Author Archive for Stern&Kringel

Jo’s Restaurant

Uralt ist das Haus, erzählt Jochen Neustifter, und als Poststation seit dem Spätmittelalter ein Treffpunkt, wo sich die Wege aus Nah und Fern kreuzen: Vor bald 15 Jahren hat der weitgereiste Koch das ehemalige Gasthaus zur Post in Vorchdorf übernommen und in einen „ein bissl anderen Dorfwirt“ verwandelt. „Durch meine Arbeit bei einem internationalen Caterer bin ich viel im Mittelmeerraum und im Orient herumgekommen und hab von dort meine Liebe zu mediterranen Kräutern, Kreuzkümmel und Sternanis mitgenommen“, erklärt Neustifter die Einflüsse seiner „weltoffenen Küche“. Fest in der Heimat verwurzelt ist er allerdings bei der Auswahl der Zutaten: Frisches Obst und Gemüse bekommt er von einem Bio-Bauern aus dem Ort, das Fleisch kommt aus dem nahen Almtal, und die fernöstlichen Gewürze in Fairtrade-Qualität kauft er beim Weltladen ums Eck. „Ich bin von hier, da liegt es auf der Hand, dass ich auch alles da kaufe“, schmunzelt Neustifter.

Gemeinsam Kochen

Ratternd mahlt die Osttiroler Getreidemühle die Dinkelkörner zu feinem Mehl, das Margit Puckmayr-Ömer gleich in ihren Strudelteig mischt. „Vollmehl ist total wertvoll“, erklärt sie beim Kneten, „weil das ganze Korn viele ungesättigte Fettsäuren liefert.“ Dass es beim Kochen nicht nur auf die Rezepte, sondern genauso auf die Zutaten ankommt, ist die erste Lektion bei ihrem Kochabend am Biohof Mayr-Lamm in Allhaming: Auf einem Beistelltisch wartet eine breite Vielfalt von Weizen über Emmer bis Grünkorn, daneben liegt saisonales Bio-Gemüse direkt vom Hof oder von Nachbarn. „Das, was frisch bei uns wächst, ist genau das, wonach der Körper zur Zeit verlangt“, meint Puckmayr-Ömer. Deshalb passt sie ihre Gerichte immer an die Jahreszeit an: erdiges Wurzelgemüse im Winter, junges Blattgemüse im Frühling oder bunte Gemüseraritäten im Sommer. Nach der kurzen Einführung teilen sich die Kursbesucherinnen und -besucher auf Kochstationen auf, wo jeweils ein Rezept sowie die Zutaten für ein Gericht warten. Während sie gemeinsam kochen, kommt Puckmayr-Ömer immer wieder zu den einzelnen Gruppen und verrät ihre Küchengeheimnisse. Wenn sich zum abschließenden Mahl alle um den Esstisch versammeln, hat sie noch einen letzten Tipp parat: „Kocht euer Lieblingsgericht so bald wie möglich daheim noch mal nach, dann könnt ihr es garantiert nicht vergessen!“

Geko

Regenwaldbunte Gekos kraxeln über die Gewölbedecke, „genau wie damals in Indonesien“, lacht Claudia Johnson. Aus Liebe zum Fernen Osten, seinem Sprachenmix und seinen Menschen reist sie immer wieder nach Südostasien und hat dort in den vergangenen Jahrzehnten ein dichtes Netzwerk von kleinen Betrieben aufgebaut, die ihr Geschäft in der Nähe des Linzer Hauptplatzes mit schrägen, eleganten oder verträumten Geschenksartikeln, Schmuck- und Kleidungsstücken beliefern. „Das Hauptkriterium ist, dass sie sozial und fair wirtschaften“, erklärt Johnson die Auswahl in ihrem Laden. Viele Stücke hat sie selbst entworfen und direkt an der Rohstoffquelle fertigen lassen, „damit den Leuten vor Ort mehr Geld bleibt und sie ihre Werkstätten entwickeln können“: Die farbenfrohen Kleider und Bambus-Blusen zum Beispiel näht eine kleine Schneiderei in Indonesien, und der symbolreiche Schmuck mit leuchtenden Halbedelsteinen entsteht in einer Manufaktur in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. „Fairer Handel ist für alle gut“, beschreibt Johnson ihr Credo. „Für mich, für meine Lieferanten und für meine Kunden.“

Landgärtnerei Ehmeier

Zusammengerollt schlummert die rotgetigerte Katze auf dem Vogelkäfig, in dem drei blitzblaue Wellensittiche ein fröhliches Ständchen pfeifen: Selbst wenn draußen der letzte kalte Winterhauch um die vier Glashäuser weht, fühlen sich Tiere und Pflanzen in der warmen „Kinderstube“ der Landgärtnerei Ehmeier sichtlich wohl. „Mehr als 35 verschiedene Bio-Chilis und 45 Bio-Kräuter wachsen hier“, deutet Karin Kempl auf die dicht gedrängten Töpfe, die dank der Kraft der Sonne und der Abwärme einer nahen Biogasanlage schon zu Beginn der Gartensaison üppiges Grün hervorbringen. Vor drei Jahren hat sie den Familienbetrieb mit ihrem Mann Peter übernommen und sich in Zusammenarbeit mit dem Verein Arche Noah auf Gemüse- und Kräuterraritäten „abseits der Standardsorten“ spezialisiert: Das winterfeste Olivenkraut zum Beispiel duftet herrlich nach der mediterranen Steinfrucht, nussige Asia-Pflücksalate wachsen immer wieder nach, und ein tägliches Blättchen der Jiaogulan-Pflanze verspricht ein langes Leben. Besonders stolz ist Kempl auf die breite Vielfalt an Bio-Chilis, die sie als junge Setzlinge verkauft oder mit Marillen, Zwetschken oder Sellerie zu pikanten Saucen und würzigen Chutneys verarbeitet. „Wir haben alles von gemütlich bis extra-hot, aber die Kunden wollen immer nur die schärfsten Chilis“, lacht Kempl.

Bigoli

Leise simmert der Gemüsefond im offenen Topf vor sich hin, während Gerhard Hinterleitner den Teig aus frischen Bio-Zutaten durch die Pastamaschine presst. „Die Eiernudeln Bigoli sind typisch für die Gegend rund um Treviso“, schwärmt der Koch, der bei einer Reise nach Norditalien die dortige Küche kennen und lieben gelernt hat. Von der Krautsuppe Jota über das Bohnengericht Pasta e Fagioli bis zu Gnocchi in Steinpilzsauce reicht die „ein bissl deftigere Hausmannskost“, mit der Hinterleitner gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Ursula Scherp seit dem Sommer 2007 südliches Flair auf den Linzer OK-Platz zaubert. Damit die Gerichte so authentisch wie möglich schmecken, reist er mehrmals pro Jahr zu befreundeten Betrieben im Veneto, in Istrien und im Friaul. Dort deckt er sich mit handwerklich erzeugten Lebensmitteln wie Prosciutto, Käse und Olivenöl ein oder pflückt wild wachsenden Salbei. Aus diesen Zutaten bereitet er jeden Abend köstliche Antipasti und venezianische Brötchen namens „Cicchetti“, die hervorragend zu einem Gläschen Wein passen, meint Hinterleitner: „Bei uns gibt es keine großen Etiketten und klingende Namen, sondern genau die Weine, wie du sie auch in einer Osteria in Treviso finden würdest.“

Masi

Geschäftig rattert das Schiffchen über den Nadelkamm, sodass Zeile um Zeile die dreidimensionale Struktur des Stofffleckerls zutage tritt. „Das ist besser als Fernsehen, da könnte man stundenlang zuschauen“, scherzt Christina Huber, die gemeinsam mit Fritz Prunthaller vor mehr als zehn Jahren das Modelabel Masi gegründet hat. Direkt hinter dem Verkaufsraum nahe des Linzer Doms stehen die zwei eineinhalb Tonnen schweren Strickmaschinen, mit denen die beiden aus teils Bio- und GOTS-zertifizierten Merino- und Baumwollgarnen ihre langlebigen, farbintensiven Kleider, Pullover und Schals produzieren. Körper, Ärmel und andere Einzelteile werden für die jeweilige Passform maßangefertigt. Daher kann Masi auch auf individuelle Sonderwünsche eingehen, erklärt Huber: „Wenn jemand sagt, er hätte das Modell gern eine Spur länger oder in Grasgrün, dann stricken wir innerhalb von ein paar Wochen ein ganz persönliches Unikat.“ Von der klassischen Weste fürs Büro bis zum figurbetonten Brautkleid war schon alles dabei, erinnert sich Huber. „Und wenn mal was trotzdem nicht passt, produzieren wir dennoch kaum Abfall, weil wir es einfach wieder auftrennen.“

CrossFit

Komm kuscheln, raunt der Boden nach zig Liegestützen verführerisch, während irgendein Sadist die Schwerkraft auf die dreifache Stärke raufschraubt: Das Hochintensitätstraining am Ende des einstündigen Workouts macht seinem Namen alle Ehre, und mehr als einmal schrammt man haarscharf am Aufgeben vorbei. „Aber in der Gruppe geht dann doch immer noch ein Aitzerl mehr“, schnauft Lena, die im CrossFit 4020 regelmäßig „ans Limit geht“. Anfang 2014 hat Patrick Cumberworth „die Box“ gegründet und den Sporttrend aus den USA in den graffitiverzierten Keller nahe des Linzer Infracenters geholt. Im Gegensatz zum klassischen Gerätetraining im Fitnessstudio geht es bei CrossFit nicht ums Aufpumpen isolierter Muskelpartien, sondern um natürliche Bewegungsabläufe und Ganzkörperübungen, die auch im Alltag etwas bringen: „Die Kniebeuge beansprucht dieselben Muskeln wie das Aufstehen vom Sessel“, schildert Trainer Stefan Kirchsteiger das Prinzip. Kein Workout gleicht dabei dem anderen, kommen doch auch ungewöhnliche Trainingsgeräte wie Traktorreifen oder Holzkisten zum Einsatz. Dadurch können sich die Muskeln gar nicht an eine bestimmte Übung gewöhnen und sind stets aufs Neue gefordert, erklärt Kirchsteiger: „Wir sind abwechslungsreich mal tausend!“

Spitzwirtin

An einem sonnigen Fleckerl Erde zwischen Waldesrand und den sanften Wellen des Schartner Obst-Hügellands liegt das traditionsreiche Ausflugsziel, in dem „viele Gäste schon mit ihrem Opa gewesen sind“: Vor zehn Jahren hat Renate Stain das „Wirtshaus im Wald“ von ihrer Mutter übernommen und den ausschließlich von Frauen geführten Familienbetrieb von Spitzwirt auf Spitzwirtin umgetauft. Besonders im Frühling zieren blühende Kräuterkistln, knorrige Apfelbäume und bunte Gemüsebeete den Garten und liefern die Grundlage für die bodenständige, saisonale Küche des Hauses. Die restlichen Zutaten stammen von befreundeten Partnerbetrieben aus der nahen Umgebung: das Bio-Wildhendl aus Schlierbach, die Fruchtsäfte von Schartner Obstbauernhöfen und die gebratene Forelle mit Paschinger Bio-Kartoffeln direkt vom Nachbarn. „Wir wollen selber was Ordentliches essen“, erklärt Stain kurz und bündig ihre Philosophie, während aus der offenen Küche das rhythmische Klatschen des Schnitzelklopfers zu hören ist. „Dass wir genau das auch unseren Gästen servieren, fühlt sich einfach gut an.“

Codecheck-App

Verborgenes Mikroplastik in der Zahnpasta, rätselhafte E-Nummern auf der Tiefkühllasagne, hormonaktive Weichmacher im Babyspielzeug: Wer genau wissen will, was er sich beim täglichen Einkauf alles einhandelt, braucht heutzutage einen kompetenten Ratgeber. Die kostenlose App Codecheck verwandelt das Handy in ein Portal, mit dem man auf das gebündelte Wissen von Konsumentenschützern und Umweltexpertinnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zugreifen kann. Dazu scannt man einfach den Strichcode mit der Handy-Kamera, und schon zeigt das Smartphone das Produkt, seine Inhaltsstoffe sowie gesunde und nachhaltige Alternativen. Zu mehr als 20 Millionen Artikeln in den Kategorien Reinigungsmittel, Ernährung, Kosmetik und Kinderprodukte liefert die Datenbank detaillierte und nachvollziehbare Informationen. Das macht die preisgekrönte App zu einer praktischen Orientierungshilfe für alle, die mit einem bewussten Einkauf sich, der Umwelt und ihren Mitmenschen etwas Gutes tun wollen.

Bio-Tofu vom Ackerlhof

In der hellen Kühlvitrine ruhen die milchig weißen Blöcke, die Gregor Mittermayr schlicht „Mühlviertler Bohnenkas“ nennt, denn „die Herstellung von Tofu funktioniert nicht anders als bei normalem Käse“. Vor zwei Jahren hat der Jungbauer für eine vegane Freundin versuchsweise damit begonnen, aus dem hofeigenen Soja des elterlichen Biobetriebes die eiweißreiche Fleischalternative zu gewinnen: Zuerst werden die Bohnen gekocht, püriert und ausgepresst, und die so gewonnene Sojamilch schließlich mit dem natürlichen Meersalzextrakt Nigari verkäst. „Das hat von Anfang an super hingehaut“, erinnert sich Mittermayr. Einmal pro Woche stellt er nun seinen regionalen Bio-Tofu frisch her und verkauft ihn an ausgewählte Lokale sowie im winzigen Hofladen, wo zudem selbstgebackenes Brot, Bio-Eier und Apfelsaft zum selber Zapfen locken. „Meine Eltern freuen sich, dass sich der Betrieb weiterentwickelt“, erzählt Mittermayr. „Und mittlerweile hat die Mama den Tofu in ihre bodenständige Küche integriert und kocht damit köstliche Knödel, Aufläufe und Aufstriche.“