Alle Artikel zum Schlagwort Führung

50 Dinge, die ein Oberösterreicher getan haben muss

Im Morgengrauen tuckert sie mit dem letzten Linzer Donaufischer hinaus auf den Strom und lässt ihn von seiner faszinierenden Arbeit erzählen, während er die Netze mit Hecht, Barbe und Zander an Bord zieht: Melanie Wagenhofer liefert mit ihrem Buch „50 Dinge, die ein Oberösterreicher getan haben muss“ weniger ein striktes Pflichtprogramm für Einheimische und Zuagroaste als vielmehr eine stimmungsvolle Geschichtensammlung aus dem Land ob der Enns. Die Autorin streichelt Gamshaare beim Bartbinder Bertl in Ebensee, klackert am Leinenwebstuhl in Haslach und verkostet Mühlviertler Wein aus dem Haselgraben. Dazwischen schildert sie klassische Ausflugsziele wie die Bucklwehluckn in Sankt Thomas, das Traunseeschloss Ort und die obligatorische Grottenbahn am Pöstlingberg mit derart gefühlvollen Bildern, dass man sogleich Lust bekommt, das Heimatland neu zu erkunden.

Bergkräutergenossenschaft

Minzige Frische kitzelt die Nase, zwei Schritte weiter duftet es nach süßen Hollerblüten, dann wieder nach kräftigem Kümmel: „Bei uns riecht’s in jeder Ecke anders“, scherzt Karl Dirnberger beim Rundgang zwischen den vollgeschlichteten Hochregalen. Bekleidet mit weißem Mantel und Schutzhaube, führt er durch den Betrieb, wo pro Jahr 180 Tonnen Kräuter von 38 Mühlviertler Biobauernhöfen zu Tee und Gewürzmischungen verarbeitet werden. Entstanden ist die Bergkräutergenossenschaft vor bald 30 Jahren beim sonntäglichen Stammtisch, erzählt der Geschäftsführer gleich zu Beginn der Besichtigung. Im Lauf der Jahre wurde für jede Höhenlage das passende Kraut gefunden: Während Zitronenmelisse die wärmeren Täler bevorzugt, entwickelt Pfefferminze auf 900 Höhenmetern ein besonders intensives Aroma.Wie die ätherischen Öle der Pflanzen erhalten bleiben und was das mit dem Butterkessel aus der ehemaligen Molkerei Freistadt zu tun hat, erfährt man beim Rundgang durch die Hallen. Danach geht es bei Schönwetter weiter auf eines der Kräuterfelder, und zu guter Letzt locken im Werksverkauf die wohlduftenden Schätze aus dem Mühlviertel.

Sagenreiseführer Oberösterreich

Der Teufel war früher ein ganz schön umtriebiger Geselle: In Rohrbach tanzt er mit blutjungen Mädchen, in Braunau packt er gottlose Knechte beim Krawattl und am Abersee baut er eine Kirche, nur um vom heiligen Wolfgang um seinen Lohn geprellt zu werden. Oberösterreich ist reich an fesselnden Sagen, die reale Orte mit fantastischen Figuren wie Drachen, Nixen und dem Schwarzen Mönch verknüpfen. Autor Erich Weidinger und Fotograf Michael Maritsch haben sich auf Spurensuche begeben und in allen vier Vierteln mythisch-mystische Schauplätze aufgespürt. Entstanden ist daraus ein Reiseführer, der Geschichte und Geschichten auf kurzweilige Art miteinander verbindet. Die 43 Ausflüge, Rundgänge und Wandertouren führen zu historischen Ruinen, geheimnisvollen Felsformationen und bezaubernden Naturjuwelen, wo sich mit dem Buch in der Hand die Pforten zur heimischen Sagenwelt öffnen.

Taschenlampenführung im Neuen Dom

Gespenstisch irrlichtern die Taschenlampen durch den gewaltigen Innenraum, der ansonsten nur von vereinzelten Kerzen und dem diffusen Leuchten der Straßenlaternen erhellt wird: Bei Nacht ist der Neue Dom ein geheimnisvoller Ort, den man bei einer abendlichen, knapp einstündigen Führung im Schein der LED-Lampen erkunden kann. Die Erläuterungen über die Baugeschichte und die architektonischen Besonderheiten verblassen angesichts der mystischen Atmosphäre in der größten Kirche Österreichs. Von der unterirdischen Krypta mit dem Superman-Krippenengel führt der Weg an Steinfratzen vorbei und über schmale Wendeltreppen hinauf bis zum Dachstuhl, wo sich zum Abschluss des Rundgangs ein atemberaubender Ausblick von der Außengalerie bietet: Luftige 30 Meter über dem Domplatz liegt den Nachtaktiven die ganze Innenstadt mit ihren hell leuchtenden Straßenzügen und Schaufenstern zu Füßen.

Slow Foot Wanderungen Oberösterreich

Wer nur von einem Gipfel zum nächsten hetzt, wird mit diesem Buch nicht glücklich werden: Der Slow-Foot-Wanderführer macht den Umweg zum Ziel und lenkt den Blick auf die Schönheit am Wegesrand. Die 38 Touren führen in gemütlichem Schritttempo durch Flusstäler, auf sanfte Hügel oder durch die Städte Oberösterreichs. Kurz und knackig beschreibt Autor Stephen Sokoloff die Besonderheiten der Landschaft, sodass man unterwegs immer wieder innehält, um zum Beispiel fossile Kuhtritt-Muscheln am Gosausee, blühende Streuobstwiesen im Eferdinger Becken oder die einzigartige Flora im Tannermoor zu bestaunen. Die detailreichen Wegbeschreibungen und die Tipps für urige Gasthäuser mit regionalen Schmankerln machen das Buch zu einem praktischen Begleiter für eine entschleunigte Wanderung.

Hafenrundfahrt mit MS Helene

Steil ragt die ufernahe Hälfte des kastenförmigen Schiffes aus dem Wasser. Der Rest der gesunkenen „Schwimmenden DDSG-Werkstätte“ dient Jungfischen als geschützter Tummelplatz und sorgt damit für ungewöhnlich reichen Fang im größten Hafen Österreichs: Es sind Geschichten wie diese, mit denen Kapitän Andreas Kastler die eineinhalbstündige Hafenrundfahrt mit der historischen MS Helene zu einem kurzweiligen und spannenden Ausflug für Kinder wie Erwachsene macht. Vom Urfahraner Jahrmarktgelände führt der Weg mit gemächlichen 15 Stundenkilometern zunächst stromaufwärts bis zur Linzer Pforte beim Freinberg und nach einer Kehrtwende die Donau hinunter in den Handels- und in den Winterhafen. Allderweil erzählt Kapitän Kastler vom Fluch und Segen der Überschwemmungen, von Tunneln unter der Donau und von verborgenen Weltkriegsbunkern. Für die Durstigen werden an Deck Most und Fruchtsäfte aus ökologischer Landwirtschaft sowie andere kleine Erfrischungen serviert.

Linz App

Müde Füße und rote Wangen zeugen von einem ausgedehnten Stadtspaziergang. Jetzt gehört so schnell wie möglich eine gute Melange her – aber wo ist das nächste Kaffeehaus? Wer jetzt keinen Ortskundigen an der Hand hat oder einfach mal was Neues ausprobieren will, dem hilft die kostenlose Linz App bei der Orientierung: Aufgeschlüsselt in Kategorien wie Restaurants, Bars oder Cafés, findet die Anwendung für iPhone und Smartphone Lokale in der unmittelbaren Umgebung, listet die wichtigsten Eckdaten wie Telefonnummer, E-Mail oder Öffnungszeiten auf und liefert sogar eine Wegbeschreibung. Leider ist die Kartenübersicht relativ langsam und es fehlt eine Filterfunktion, um zum Beispiel aktuell geöffnete oder nachhaltige Gastro-Betriebe zu suchen. Dafür aber erkennt die App dank der Zusatzfunktion Wikitude Sehenswürdigkeiten und historische Gebäude vor der Handykamera und zeigt die wichtigsten Infos auf dem Display an – ein praktischer Wegbegleiter für technikbegeisterte Zuagroaste und wissbegierige Alteingesessene.

Musiktheater-Führung

Irgendwann purzeln die Zahlen und Daten nur noch im Kopf herum. Eindrucksvoller als die genaue Länge der verlegten Stromkabel oder die Oberfläche der Glasfassade ist ohnedies der Blick hinter die Kulissen einer Spielstätte, die technisch alle Stücke spielt: Das Musiktheater am Volksgarten hat sich die Tricks der weltbesten Opernhäuser abgeschaut und daraus die modernste Bühnentechnik Europas kreiert. Die raffinierte Mechanik von Schnürboden, Drehbühne und Hebepodium imponiert ebenso sehr wie die Akustik im Großen Saal oder im Orchestersaal. Zudem erlaubt die Führung Einblicke in Bereiche, die dem Publikum normalerweise verwehrt bleiben, zum Beispiel in die Schneiderei, die Kulissenwerkstatt oder die Künstlergarderoben. Nach dem eineinhalbstündigen Rundgang durch das Haus bleibt noch reichlich Zeit, um im Klangfoyer spielerisch mit dem Tangosaurus oder der Schallmauer zu experimentieren.

Limonistollen

Gleich in der Nähe der überdimensionalen Jolly-Stifte bei der Kapuzinerstraße liegt der verborgene Eingang zum Limonistollen. Zwangsarbeiter haben in der NS-Zeit ein kilometerlanges Tunnelsystem in den Sandstein unter dem Bauernberg gegraben, das der Bevölkerung und dem Gauleiter während der Luftangriffe als Bunker gedient hat. Heute darf man die labyrinthische Anlage nur mehr bei Führungen betreten. Allerdings ist fraglich, wie lange noch: Stadt Linz und Republik Österreich streiten darüber, wer die kostspielige Erhaltung tragen muss. So modert und rostet das bisschen verbliebene Einrichtung vor sich hin, und kleine Stalaktiten und Pilze wachsen mancherorts von der gewölbten Ziegeldecke. Trotz warmer Kleidung verursacht der Stollen ein leises Frösteln, das nicht nur an der kühlen Luft, sondern auch an dem nachlässigen Umgang mit einem Stück Stadtgeschichte liegt.

Nachtwächter zu Lintze

„Kropferte Liesl“ war der uncharmante Beiname der Habsburgerin Maria Elisabeth, die aufgrund ihrer Leibesfülle ihre Gemächer in der Linzer Altstadt nur noch per Lift erreichen konnte. Mit solchen Anekdoten, einem langen, schwarzen Mantel, Hellebarde und Laterne ausgestattet, führt Wolfgang Liegl alias der Nachtwächter zu Lintze durch die Vergangenheit der Stadt. „Gott zum Gruße!“, schmettert er zu Beginn in die Runde, und schon sprudeln Geschichte und Gschichtln aus ihm heraus: vom Galgen am Hauptplatz, vom Froschtor am Pfarrplatz (das seinen Namen den Fröschen verdankt, die allmorgendlich beim Öffnen der Stadttore von der Donau in die Stadt hüpften), von hinterlistigen Schlitzohren und betrunkenen Bürgern. Zum Abschluss gibt’s ein Nachtwächtermahl mit Bier und Beuschel oder einer vegetarischen Alternative.