Kultur

Aktuelle Ausstellungen, Vorführungen und sonstige Angebote – diese Kulturtipps in Linz und Rundumadum haben wir für Euch ausprobiert.

Villa sinnenreich

Die Sinne sind mitunter ganz schön fiese Verräter. Wie soll man zum Beispiel seinen Augen jemals wieder über den Weg trauen, wenn sie Kinder zu Riesen, Kurven zu geraden Linien und einen stabilen Raum zu einem betrunkenen Torkelkammerl machen? Für die Villa sinnenreich in der Nähe des Rohrbacher Bahnhofs haben Künstlerinnen und Bastler tief in ihrer Trickkiste herumgekramt, um die gewohnte Wahrnehmung der Welt – gelegentlich im wahrsten Sinne des Wortes – auf den Kopf zu stellen. Essbare Eintrittskarten in verschiedensten Geschmacksrichtungen, ein begehbares Kaleidoskop oder die Ruheoase in einer überdimensionalen Kuschelkokosnuss wecken die kindliche Neugierde, und schon bald hopst man voller Experimentierfreude durch die abwechslungsreich gestalteten Räume. Wer am Ende der ingesamt 50 Mitmachstationen noch nicht genug hat, kann sich auf dem knapp zweistündigen sinnenreich-Rundweg durch die Mühlviertler Hügelwelt den vielfältigen Sinneseindrücken und Illusionen hingeben.

Filmszene Ottensheim

Gemütlich fläzen die Gäste bei Cocktails, Cappuccino und kühlem Bier in den breiten Lederfauteuils – wäre da nicht die große Leinwand am Kopf des Saals, könnte die Filmszene Ottensheim glatt als überdimensioniertes Wohnzimmer durchgehen. „Wie daheim vorm Fernseher“, beschreibt Beate Haller-Fischerlehner die entspannte Atmosphäre in ihrem Haus, wo jeder Film zum cineastischen Gemeinschaftserlebnis wird. Vor der Vorstellung und in der Pause serviert die Chefin persönlich Getränke und kleine Imbisse wie Pizza, Sandwich oder Schokoeisbecher direkt zu den Sitzplätzen. „Das Gebäude war von Anfang an so konzipiert, dass das Kino zu Tisch kommt“, erzählt die Eigentümerin, die den Betrieb in vierter Generation führt. Alte Filmrollen und originale Kinoplakate an der Wand erinnern an die lange Familientradition, doch auf der Leinwand setzt sie auf modernste Technik, die von Dolby 3D bis HFR alle Stückln spielt. „Der neue Projektor ist auch viel leichter zu bedienen, der alte ist heute nur noch bei Nostalgievorführungen im Einsatz“, lacht Haller-Fischerlehner.

Taschenlampenführung im Neuen Dom

Gespenstisch irrlichtern die Taschenlampen durch den gewaltigen Innenraum, der ansonsten nur von vereinzelten Kerzen und dem diffusen Leuchten der Straßenlaternen erhellt wird: Bei Nacht ist der Neue Dom ein geheimnisvoller Ort, den man bei einer abendlichen, knapp einstündigen Führung im Schein der LED-Lampen erkunden kann. Die Erläuterungen über die Baugeschichte und die architektonischen Besonderheiten verblassen angesichts der mystischen Atmosphäre in der größten Kirche Österreichs. Von der unterirdischen Krypta mit dem Superman-Krippenengel führt der Weg an Steinfratzen vorbei und über schmale Wendeltreppen hinauf bis zum Dachstuhl, wo sich zum Abschluss des Rundgangs ein atemberaubender Ausblick von der Außengalerie bietet: Luftige 30 Meter über dem Domplatz liegt den Nachtaktiven die ganze Innenstadt mit ihren hell leuchtenden Straßenzügen und Schaufenstern zu Füßen.

Sprachencafé im Valdés

Feurige Latino-Musik und der aromatische Duft kubanischer Zigarren schweben über den Tischen, und dunkler Rum lockert die Zunge: In der karibischen Atmosphäre des Café Valdés sprudeln die spanischen Worte wie von selbst. Zweimal im Monat bietet das abendliche Sprachencafé die Gelegenheit, gemeinsam mit Gleichgesinnten die Vokabeln aus dem Uni-Kurs einem Praxistest zu unterziehen oder die Fremdsprachenkenntnisse für den Urlaub aufzupolieren – nicht nur für Spanien, sondern auch Italien, Frankreich und England. Abseits des klassischen Unterrichts kritisiert hier niemand die grammatikalischen Fehler oder den deutlich hörbaren Akzent. Stattdessen plaudern die Sprachlehrlinge völlig unbefangen übers Wetter, über spannende Kursangebote und über die schönsten Urlaubsziele.

Filmbrunch

In der Warteschlange vorm Eingang herrscht noch nervöse Unruhe, doch sobald sich die Tür öffnet, dirigiert der Kellner die Gäste geschickt zu ihren Tischen, und sogleich stellt sich gelassene Gemütlichkeit ein: Der Filmbrunch im Gelben Krokodil ist besonders in den unwirtlichen Wintermonaten die perfekte Gelegenheit, um mit Schmankerln aus regionaler Produktion genussvoll in den Sonntag zu starten. Kräuterschafkäse auf Rucola, selbst gemachter Paprika-Nuss-Aufstrich oder Baked Beans mit Selchfleisch locken von den Buffettellern, die das Personal stets frisch befüllt. Dazu gibt’s Kaffee, Tee und Orangensaft in unbegrenzter Menge, verbunden nur mit der Bitte, aus ökologischen Gründen nicht mehr zu nehmen, als man tatsächlich essen und trinken kann. Nach dem abwechslungsreichen Mahl kommen die vorbestellten Karten für einen der vier Filme direkt an den Tisch, und einem gemütlichen Kino-Nachmittag im Moviemento steht nichts mehr im Wege.

Musiktheater-Führung

Irgendwann purzeln die Zahlen und Daten nur noch im Kopf herum. Eindrucksvoller als die genaue Länge der verlegten Stromkabel oder die Oberfläche der Glasfassade ist ohnedies der Blick hinter die Kulissen einer Spielstätte, die technisch alle Stücke spielt: Das Musiktheater am Volksgarten hat sich die Tricks der weltbesten Opernhäuser abgeschaut und daraus die modernste Bühnentechnik Europas kreiert. Die raffinierte Mechanik von Schnürboden, Drehbühne und Hebepodium imponiert ebenso sehr wie die Akustik im Großen Saal oder im Orchestersaal. Zudem erlaubt die Führung Einblicke in Bereiche, die dem Publikum normalerweise verwehrt bleiben, zum Beispiel in die Schneiderei, die Kulissenwerkstatt oder die Künstlergarderoben. Nach dem eineinhalbstündigen Rundgang durch das Haus bleibt noch reichlich Zeit, um im Klangfoyer spielerisch mit dem Tangosaurus oder der Schallmauer zu experimentieren.

Cinematograph

Mit schwarzer Fliege, Nickelbrille und gepflegtem Schnurrbart begrüßt Herr Georg höflich sein Publikum, als wäre er gerade einem seiner Filme entsprungen. „Heute sehen Sie einen meiner absoluten Lieblingsstreifen“, schwärmt der leidenschaftliche Cineast, bevor der geschichtsträchtige Projektor losrattert. Das Cinematograph ist eine magische Zeitmaschine in die goldene Ära des Kinos: Historische Spielfilme und Dokumentationen in Schwarzweiß stehen am Programm des Liebhaberkinos. In dem 400 Jahre alten Gebäude an der Donaulände finden 35 Personen auf schmalen, rot gepolsterten Sesseln Platz. Neben der Leinwand steht ein rabenschwarzes Piano zur musikalischen Begleitung von Stummfilmen bereit, daneben ein Schild mit der Bitte, nicht auf den Boden zu spucken. Vor und nach den Vorstellungen serviert Frau Traude im angrenzenden Café kaiserliche Rumford-Suppe mit Graupen oder Altwiener Kaffeespezialitäten in Gmundner Keramikhäferln. Jeden Sonntag gibt es zwischen Kachelofen, Spieluhr und vergilbten Fotos ein ausgiebiges Kinofrühstück: Gestärkt mit Melange und Marmeladensemmerl, startet man mit wahren Filmklassikern gemütlich in den Tag.

Limonistollen

Gleich in der Nähe der überdimensionalen Jolly-Stifte bei der Kapuzinerstraße liegt der verborgene Eingang zum Limonistollen. Zwangsarbeiter haben in der NS-Zeit ein kilometerlanges Tunnelsystem in den Sandstein unter dem Bauernberg gegraben, das der Bevölkerung und dem Gauleiter während der Luftangriffe als Bunker gedient hat. Heute darf man die labyrinthische Anlage nur mehr bei Führungen betreten. Allerdings ist fraglich, wie lange noch: Stadt Linz und Republik Österreich streiten darüber, wer die kostspielige Erhaltung tragen muss. So modert und rostet das bisschen verbliebene Einrichtung vor sich hin, und kleine Stalaktiten und Pilze wachsen mancherorts von der gewölbten Ziegeldecke. Trotz warmer Kleidung verursacht der Stollen ein leises Frösteln, das nicht nur an der kühlen Luft, sondern auch an dem nachlässigen Umgang mit einem Stück Stadtgeschichte liegt.

Nachtwächter zu Lintze

„Kropferte Liesl“ war der uncharmante Beiname der Habsburgerin Maria Elisabeth, die aufgrund ihrer Leibesfülle ihre Gemächer in der Linzer Altstadt nur noch per Lift erreichen konnte. Mit solchen Anekdoten, einem langen, schwarzen Mantel, Hellebarde und Laterne ausgestattet, führt Wolfgang Liegl alias der Nachtwächter zu Lintze durch die Vergangenheit der Stadt. „Gott zum Gruße!“, schmettert er zu Beginn in die Runde, und schon sprudeln Geschichte und Gschichtln aus ihm heraus: vom Galgen am Hauptplatz, vom Froschtor am Pfarrplatz (das seinen Namen den Fröschen verdankt, die allmorgendlich beim Öffnen der Stadttore von der Donau in die Stadt hüpften), von hinterlistigen Schlitzohren und betrunkenen Bürgern. Zum Abschluss gibt’s ein Nachtwächtermahl mit Bier und Beuschel oder einer vegetarischen Alternative.