Alle Artikel zum Schlagwort Gemüse

Nachbars Garten

Dornen auf dem Stängel, Dornen auf den Blättern, Dornen auf der Frucht, aber der süße Geschmack der Litschi-Tomate entschädigt für die schmerzhaften Stacheln, „die erst nach zwei Wochen wieder aus der Haut kommen“, berichtet Clemens Wurm aus leidlicher Erfahrung. Glücklicherweise muss man die Früchte nicht selber ernten, sondern kann sie geschält und entstachelt im Hofladen von Nachbars Garten kaufen. Auf dem Versuchsfeld direkt neben dem alten Bauernhaus in Oftering wachsen exotische Physalis, Tomatillos und Honigmelonen neben heimischen Kraut und Rüben, die für den freitäglichen Ab-Hof-Verkauf knackfrisch geerntet werden. „Den Salat hab ich grad vor 20 Minuten geschnitten“, erzählt Wurm. Vor 15 Jahren hat er den elterlichen Hof auf Bio umgestellt und dafür sein Wirtschaftsstudium abgebrochen. „Da kriegst jedes Mal einen richtigen Flash, wenn du an der Frischluft rackerst“, erinnert er sich an die Umstellung von Hörsaal auf Gemüsefeld. Bereut hat er die Entscheidung nie: „Als Biobetrieb kannst du viel mehr gestalten, und die Biobauern helfen sich untereinander mit ihren Erfahrungen total gern weiter.“

Landgärtnerei Ehmeier

Zusammengerollt schlummert die rotgetigerte Katze auf dem Vogelkäfig, in dem drei blitzblaue Wellensittiche ein fröhliches Ständchen pfeifen: Selbst wenn draußen der letzte kalte Winterhauch um die vier Glashäuser weht, fühlen sich Tiere und Pflanzen in der warmen „Kinderstube“ der Landgärtnerei Ehmeier sichtlich wohl. „Mehr als 35 verschiedene Bio-Chilis und 45 Bio-Kräuter wachsen hier“, deutet Karin Kempl auf die dicht gedrängten Töpfe, die dank der Kraft der Sonne und der Abwärme einer nahen Biogasanlage schon zu Beginn der Gartensaison üppiges Grün hervorbringen. Vor drei Jahren hat sie den Familienbetrieb mit ihrem Mann Peter übernommen und sich in Zusammenarbeit mit dem Verein Arche Noah auf Gemüse- und Kräuterraritäten „abseits der Standardsorten“ spezialisiert: Das winterfeste Olivenkraut zum Beispiel duftet herrlich nach der mediterranen Steinfrucht, nussige Asia-Pflücksalate wachsen immer wieder nach, und ein tägliches Blättchen der Jiaogulan-Pflanze verspricht ein langes Leben. Besonders stolz ist Kempl auf die breite Vielfalt an Bio-Chilis, die sie als junge Setzlinge verkauft oder mit Marillen, Zwetschken oder Sellerie zu pikanten Saucen und würzigen Chutneys verarbeitet. „Wir haben alles von gemütlich bis extra-hot, aber die Kunden wollen immer nur die schärfsten Chilis“, lacht Kempl.

Ernteland

Mit „Kraut und Ruam“ hat sie vor 20 Jahren begonnen, und dieses Konzept verfolgt Margarita Zauner mit ihrem Geschäft bis heute: Steigen mit traditionellen Gemüsesorten wie Stoppelrüben, Maruschka-Karotten und Pastinaken stapeln sich neben einer kunterbunten Auswahl an Äpfeln und Birnen, dazu Gewürze, Milchprodukte und Brot – allesamt von Bio-Bauernhöfen aus der direkten Umgebung. „Ich mag keine unsinnige Fahrerei“, erklärt die resolute Inhaberin des Erntelands, „und außerdem tu ich mir leicht mit den Bauern, denn die stecken noch echtes Herzblut in ihre Lebensmittel“. Von jedem Produkt kann sie den Hintergrund erzählen, etwa von der kreativen Innviertler Bio-Ölbäuerin oder vom Forellenaufstrich, der in Wien mit Fischen aus einer Bad Zeller Zucht gemacht wird. Qualität ist das Wichtigste, damit die Lebensmittel ihre positive Wirkung für die Gesundheit entfalten können, betont die Ladenbesitzerin. Allein schon deshalb gilt für sie die Devise: „Ich verkaufe nur, was mir selber schmeckt und was mir gut tut.“

Genussgarten Urfahr

„Der Mangold ist grad richtig gut“, schwärmt Michael Stumpner der Kundin vor und geht zum drei Schritte entfernten Beet, um eine Handvoll der grünroten Stängel zu ernten: Kürzer als im Genussgarten Urfahr kann der Transportweg kaum sein, denn „nur das Frische ist gut“, ist Stumpner überzeugt. Seit Anfang 2014 bestellt der Selbstversorger gemeinsam mit „Einkoch“ Florian Ortner das ungenutzte Grundstück an der Linzer Stadtgrenze nach den Grundsätzen der Bio-Permakultur. Neugierigen erklärt er geduldig die Idee dieser nachhaltigen Wirtschaftsweise und verrät Tricks, die auch im eigenen Garten funktionieren. Einen Teil der Ernte verkocht Ortner direkt vor Ort zu extravaganten Chutneys und eingelegten Spezialitäten, die neben Wollschweinspeck, Schafkäse, Vollkornbrot und Apfelsaft von regionalen Biobetrieben in zwei schlichten Baucontainern zum Verkauf angeboten werden. „Die Lieferanten haben alle eine ähnliche Idealvorstellung wie wir“, sagt Stumpner: „Wertvolle Lebensmittel und die Schönheit der Natur anderen zugänglich zu machen.“

Genussplatzl Wasserwald

Zwischen Hollerstrauch und Lattenzaun tun sich immer wieder kleine Gucklöcher auf, durch die Neugierige in den verwunschenen Garten lugen: Das Genussplatzl Wasserwald beim gleichnamigen Naherholungsgebiet ist ein Hort der Artenvielfalt, wo Sulmtaler Hühner neben selbstgezimmerten Hochbeeten im Sand scharren. Mehr als 100 Tomatensorten und ebenso viele Chilis wachsen in den Permakulturbeeten, hinzu kommen violette Kartoffeln, aromatische Rauken und heilsame Kräuter. Jeden Freitag verkaufen die beiden Arche-Noah-Aktivisten Sonja Tobin und Gerhard Wiener ihre frische Ernte sowie seltene Jungpflanzen – „was es eben grad im Garten gibt“, sagt Sonja Tobin. Hinzu kommen die Schätze von befreundeten Bio-Betrieben wie Einkornmehl, Apfel-Hollunder-Saft und preisgekrönter Speck vom Turopolje-Schwein. „Wir haben hier nur Sachen, die uns selbst schmecken, damit wir nichts wegschmeißen müssen, wenn mal was übrig bleibt“, lacht Sonja Tobin.

Saftladen

Hochmotiviert heult die Zentrifuge auf, sobald sie mit Karotten, Äpfeln und Orangen gefüttert wird: Nach stundenlanger Arbeit am Computer ist der Saftladen am Linzer Südbahnhofmarkt in der Mittagspause eine gesunde Alternative zum Wurstsemmerl und eine wahre Tankstelle für Vitamine und frische Energien. In großen Schüsseln stehen geschältes Obst und Gemüse bereit, um vor den Augen der Kundschaft gehäckselt und entsaftet zu werden. Je nach Lust und Laune kann man bei jedem Besuch einen anderen Saftmix kreieren, oder aber man wählt aus dem Angebot an saisonalen Spezialitäten. Doch der Mensch lebt nicht vom Saft allein: Deshalb gibt es für die Hungrigen frisch zubereitete Vollkornbrötchen und als besonderen Leckerbissen französische Crepes, wahlweise gefüllt mit pikantem Gemüse oder einem süßen Obstsalat.

Bio-Gärtnerei Friedenshort

Gleich hinter dem Gemüseregal öffnet sich die Tür zum Gewächshaus, wo erste Salatpflanzen und saftige Kräuter sprießen: Kürzer kann der Weg zwischen Produktion und Handel nicht sein als in der Bio-Gärtnerei Friedenshort. Die „ordentliche Qualität“ der Jungpflanzen „von A wie Aubergine bis Z wie Zuckermais“ ist Leiterin Edith Schürhagl besonders wichtig: „Wir geben ihnen Zeit zum Wachsen und Wurzeln, dann halten sie auch mehr aus.“ Vor gut einem Jahrzehnt hat der Betrieb des Diakoniewerks Gallneukirchen auf biologischen Anbau umgesattelt, nur die Schnitt- und Topfblumen werden weiterhin konventionell gezüchtet. Gemeinsam mit Fachkräften säen, pflegen und ernten 14 Menschen mit Behinderung in den Glashäusern und auf dem angrenzenden Feld Porree, Paprika oder Tomaten. Aus dem Laden für das hauseigene Gemüse und die Bio-Jungpflanzerl ist mittlerweile ein kleiner Supermarkt mit biologischem Vollsortiment geworden. Dabei entwickelt sich die Auswahl laufend weiter: Auf Kundenwunsch bereichern inzwischen zum Beispiel Bio-Babykleidung oder eine beachtliche vegane Produktpalette das Angebot der Gärtnerei.

Nets.werk

Mühlviertler Kräuter von Aufreiter, Fruchtsäfte vom Köglerhof und Bio-Eiernudeln vom Sulzerstetterhof locken in den Holzregalen: Das Nets.werk neben der Leonfeldner Straße ist so etwas wie ein Hofladen für 27 regionale Bio-Landgüter. Einmal pro Woche bringen Bäuerinnen und Bauern aus Eidenberg, Eferding oder Alberndorf die gesammelten Online-Bestellungen ins Linzer Geschäft, wo man jeden Freitag seine individuell zusammengestellte Kiste mit frischer Milch, Brot oder Gemüse abholen kann. Das spart Kilometer, weil nicht jeder oder jede für einen Sack Kartoffeln ins Mühlviertel brettern muss. Außerdem bleibt am Ende des Verkaufstages keine abgelaufene Frischware übrig, die man – wie in Supermärkten sonst üblich – in die Mülltonne treten müsste. Die Idee für ihr Geschäft hat Inhaberin Renate Liedl von Gerhard Zwingler, der vor acht Jahren den ersten Nets.werk-Laden in Steyr eröffnet hat. Mittlerweile gibt es zahlreiche Regionalstellen, zum Beispiel in Wels, Enns und Haag. Die Läden bieten einen direkten Draht zu regionalen, biologischen, sozial gerechten und tierfreundlichen Betrieben, sodass Kundinnen und Kunden ohne Zwischenhändler ihre Lebensmittel beziehen können.

Theresiengut

Gedankenverloren schweift der Blick über die Stadt unten im Donautal, und die frische Landluft füllt die Lungen bis tief in die feinsten Bronchien. Das Theresiengut könnte mit seiner entspannenden Lage am Pöstlingberg als Meditationszentrum dienen. Tatsächlich leben und arbeiten hier aber Menschen mit geistiger Beeinträchtigung, die auf der 23 Hektar großen Landwirtschaft biologische Lebensmittel für den Eigenbedarf und für den freitäglichen Ab-Hof-Verkauf produzieren. Gleich neben dem Eingang warten frisches Obst und Gemüse, daneben steht eine Vitrine mit Milch, Joghurt und Ziegenkäse. In den Regalen locken Dinkelvollkornnudeln, Marmelade oder eingelegte Köstlichkeiten, außerdem lebensfrohe Filzfiguren und bunt schillernde Kerzen. Durch die Arbeit in der Gärtnerei und der Kreativgruppe entwickeln die Betreuten Verantwortungsgefühl und soziale Kompetenzen – zentrale Fertigkeiten für ein Leben in größtmöglicher Selbstbestimmung.

Leisenhofgärtnerei

Johanna hegt ihr Heiliges Basilikum, Sebastian experimentiert mit Stützmauern aus Lehm für die Rankbohnen, und Chefgärtner Klaus vermehrt Saatgut für seltene Kürbissorten. So vielseitig wie die Interessen der fünf Mitarbeiter sind die Obst- und Gemüsepflanzen in der Leisenhofgärtnerei am Pöstlingberg: Auf einem knappen Dreiviertel Hektar gedeihen Ochsenherz- und Ribiseltomaten, Filderkraut und Kuri-Kürbisse, russische Gurken und italienischer Salat und machen damit gerade für  Kinder die Vielfalt abseits der Supermarktregale erlebbar. Früher hat der kleine Anger das nahe Petrinum versorgt, heute verkauft die biodynamische, Demeter-zertifizierte Gärtnerei an zwei Tagen pro Woche Brot, Käse, Honig, Wiesenblumen und natürliches, geschmacksintensives Obst und Gemüse. Wer Lust am selber Garteln verspürt, der kann als freiwilliger Erntehelfer im Leisenhofgut mit anpacken – als Lohn winken die frisch geernteten Früchte.