Mode

Faire Kleidung und schicke Accessoires – diese Modegeschäfte in Linz und Rundumadum haben wir für Euch ausprobiert. Wichtig sind für uns Nachhaltigkeit, Gemeinschaft, handwerkliches Können und soziale Verantwortung.

Lightwear

Zum „Schwammerl“ ist sie geworden, als sie im Salzkammergut nach öko-fairer Mode für ihre fünfköpfige Familie gesucht hat. „Dann mach ma’s eben selber“, hat Katrin Hörmandinger ganz pragmatisch beschlossen und 2011 gemeinsam mit ihrem Mann Michael das Lightwear in Vöcklabruck eröffnet. „Uns ist einfach wichtig, dass es den Leuten, die das produzieren, auch wirklich gut geht“, erklärt sie die Entscheidung, warum es in ihrer Boutique ausschließlich fair gehandelte, GOTS– und Bio-zertifizierte Damen-, Herren- und Kinderkleidung von großteils österreichischen Labels gibt. Weil aber ein gutes Gewissen in der Mode nicht alles ist, schauen die Stücke dabei auch noch superlässig aus, sind „für verschiedene Anlässe und Geldbörsl“ geeignet und zudem hochwertig verarbeitet: Mit den süßen Babyklamotten zum Beispiel „bringt man locker zehn Kinder durchs Säuglingsalter“, lacht Hörmandinger.

Volkshilfe ReVital Shop Linz

Ein falsches Samurai-Schwert und zwei echte Steiff-Teddybären aus dem Jahr 1905 sind Bereichsleiter Martin Zwicker besonders in Erinnerung geblieben, aber eigentlich „gibt’s hier jeden Tag was Neues zu entdecken“: Wer kuriose Kleidungsstücke, außergewöhnliche Retro-Möbel oder schickes 50er-Jahre-Geschirr sucht, dem bietet der Volkshilfe ReVital Shop am Spallerhof ein buntes Sammelsurium an günstiger Second-Hand-Ware. Abfallvermeidung lautet dabei das Zauberwort, stammen die Artikel doch zum Großteil aus Altstoffsammelzentren und 500 Altkleidercontainern in ganz Oberösterreich. Wer sperrige Möbel oder alte Elektrogeräte direkt an die Volkshilfe spenden will, ruft einfach im Shop an: Der Betrieb beschäftigt knapp 50 Langzeitarbeitslose, die brauchbare Ware kostenlos abholen, streng auf Sauberkeit, Sicherheit und Funktionstüchtigkeit prüfen und gegebenenfalls reparieren. Auch deshalb herrscht an frischem Nachschub für den 600 Quadratmeter großen Laden keinerlei Mangel, meint Zwicker: „Wenn ich doppelt so viel Fläche hätte, könnte ich die auch locker bespielen.“

Natürlich Baby

Im Sekundentakt möchte man „Mei liab!“ quietschen, wenn man die regenbogenbunten Leiberl mit Baggern, Zwergen und Marienkäfern durchstöbert: Farbenfroh, bequem und lustig ist die Kindermode im Natürlich Baby, und zudem Bio-, Fairtrade– und/oder GOTS-zertifiziert. „Mir war ziemlich ungut beim Gedanken, welche Schadstoffe in gewöhnlichen Babytextilien sind“, erinnert sich Monika Stadler an ihre Beweggründe, das Geschäft bei der Goethekreuzung zu eröffnen. Für ihr eigenes Kind hat sie sich „so richtig reingestrebert“ in das Thema und weiß nun ganz genau, welche Stoffe für zarte Babyhaut besonders gut verträglich sind und wie man mit Stoffwindeln Abfall vermeidet. Darüber hinaus findet man im Laden Schnuller aus Naturkautschuk, naturbelassene Holzspielsachen, Biobaumwoll-Tragetücher oder einen schadstofffreien Kinderwagen aus dem Mühlviertel – kurzum „Sachen, die gut fürs Baby und für die Umwelt sind und dabei das Leben der Eltern erleichtern“.

Hermanns Art of Shoes

Eine stolze Sammlung alter Schuhcreme-Blechdosen schmückt die Theke, auf der ein Paar Waldviertler mit durchgelatschter Sohle steht. „Die hat ein Kunden vor 15 Jahren gekauft, und jetzt lässt er sie herrichten, damit er sie noch mal 15 Jahre tragen kann“, erklärt Hermann Stuchlik. Anstatt Schuhe wie Wegwerfartikel zu behandeln, die nach einem Jahr aus der Mode und in die Tonne kommen, setzt Stuchlik in seinem Geschäft beim Welser Kaiser-Josef-Platz auf „gscheite heimische Produkte, wo sich eine Reparatur auszahlt“. Das gilt nicht nur für die Fußbekleidung: Auf Kundenwunsch hat er im Laufe der Jahre naturnahe Möbel, herzige Handpuppen und artistischen Jonglierbedarf in sein kunterbuntes Sortiment aufgenommen. „Die Kinder stehen derzeit total auf die Diabolos“, schmunzelt Stuchlik. Er selbst buddelt in seiner Freizeit lieber nach römischen Überresten oder verarbeitet die Früchte seines Gartens zu köstlichen Marmeladen, Fruchtessigen und Likören, mit denen er seine Kundschaft verwöhnt.

Mawasi

Manchmal ist eine Idee so gut, dass zwei Menschen sie zur selben Zeit haben: Unabhängig voneinander wollten Anna Luger-Stoica und Silke Hager im Herbst 2012 in Ottensheim ein Geschäft für ökologische und fair produzierte Mode eröffnen. Bei der Suche nach dem richtigen Standort sind sie sich quasi über den Weg gelaufen. Das Ergebnis dieser glücklichen Fügung ist das Mawasi, was auf Suaheli „Kleidung“ bedeutet: Zwischen Dorfkirche und Thorbräu gelegen, bietet die Boutique robuste Umhängetaschen aus recycelten Feuerwehrschläuchen, leichte T-Shirts aus natürlichem Hanf oder die verspielten Spiralkleider des Eferdinger Designlabels Fairytale Fashion. Transparenz ist den beiden „Mawasis“ dabei ein Herzensanliegen: Geduldig erklären sie den Kundinnen und Kunden die Bedeutung der Gütesiegel wie Fairtrade oder GOTS und informieren über die Philosophie und die Produktionsmethoden der einzelnen Labels, damit öko-faire Mode vom Trend zur Selbstverständlichkeit wird.

Kraftstoff

Zwischen pfiffigen Jerseys, wasserabweisenden Taschenstoffen und weichen Cords schnurren leise die Nähmaschinen: Das Kraftstoff nahe des Welser Bahnhofs ist Bio-Textilgeschäft und kreative Nähwerkstatt in einem. Verschiedenste Schnittmuster inspirieren zu schicken Unikaten, und in Kursen (auch speziell für Männer!) vermittelt Inhaberin Gerlinde Huber das nötige Handwerkszeug für Poncho, Kapuzensweater oder Loopschal. Die gestapelten Stoffballen direkt neben den Schneidertischen sind alle in Bio-Qualität und großteils auch GOTS-zertifiziert. Die strenge Auswahl der Materialien ist für die frühere Sozialarbeiterin „eine Haltungsfrage“: Jeder könne mit seinen Konsumentscheidungen etwas Positives für die Umwelt und die eigenen Gesundheit bewirken. Besonders bei Kleinkindern mit ihrer empfindlichen Haut achten immer mehr Eltern auf schadstofffreie Kleidungsstücke, verrät Gerlinde Huber, die selbst Mutter eines kleinen Sohnes ist.

Atelier Vielfelt

Die Schaufensterpuppe stolziert mit spiralengemustertem Kleid aus recycelter 70er-Jahre-Bettwäsche durch den Raum, daneben leuchten handgefilzte Kinderpatscherl, streichelweicher Textilschmuck und originelle Kopfbedeckungen in allen Farben des Regenbogens: Es ist schier unmöglich, die geballte Kreativität der sechs oberöstereichischen Kunsthandwerkerinnen zu beschreiben, die miteinander das Atelier Vielfelt wenige Schritte vom Linzer Hauptplatz betreiben. Die Leidenschaft für traditionelle Textilhandarbeit zieht sich wie ein roter Faden durchs Sortiment: Gemeinsam präsentieren sie selbst genähte, gestrickte, gefilzte und gewebte Kleidungsstücke und Accessoires, kombiniert mit den kuscheligen Schätzen der Wollwerkstatt und den frischen Ideen von jungen Gastausstellerinnen. Zudem unterstützt die Boutique regelmäßig internationale Spendenaktionen, heuer zum Beispiel das Projekt Guldusi für afghanische Stickerinnen.

Xiling

Pioniere sind Menschen, die auf ihre Vision vertrauen, auch wenn alle anderen dagegen matschkern: Als das Xiling vor 30 Jahren in der Linzer Rainerstraße eröffnet wurde, interessierte sich noch kaum jemand für ökologische Mode. „Heute denken die Leute darüber nach, wo ihr Gewand herkommt und was sie damit womöglich über die Haut aufnehmen“, erzählt Janna Binder, die gemeinsam mit ihrer Mutter Caroline das Geschäft in dritter Generation führt. In der 40 Quadatmeter großen Boutique gibt es ausschließlich Kleidung aus hautverträglichen und pflegeleichten Naturmaterialien in Bio- oder GOTS-Qualität: Sportfunktionswäsche aus feiner Merino-Wolle, maßgeschneiderte Mühlviertler Jeans aus Leinen und Baumwolle, Babyoveralls aus Bouretteseide oder Satin-Bettwäsche aus dem nahen Neufelden. Besonders sticht die Damenmode des Wiener Upcycling-Duos Milch heraus, welches aus alten Herrenhosen unter anderem Kleider und Umhängetaschen näht. Wen beim Durchstöbern des erlesenen Sortiments die Muse küsst, der findet bei Xiling eine kleine Auswahl an Stoffen und Garnen zum selber Schneidern.

Weltladen und Fairytale Fashion

Im Stadtzentrum von Eferding ist wohl der einzige Weltladen mit einem eigenen Modelabel: Sonnenfrau, Lichttanz und Schmetterlingsauge heißen die zauberhaften Kleider, Röcke und Shirts von Fairytale Fashion. So fantasievoll wie ihre Namen sind auch die verspielten Stickereien, die sie zieren. Alle Stücke werden in Nepal unter fairen und umweltschonenden Bedingungen aus Bio-Baumwolle von Hand gefertigt. Die Designs stammen von der Oberösterreicherin Ingrid Gumpelmaier-Grandl, die gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrem Mann vor zehn Jahren den Weltladen ins Leben gerufen hat. Fairtrade-Kaffee und die Fairytale-Kleider, Räucherstäbchen und steirischer Wein, handgeschnitzte Holzelefanten und Cider aus dem Nachbarort Schleißheim füllen den Laden bis in den letzten Winkel. Die Unterteilung in Erste, Zweite und Dritte Welt spielt dabei keine Rolle, erklärt Inhaber Heinz Grandl scherzend: „Wir sind eben ein Eine-Welt-Laden!“

Moschi

Elvis schmachtet vom Plattenspieler neben der schweren Registrierkasse, während ein Puppenkopf mit Melone, gepunkteter Fliege und gestrengem Blick die Eingangstür fixiert: Das Moschi in der Rainerstraße ist eine zauberhafte Zeitkapsel, voll mit einzigartiger Second-Hand-Mode und Vintage-Accessoires der 50er bis 80er Jahre: Der schicke Smoking für die Dinnerparty hängt neben lässigen Lederjacken und Hippieblusen, Cowboystiefel gesellen sich zu knalligen Perücken und verrückten Sonnenbrillen. Günstig sind die kreativen Einzelstücke obendrein. “Die meisten Kundinnen und Kunden kommen vom Theater und der Kunst-Uni”, sagt Inhaberin Helga Köhl. „Die einen suchen Requisiten für die Bühne, die anderen Verkleidungen für Retro- oder Faschings-Partys.“ Wer Zeit und Lust zum Stöbern mitbringt, kann hier viele schräge Klamotten entdecken und anprobieren – so wird schon der Einkauf zum fröhlichen Kostümfest.