigen Gaststube oder im lauschigen Gastgarten serviert werden. Harmonisch passt sich die handgeschriebene Speisekarte dem wechselnden Angebot der Jahreszeiten an und bringt damit stets die Leckerbissen der Saison auf den Tisch, betont Rahofer: „Alles andere ist für mich uninteressant.“

Granitweg

Felsenfest ist die Überzeugung eines jeden waschechten Mühlviertlers, dass die Welt keine granittechnischen Überraschungen mehr zu bieten hat. Zumindest, bis man die Erlebniswelt Granit in Plöcking sieht: Block um Block reihen sich 50 verschiedene Granitsorten und mehr als 100 andere Gesteine aus aller Welt aneinander, die das Herz einer jeden Geographie-Professorin höher schlagen lassen. Aber selbst für steinkundlich Unbedarfte ist der Mühlviertler Ort ein lohnendes Ausflugsziel, beginnt hier doch eine steinreiche Rundwanderung durch das einstige Mühlviertler Steinmetz-Dorado. Von der Erlebniswelt folgt der Weg der Trasse der ehemaligen Feldbahn, die dem Transport der Felsblöcke diente, zum mittelalterlichen Schloss Neuhaus und von dort über den schmalen Jagasteig hinab zum Ort Untermühl, wo die Große Mühl in die Donau mündet. Von hier geht man auf zunächst gemütlichen, aber stets steiler werdenden Wegen zum Speicherkraftwerk Partenstein und weiter hinauf in den Ort Kleinzell. Vorbei an aufgelassenen und aktiven Steinbrüchen mit ihren schwindelerregenden Felswänden gelangt man schließlich wieder zurück zur Erlebniswelt, wo man zum Abschluss bei einem Picknick auf gemeißelten Steintafeln tafelt.

Schuhwerkstätte Hain

Federkielbestickte Hochzeitsschuhe und hochschaftige Bilgeri-Stiefel aus der k.u.k.-Monarchie stehen auf alten Schuhputzkastln, „aber die verkaufen wir nicht“, betont Dorit Hain lachend. Stattdessen fertigt ihr Mann Siegfried in der Kellerwerkstätte maßgeschneiderte Lederschuhe an, die mit der richtigen Pflege eine ähnlich hohe Lebenserwartung wie das historische Schuhwerk haben. Bei einem Urlaub in Italien ist der gelernte Werkzeugmacher der Liebe zur Schusterei verfallen und hat sich das traditionelle Handwerk selbst beigebracht. Sein jahrzehntelang angeeignetes Fachwissen und seine Leidenschaft steckt er auch in die Reparatur von Schuhen aller Art. Absätze, Innenfutter, Fersenleder – „viele Leute wissen gar nicht, was man alles wieder richten kann“, sagt Hain. Statt Plastik kommt natürlich gegerbtes Leder oder hochwertiger Gummi zum Einsatz: „Das ist besser für die Umwelt. Außerdem erzählen viele Kunden, dass sie länger mit den aufgewerteten Schuhen gehen können.“ Dabei hilft auch die umfangreiche Auswahl an Schuhzubehör im Geschäft, das sich in den Regalen harmonisch zu fair gehandelten Geschenksartikeln und Modeaccessoires gesellt. „Wir halten es mit dem alten Indianersprichwort“, meint Dorit Hain: „Man soll bei all seinen Handlungen an die nächsten sieben Generationen denken.“

Quand

Auf kuschelig gepolsterten Holzpaletten sitzend schlürft Adelheid Neumeier-Binder mit einer Kundin gemütlich eine Tasse Kaffee. „Die Leute kommen gerne zum Quatschen, das Einkaufen geht da ganz einfach nebenbei“, lacht die Inhaberin der Boutique Quand, in der sie seit Sommer 2014 ihre Leidenschaft für nachhaltige Mode mit ihren langjährigen Erfahrungen im Sozialbereich verknüpft. Nicht nur bei der selbst gestalteten Einrichtung prägen recycelte Autoreifen, Holzbretter und Hanfseile das Erscheinungsbild, auch bei den Kleidern und Accessoires bekommen alte Feuerwehrschläuche, Kaffeesäcke oder Fahrradpneus eine zweite Chance. „Ich nähe T-Shirts zu Loopschals, Hosen zu Röcken, Ärmel zu Hauben“, schildert Neumeier-Binder ihren „Quandkreislauf“. Den größten Teil ihres Sortiments bildet aber alltagstaugliche Ökomode für Damen und Herren: „Das wichtigste Kriterium sind die GOTS-, FairWear– und IVN-Gütesiegel, und gefallen muss es mir natürlich auch.“ Das ist heutzutage zum Glück kein Problem mehr, findet Neumeier-Binder: „Öko ist schon lange keine Jutesackmode mehr, sondern so richtig im Trend.“

Ab Hof

Neugierig beäugen die Labonca-Schweine, Angus-Rinder und Waldziegen die ungewohnten Besucher, die mit viel Neugierde und großem Appetit über ihre Weide stapfen: Der Fotograf Manuel Zauner und der Koch Alexander Rieder sind quer durch Österreich gereist, um zwölf Bio-Bauernhöfe aufzuspüren, die mit Leidenschaft und handwerklichem Können außergewöhnliche Lebensmittel erzeugen. Während der eine mit poetischen Bildern und stimmungsvollen Texten die besondere Atmosphäre der Betriebe einfängt, bereitet der andere aus den frischen Spezialitäten des Hauses direkt vor Ort jeweils fünf köstliche Gerichte zu: Aus frischen Freilandeiern entsteht zum Beispiel süßer Tröpferlschmarrn, aus saftigen Tomatenraritäten eine leichte Pasta Rossa und aus knusprigem Holzofenbrot herzhafte Bruschette. Das ästhetisch gestaltete Buch macht Lust auf eine kulinarische Entdeckungstour zu den ambitionierten Kleinversorgern Österreichs und gibt praktische Tipps, bei welchen Einkaufsgemeinschaften oder Food Coops man die vielfältigen Schätze der heimischen Landwirtschaft findet.

Gerberei

Beglühbirnte Suppentöpfe aus Omas Küchenkastl leuchten auf das fröhlich zusammengewürfelte Sesselsurium, das altersmäßig schon fast mit dem historischen Gewölbe mithalten kann. „Für die Einrichtung haben wir über ein Jahr lang Flohmärkte, den Arge Trödlerladen und die Dachböden von Freunden geplündert“, scherzt Heidrun Resch. Mitte März hat sie schließlich zusammen mit ihrer Schwester Gunda im ehemaligen Gerberhaus am Linzer Pfarrplatz das Café Gerberei eröffnet, wo Kinder durch die Spielecke wuseln und Erwachsene über einem Roman aus dem Bücherregal oder einer Partie Schach brüten. „So ein gemütliches Lokal mit ein bissl Individualität haben wir uns immer gewünscht“, erklärt Heidrun die gemeinsame Idee. Nicht nur beim Kaffee aus der kleinen Salzburger Rösterei 220 Grad achten die beiden auf regionale, handwerkliche Herstellung, sondern auch bei den Getränken und den Bio-Zutaten für die hausgemachten Mehlspeisen und Aufstrichbrote. Besonders das Mühlviertel ist mit Bieren, Fruchtsäften und dem Mehl für Apfelschlangerl, Brioche und Schoko-Cookies gut vertreten, weil die beiden dort viele Bäuerinnen und Landwirte persönlich kennen, erklärt Heidrun: „Wir wollen hinter allem stehen, was wir anbieten.“