Cafés

Süße Mehlspeisen und Häferlkaffee – diese Cafés in Linz und Rundumadum haben wir für Euch ausprobiert. Wichtig sind für uns Nachhaltigkeit, frische Zubereitung, handwerkliches Können, Qualität der Zutaten und soziale Verantwortung.

Sisi-Top

Jeder hat eine zweite Chance verdient: die Kreditkarte als Gitarrenplektron, der Bierkorken als Kühlschrankmagnet, das Leiberl als geflochtener Gürtel. Kreatives Recycling und ausgefallene, handgefertigte Souvenirs bestimmen das Sortiment im Sisi-Top schräg gegenüber des Lentos‚. In ihrer winzigen Werkstatt bedruckt Kathrina Becker Postkarten und Buttons, veredelt Bio-Baumwollleiberl mit Stickereien und schneidert Altkleider zu Polstern oder Röcken um. Wegen eines Jobs ist die Aachnerin in Linz gelandet und „mag jetzt nimmer weg“ aus ihrer „Stahlstadt“. Diese Liebe zur neuen Heimat spiegelt sich auch im Namen des Ladens, der an Kaiserin Elisabeth erinnert – „auch so eine Deutsche, die sich rübermachte“, scherzt Kathrina. Immer wieder blitzt das Konterfei der Monarchin zwischen den zusammengewürfelten Möbeln und den Retro-Vinylplatten hervor, die dem Geschäft das gemütliche Flair eines wuseligen WG-Wohnzimmers verleihen.

Saftladen

Hochmotiviert heult die Zentrifuge auf, sobald sie mit Karotten, Äpfeln und Orangen gefüttert wird: Nach stundenlanger Arbeit am Computer ist der Saftladen am Linzer Südbahnhofmarkt in der Mittagspause eine gesunde Alternative zum Wurstsemmerl und eine wahre Tankstelle für Vitamine und frische Energien. In großen Schüsseln stehen geschältes Obst und Gemüse bereit, um vor den Augen der Kundschaft gehäckselt und entsaftet zu werden. Je nach Lust und Laune kann man bei jedem Besuch einen anderen Saftmix kreieren, oder aber man wählt aus dem Angebot an saisonalen Spezialitäten. Doch der Mensch lebt nicht vom Saft allein: Deshalb gibt es für die Hungrigen frisch zubereitete Vollkornbrötchen und als besonderen Leckerbissen französische Crepes, wahlweise gefüllt mit pikantem Gemüse oder einem süßen Obstsalat.

In’s Hof.Zeit

In diesem Renaissancebau hat Mozart seine Linzer Sinfonie komponiert, heute lächelt er milde von den Schoko-Marzipan-Kugeln der Confiserie Wenschitz: Das Café In’s Hof.Zeit im Mozarthof verwöhnt seine Gäste mit traditionellen Imbissen, hausgemachten Mehlspeisen nach Mamas Rezept und ausgewählten heimischen Delikatessen. Im Jänner 2014 haben sich Heidi Fischer und Brigitte Nachbargauer ihren Traum vom eigenen Lokal verwirklicht und die Räumlichkeiten des ehemaligen „s Kistl“ in der Linzer Altstadt übernommen. Besonders wichtig ist den beiden Freundinnen die regionale Herkunft ihrer Produkte: Sowohl im gemütlichen Innenraum als auch im Gastgarten unter den historischen Arkadenbögen dürfen sich die Gäste auf Hofstettner Bio-Bier, Mühlviertler Most von Mairinger und österreichische Weine freuen.

Sprachencafé im Valdés

Feurige Latino-Musik und der aromatische Duft kubanischer Zigarren schweben über den Tischen, und dunkler Rum lockert die Zunge: In der karibischen Atmosphäre des Café Valdés sprudeln die spanischen Worte wie von selbst. Zweimal im Monat bietet das abendliche Sprachencafé die Gelegenheit, gemeinsam mit Gleichgesinnten die Vokabeln aus dem Uni-Kurs einem Praxistest zu unterziehen oder die Fremdsprachenkenntnisse für den Urlaub aufzupolieren – nicht nur für Spanien, sondern auch Italien, Frankreich und England. Abseits des klassischen Unterrichts kritisiert hier niemand die grammatikalischen Fehler oder den deutlich hörbaren Akzent. Stattdessen plaudern die Sprachlehrlinge völlig unbefangen übers Wetter, über spannende Kursangebote und über die schönsten Urlaubsziele.

Chay

Am Ende des tunnelartigen Durchgangs verstummt der Rummel des Hauptplatzes, und der intensive Duft von Grüntee mischt sich mit fernöstlichen Sphärenklängen: Das Teehaus Chay ist eine verborgene Ruheoase im Herzen von Linz, wo der Genuss von Tee in all seinen Varianten stilvoll zelebriert wird. Neben hausgemachtem Kuchen und Bio-Trinkschokolade finden sich 150 Teesorten auf der Karte, von indischem Gewürz-Chai über japanischen Matcha und marokkanischen Minztee bis zu südamerikanischem Mate-Aufguss und erfrischendem Eistee im Sommer. Viele stammen aus biologischem Anbau und fairem Handel, wie Inhaberin Christine Weisskirchner bereitwillig erklärt: Nachhaltigkeit und soziales Engagement sind Teil der Unternehmensphilosophie in ihrem Salon, der optisch von sattem Rot und tiefem Schwarz dominiert ist – farblich perfekt abgestimmt auf die rothaarige und schwarz gekleidete Besitzerin. Bei einer Tasse Ceylon-Tee und einem getauschten Buch aus dem Bookcrossing-Regal verlangsamt sich die Zeit – ein herrliches Gefühl, das man mit den Tees aus dem angrenzenden Teeladen auch zu Hause genießen kann.

Linzer Naschmarkt

Überdimensionale Fotos vom Wiener Naschmarkt schmücken die Wände, und in den Vitrinen locken Mühlviertler Speck, exotische Chutneys aus dem Hausruckviertel, feine Bio-Gewürze und edle Weine. Dennoch ist der Linzer Naschmarkt der beiden Gastro-Größen Maria Stefani und Gerhard Zölss nur in zweiter Linie ein Feinkostladen. Das Lokal am OK-Platz präsentiert sich vielmehr als schicke Weinbar mit gehobener Hausmannskost, wobei das Angebot je nach Tageszeit variiert: Morgens gibt’s „kesselhasse“ Würstel, zu Mittag ein veganes Menü und eines mit Fleisch, und abends raffinierte Imbisse wie zum Beispiel Ochsenbackerlgulasch mit Erdäpfel-Rahmstampf oder Rote Rüben-Carpaccio mit Räuchertofu. Den größten Teil der Karte nimmt allerdings die üppige Auswahl an österreichischen Weinen ein, die gemeinsam mit den Zigarren des Hauses und der Musik von Elvis bis Jimi Hendrix einen stilvollen Abend in gemütlicher Atmosphäre versprechen.

Gramaphon

Gramastettner Krapferl begrüßen die Gäste schon an der Ortseinfahrt, und auch in der Dessertvitrine des Restaurants Gramaphon darf das mit Staubzucker bestreute oder halb in Schokolade getunkte Wahrzeichen der Gemeinde nicht fehlen. Nicht nur bei der Wahl der Mehlspeisen erweist Gastronom Johannes Roither der heimischen Küche seinen Respekt: Mühlviertler Saltimbocca, Mostrisotto mit Blunzenradeln und Kartoffel-Gemüselasagne zeugen vom experimentierfreudigen Umgang mit österreichischen und mediterranen Rezepten. Auch bei den Lebensmitteln achtet Roither auf regionale Herkunft: Zu seinen Lieferanten gehören etwa die Speckwerkstatt Haudum aus Helfenberg, die Kaffeerösterei Suchan aus Freistadt sowie Most- und Käsebauern aus der unmittelbaren Umgebung. Das Lokal selbst ist lichtdurchflutet, zugleich sorgen Ziegelmauern, Holztische und dunkelrote Filz- und Ledersessel für eine erdige Note. Entspannt beobachtet man nach dem Essen bei einer Tasse Sonnentor-Tee und einem süßen Mürbteigkrapferl das gemächliche Treiben auf dem Marktplatz vor dem Fenster.

Cinematograph

Mit schwarzer Fliege, Nickelbrille und gepflegtem Schnurrbart begrüßt Herr Georg höflich sein Publikum, als wäre er gerade einem seiner Filme entsprungen. „Heute sehen Sie einen meiner absoluten Lieblingsstreifen“, schwärmt der leidenschaftliche Cineast, bevor der geschichtsträchtige Projektor losrattert. Das Cinematograph ist eine magische Zeitmaschine in die goldene Ära des Kinos: Historische Spielfilme und Dokumentationen in Schwarzweiß stehen am Programm des Liebhaberkinos. In dem 400 Jahre alten Gebäude an der Donaulände finden 35 Personen auf schmalen, rot gepolsterten Sesseln Platz. Neben der Leinwand steht ein rabenschwarzes Piano zur musikalischen Begleitung von Stummfilmen bereit, daneben ein Schild mit der Bitte, nicht auf den Boden zu spucken. Vor und nach den Vorstellungen serviert Frau Traude im angrenzenden Café kaiserliche Rumford-Suppe mit Graupen oder Altwiener Kaffeespezialitäten in Gmundner Keramikhäferln. Jeden Sonntag gibt es zwischen Kachelofen, Spieluhr und vergilbten Fotos ein ausgiebiges Kinofrühstück: Gestärkt mit Melange und Marmeladensemmerl, startet man mit wahren Filmklassikern gemütlich in den Tag.

Niu

Der Überraschungseffekt ist Stammgast im Niu: Auf der täglich wechselnden Speisekarte finden sich zum Beispiel flaumige Spinatknödel mit Zitronengras oder zarter Schweinsbraten Korea. Oliver Horn, der Küchenchef der abenteuerlichen Mischung aus Restaurant, Café und Bar, liebt eben unkonventionelle Experimente und verwandelt traditionelle Rezepte in leichte, gesunde Gerichte mit exotischen, meist asiatischen Elementen. Als Heimat für diese kulinarische Weltoffenheit kann es eigentlich nur eine Adresse geben – den Wissensturm, wo täglich Menschen aus unterschiedlichen Kulturen ein- und ausgehen, um voneinander zu lernen und Neues zu entdecken. Mit einem Buch aus der Stadtbibliothek und einer heißen Tasse Ingwergetränk kann man in den gemütlichen Ledersesseln entspannt jedem Wetter trotzen.

Bio-Holzofenbäckerei Gragger

„Licht“ prangt in geschwungenen, schmiedeeisernen Lettern an der Wand – als ob dieser Hinweis auf die helle, freundliche Atmosphäre der Bio-Holzofenbäckerei Gragger noch nötig wäre! Die schlichte Einrichtung aus naturbelassenem Holz, die harmonische Beleuchtung mit Glitzerluster und Teelichtern und die angenehme Abwesenheit von dudeliger Hintergrundmusik schaffen das perfekte Ambiente für einen entspannten Start in den Tag. Bis 11 Uhr kann man hier ofenwarme Weckerl zum Beispiel mit Bio-Honig und Marmelade von regionalen Herstellern frühstücken. Mittags köcheln Suppen und Eintöpfe auf dem Herd, die in Kombination mit einer Scheibe Brot aus dem breiten Sortiment der Bäckerei eine sättigende Mahlzeit bilden. Alle Brote werden in Handarbeit aus Natursauerteig anstelle von industriellen Hefekulturen hergestellt. Das macht sie nicht nur leichter verdaulich, sondern auch unvergleichlich aromatisch.