Alle Artikel zum Schlagwort Gastgarten

Wirt am Graben

Gusentaler Lachsforelle, Lamm aus Rutzenmoos, Wildhendl aus Vorchdorf: Gelegentlich liest sich die Speisekarte beim Wirt am Graben wie eine ausgefeilte Reiseroute zu den Orten, wo das bäuerliche Lebensmittelhandwerk in Oberösterreich daheim ist. Als „irrsinnigen Aufwand“ beschreibt Pierre Levassor die Lieferantensuche, aber für das Vertrauen der Gäste braucht es Transparenz, was von welchem Bauernhof stammt. „Außerdem ist der persönliche Kontakt zu den Herstellern unglaublich schön“, lacht der Junggastronom, der selbst auf einem kleinen Bauernhof beim Attersee aufgewachsen ist. Seit der Eröffnung des gemütlichen Lokals vor mehr als fünf Jahren „hat sich einiges entwickelt, aber das Gedankengut ist gleich geblieben“: nämlich aus frischen, saisonalen, großteils biologischen Lebensmitteln der Region eine gutbürgerliche und zugleich moderne Küche zu zaubern, erklärt Pierre sein Konzept. Abwechslung ist da allein schon durch den Wechsel der Jahreszeiten vorprogrammiert, deshalb schreibt er eigenhändig jeden Tag die Speisekarte neu. „Ich möchte nicht immer Schnitzel backen, sondern Freiraum für kreative Gerichte schaffen.“

Taverne zu Prandegg

Über moosbewachsenen Granitblöcken und wildwuchernden Haselstauden thronen die Reste der Burg Prandegg, der Franz Leitner seinen beruflichen Neustart zu verdanken hat. „Vor zehn Jahren hab ich hier im Backhäusl regelmäßig Bauernbrot gebacken“, erzählt der gelernte Bäcker, „und dann hat mich die Gemeinde gefragt, ob ich nicht ein Lokal aufmachen will“. Also verwandelte er mit tatkräftiger Unterstützung von Freundeskreis und örtlichen Vereinen das verfallene Gemäuer des ehemaligen Meierhofs in eine gemütliche Jausenstation, wo Kinder beim Ritterspiel zwischen Reitern und Wanderinnen durch Gastgarten und Spielplatz wuseln. Dass Franz Leitner im Ruf steht, einen der besten Schweinsbraten nördlich der Donau zu servieren, lockt die Gäste zusätzlich an. „Ich schau, dass alles so weit wie möglich von rundumadum kommt“, erklärt Leitner die Einkaufspolitik in seinem Null-Emissionen-Gasthaus: das Fleisch von einem Familienbetrieb in St. Leonhard, der frische Saibling aus dem nahen Naarntal, der Apfelmost aus Wartberg und das Bio-Zwickl aus Freistadt. Nur die fantastischen, mit Mohn und Powidl gefüllten böhmischen Golatschen bezieht er von jenseits der Grenze, was die Gäste aber nicht zu stören scheint: „Am Wochenende reißen uns die Leute die Golatschen nur so aus der Hand.“

Café Bar Stern

Wie die Protonen-Strahlen der Ghostbusters zickzacken die weißen Lichtbänder durchs Lokal, und auf den Kletterpflanzen über den Tischen könnte sich Tarzan locker durch die Lüfte hangeln: „Das Lichtkonzept und die Bepflanzung sind sicher die auffälligsten Änderungen seit dem Umbau“, meint Rainer Landerl, der Geschäftsführer der Café Bar Stern beim Linzer City Kino. Nicht nur die Einrichtung wurde im Sommer 2014 cinefantastisch umgebastelt, sondern auch die Karte noch regionaler und biologischer gestaltet: Kaffee und Fruchtsäfte kommen aus dem Mühlviertel, Limonaden aus dem Hausruckviertel, Craft-Biere aus Salzburg und der Cider direkt vom burgenländischen Erzeuger. „Wenn wir bei uns so tolle Produzenten haben, dann wär’s doch idiotisch, wenn ich’s anderswo kauf“, lacht Landerl. Begleitet werden die Getränke von hausgemachten Mehlspeisen, Tagesgerichten und kleinen Imbissen aus der bio-regionalen Küche des Restaurants Gelbes Krokodil, zu dem das Stern gehört. An lauen Sommerabenden öffnet sich die bewegliche Glasfront zum kleinen Gastgarten am Linzer Graben, wo man bei einem gepflegten Hollerkracherl über Sternzeichen, Sternbilder und Filmsternchen philosophieren kann.

Gasthof Rahofer

Vollgepumpt mit warmen Sonnenstrahlen präsentieren sich schon die ersten Früchte am Feigenstrauch direkt neben den Tischen im Innenhof. „Aus denen machen wir bald Marmelade“, freut sich Rudolf Rahofer. Seit mehr als 500 Jahren verbindet der historische Vierkanthof im Ortskern von Kronstorf gehobene Gast- mit traditioneller Landwirtschaft – ein Erfolgsrezept, das Haubenkoch Rahofer seit über 35 Jahren fortführt. Ob Kartoffeln für den Grammelknödelteig, Dinkel für das selbstgebackene Brot oder Früchte für Säfte und Marmeladen, sie alle stammen vom eigenen Hof. Die restlichen Zutaten kommen „zu etwa drei Viertel“ aus der unmittelbaren Umgebung, der Fisch etwa aus Schiedlberg, das Kalb aus dem Kremstal und der frische Spargel von einem Bauern aus dem Ort. Daraus kocht Rahofer klassische oberösterreichische Gerichte „ohne Firlefanz“, die im noblen Restaurant-Salon, in der urigen Gaststube oder im lauschigen Gastgarten serviert werden. Harmonisch passt sich die handgeschriebene Speisekarte dem wechselnden Angebot der Jahreszeiten an und bringt damit stets die Leckerbissen der Saison auf den Tisch, betont Rahofer: „Alles andere ist für mich uninteressant.“

Gerberei

Beglühbirnte Suppentöpfe aus Omas Küchenkastl leuchten auf das fröhlich zusammengewürfelte Sesselsurium, das altersmäßig schon fast mit dem historischen Gewölbe mithalten kann. „Für die Einrichtung haben wir über ein Jahr lang Flohmärkte, den Arge Trödlerladen und die Dachböden von Freunden geplündert“, scherzt Heidrun Resch. Mitte März hat sie schließlich zusammen mit ihrer Schwester Gunda im ehemaligen Gerberhaus am Linzer Pfarrplatz das Café Gerberei eröffnet, wo Kinder durch die Spielecke wuseln und Erwachsene über einem Roman aus dem Bücherregal oder einer Partie Schach brüten. „So ein gemütliches Lokal mit ein bissl Individualität haben wir uns immer gewünscht“, erklärt Heidrun die gemeinsame Idee. Nicht nur beim Kaffee aus der kleinen Salzburger Rösterei 220 Grad achten die beiden auf regionale, handwerkliche Herstellung, sondern auch bei den Getränken und den Bio-Zutaten für die hausgemachten Mehlspeisen und Aufstrichbrote. Besonders das Mühlviertel ist mit Bieren, Fruchtsäften und dem Mehl für Apfelschlangerl, Brioche und Schoko-Cookies gut vertreten, weil die beiden dort viele Bäuerinnen und Landwirte persönlich kennen, erklärt Heidrun: „Wir wollen hinter allem stehen, was wir anbieten.“

Jo’s Restaurant

Uralt ist das Haus, erzählt Jochen Neustifter, und als Poststation seit dem Spätmittelalter ein Treffpunkt, wo sich die Wege aus Nah und Fern kreuzen: Vor bald 15 Jahren hat der weitgereiste Koch das ehemalige Gasthaus zur Post in Vorchdorf übernommen und in einen „ein bissl anderen Dorfwirt“ verwandelt. „Durch meine Arbeit bei einem internationalen Caterer bin ich viel im Mittelmeerraum und im Orient herumgekommen und hab von dort meine Liebe zu mediterranen Kräutern, Kreuzkümmel und Sternanis mitgenommen“, erklärt Neustifter die Einflüsse seiner „weltoffenen Küche“. Fest in der Heimat verwurzelt ist er allerdings bei der Auswahl der Zutaten: Frisches Obst und Gemüse bekommt er von einem Bio-Bauern aus dem Ort, das Fleisch kommt aus dem nahen Almtal, und die fernöstlichen Gewürze in Fairtrade-Qualität kauft er beim Weltladen ums Eck. „Ich bin von hier, da liegt es auf der Hand, dass ich auch alles da kaufe“, schmunzelt Neustifter.

Bigoli

Leise simmert der Gemüsefond im offenen Topf vor sich hin, während Gerhard Hinterleitner den Teig aus frischen Bio-Zutaten durch die Pastamaschine presst. „Die Eiernudeln Bigoli sind typisch für die Gegend rund um Treviso“, schwärmt der Koch, der bei einer Reise nach Norditalien die dortige Küche kennen und lieben gelernt hat. Von der Krautsuppe Jota über das Bohnengericht Pasta e Fagioli bis zu Gnocchi in Steinpilzsauce reicht die „ein bissl deftigere Hausmannskost“, mit der Hinterleitner gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Ursula Scherp seit dem Sommer 2007 südliches Flair auf den Linzer OK-Platz zaubert. Damit die Gerichte so authentisch wie möglich schmecken, reist er mehrmals pro Jahr zu befreundeten Betrieben im Veneto, in Istrien und im Friaul. Dort deckt er sich mit handwerklich erzeugten Lebensmitteln wie Prosciutto, Käse und Olivenöl ein oder pflückt wild wachsenden Salbei. Aus diesen Zutaten bereitet er jeden Abend köstliche Antipasti und venezianische Brötchen namens „Cicchetti“, die hervorragend zu einem Gläschen Wein passen, meint Hinterleitner: „Bei uns gibt es keine großen Etiketten und klingende Namen, sondern genau die Weine, wie du sie auch in einer Osteria in Treviso finden würdest.“

Spitzwirtin

An einem sonnigen Fleckerl Erde zwischen Waldesrand und den sanften Wellen des Schartner Obst-Hügellands liegt das traditionsreiche Ausflugsziel, in dem „viele Gäste schon mit ihrem Opa gewesen sind“: Vor zehn Jahren hat Renate Stain das „Wirtshaus im Wald“ von ihrer Mutter übernommen und den ausschließlich von Frauen geführten Familienbetrieb von Spitzwirt auf Spitzwirtin umgetauft. Besonders im Frühling zieren blühende Kräuterkistln, knorrige Apfelbäume und bunte Gemüsebeete den Garten und liefern die Grundlage für die bodenständige, saisonale Küche des Hauses. Die restlichen Zutaten stammen von befreundeten Partnerbetrieben aus der nahen Umgebung: das Bio-Wildhendl aus Schlierbach, die Fruchtsäfte von Schartner Obstbauernhöfen und die gebratene Forelle mit Paschinger Bio-Kartoffeln direkt vom Nachbarn. „Wir wollen selber was Ordentliches essen“, erklärt Stain kurz und bündig ihre Philosophie, während aus der offenen Küche das rhythmische Klatschen des Schnitzelklopfers zu hören ist. „Dass wir genau das auch unseren Gästen servieren, fühlt sich einfach gut an.“

Thorbräu

Chromblitzend strahlen die auf Hochglanz polierten Edelstahlkessel durch die Glaswand, „nur wenn Brautag ist, sieht man fast nichts, weil die Scheibe anrennt“, scherzt Claudia Laska. Zweimal die Woche stellt ihr Bruder Ingo in der gläsernen Schaubrauerei des Thorbräu aus oberösterreichischem Hopfen und Malz helles, halbdunkles, Bio- oder Weizenbier her. Zudem überrascht er die Gäste regelmäßig mit kreativen Spezialitäten wie Chili-Bier, dunklem Bock oder India Pale Ale, die dem nordischen Braugott Thor alle Ehre machen würden. Der Namenspatron der Bar steht übrigens auch für die vier Werte, die den Braumeister bei seiner Arbeit leiten, nämlich Tradition, Handwerk, Originalität und Reinheit. „Hier steht das Bier im Mittelpunkt“, erklärt Claudia Laska, die das Getränkeangebot des Nichtraucherlokals um hochprozentigen Hopfengeist, Bierlikör und -brand bereichert. Und weil viele Gäste beim feuchtfröhlichen Umtrunk der Heißhunger packt, dürfen sie sich auf kleine Imbisse von der Brezn über Flammkuchen bis zum „berühmten Gulasch der Mama“ freuen.

P’aa

Bunte Blubberblasen schweben als Deko an der Wand – die einzigen Farbtupfen im ansonsten schlicht gehaltenen Interieur. „Wir haben reduziert bis zum Geht-nicht-mehr, damit nichts ablenkt vom Essen“, beschreibt Inhaber Hannes Braun den kürzlich abgeschlossenen Umbau im P’aa. „Genauso wird auch bei den Gerichten nix dekoriert, beschönt oder versteckt.“ Grund dafür gibt es ohnedies keinen: „Wir schauen darauf, was gut ist für den Körper“, erklärt Braun, warum es in seinem Lokal keine Mikrowelle, Tiefkühlkost oder Geschmacksverstärker gibt. Stattdessen kocht er aus frischen Biolebensmitteln vegetarische und vegane Gerichte, die zu einer kulinarischen Reise um die Welt einladen. Die Zutaten dafür können die Gäste auch direkt im Restaurant kaufen: In der Vitrine stehen von Sojaobers über Seitanwürstel bis zu pflanzlichem Chilihühnchen dieselben Produkte, wie sie für die Gerichte verwendet werden. „Wer neugierig ist, wie wir kochen“, ergänzt Braun, „der kann jederzeit in unsere Küche kommen und uns dabei zusehen“.