Alle Artikel zum Schlagwort Handarbeit

Schuhwerkstätte Hain

Federkielbestickte Hochzeitsschuhe und hochschaftige Bilgeri-Stiefel aus der k.u.k.-Monarchie stehen auf alten Schuhputzkastln, „aber die verkaufen wir nicht“, betont Dorit Hain lachend. Stattdessen fertigt ihr Mann Siegfried in der Kellerwerkstätte maßgeschneiderte Lederschuhe an, die mit der richtigen Pflege eine ähnlich hohe Lebenserwartung wie das historische Schuhwerk haben. Bei einem Urlaub in Italien ist der gelernte Werkzeugmacher der Liebe zur Schusterei verfallen und hat sich das traditionelle Handwerk selbst beigebracht. Sein jahrzehntelang angeeignetes Fachwissen und seine Leidenschaft steckt er auch in die Reparatur von Schuhen aller Art. Absätze, Innenfutter, Fersenleder – „viele Leute wissen gar nicht, was man alles wieder richten kann“, sagt Hain. Statt Plastik kommt natürlich gegerbtes Leder oder hochwertiger Gummi zum Einsatz: „Das ist besser für die Umwelt. Außerdem erzählen viele Kunden, dass sie länger mit den aufgewerteten Schuhen gehen können.“ Dabei hilft auch die umfangreiche Auswahl an Schuhzubehör im Geschäft, das sich in den Regalen harmonisch zu fair gehandelten Geschenksartikeln und Modeaccessoires gesellt. „Wir halten es mit dem alten Indianersprichwort“, meint Dorit Hain: „Man soll bei all seinen Handlungen an die nächsten sieben Generationen denken.“

Sisi-Top

Jeder hat eine zweite Chance verdient: die Kreditkarte als Gitarrenplektron, der Bierkorken als Kühlschrankmagnet, das Leiberl als geflochtener Gürtel. Kreatives Recycling und ausgefallene, handgefertigte Souvenirs bestimmen das Sortiment im Sisi-Top schräg gegenüber des Lentos‚. In ihrer winzigen Werkstatt bedruckt Kathrina Becker Postkarten und Buttons, veredelt Bio-Baumwollleiberl mit Stickereien und schneidert Altkleider zu Polstern oder Röcken um. Wegen eines Jobs ist die Aachnerin in Linz gelandet und „mag jetzt nimmer weg“ aus ihrer „Stahlstadt“. Diese Liebe zur neuen Heimat spiegelt sich auch im Namen des Ladens, der an Kaiserin Elisabeth erinnert – „auch so eine Deutsche, die sich rübermachte“, scherzt Kathrina. Immer wieder blitzt das Konterfei der Monarchin zwischen den zusammengewürfelten Möbeln und den Retro-Vinylplatten hervor, die dem Geschäft das gemütliche Flair eines wuseligen WG-Wohnzimmers verleihen.

Atelier Vielfelt

Die Schaufensterpuppe stolziert mit spiralengemustertem Kleid aus recycelter 70er-Jahre-Bettwäsche durch den Raum, daneben leuchten handgefilzte Kinderpatscherl, streichelweicher Textilschmuck und originelle Kopfbedeckungen in allen Farben des Regenbogens: Es ist schier unmöglich, die geballte Kreativität der sechs oberöstereichischen Kunsthandwerkerinnen zu beschreiben, die miteinander das Atelier Vielfelt wenige Schritte vom Linzer Hauptplatz betreiben. Die Leidenschaft für traditionelle Textilhandarbeit zieht sich wie ein roter Faden durchs Sortiment: Gemeinsam präsentieren sie selbst genähte, gestrickte, gefilzte und gewebte Kleidungsstücke und Accessoires, kombiniert mit den kuscheligen Schätzen der Wollwerkstatt und den frischen Ideen von jungen Gastausstellerinnen. Zudem unterstützt die Boutique regelmäßig internationale Spendenaktionen, heuer zum Beispiel das Projekt Guldusi für afghanische Stickerinnen.

Buchplus

Nur 200 Meter trennen das Buchplus vom hektischen Lärm der Goethekreuzung, und doch herrscht in der kleinen Buchhandlung angenehme Ruhe: Entspannt schlürfen die Kundinnen und Kunden in der gemütlichen Leseecke eine Tasse Kaffee und blättern verträumt in einem der zahlreichen Bücher. Neben einer beachtlichen Kinderabteilung mit Ferienromanen, Bastelanleitungen und Holzspielsachen gibt es auch die neuesten Romane und eine überraschend große Auswahl an psychologischer Literatur – ein kleiner Hinweis auf die Besonderheit dieses Geschäfts: Etwa 20 Menschen mit psychischen Erkrankungen werden in dem pro mente-Buchkompetenzzentrum von Fachkräften bei ihrem Wiedereinstieg ins Berufsleben unterstützt und begleitet. Zu ihren Aufgaben gehört nicht nur der Verkauf, sondern auch die Arbeit in der hauseigenen Buchbinderei: Hier werden die Blätter noch wie früher von Hand in Leinen oder Leder gebunden und mit Fäden zusammengeheftet – genau das Richtige für akademische Abschlussarbeiten oder um ein liebgewonnenes, aber zerfleddertes Taschenbuch vor dem Altpapier-Container zu retten.

Mueslibrikett

Knusprig krachen die gerösteten Nüsse zwischen den Zähnen, und süßsaure Beeren kitzeln die Geschmacksknospen: Das knackige Energiepaket “Hanf & Cranberries” ist eines von sieben Mueslibriketts aus der Backstube von Lucia Sittenthaler. Während handelsübliche Müsliriegel als massengefertigte Zuckerbomben wenig zur gesunden Ernährung beitragen, setzt die Welserin ganz auf Natürlichkeit und liebevolle Handarbeit: Haferflocken, Honig, getrocknete Früchte und Nüsse bezieht sie von regionalen Bio-Höfen, befreundeten Imkereien und aus dem Garten ihres Großvaters. Diese ausgewählten Zutaten verarbeitet sie zu kreativen Kraftriegeln, die sie in kompostierbares Backpapier wickelt und mit handgeschriebenen Etiketten versieht. Die Mueslibriketts kann man pur oder auch mit Milch als Instant-Müsli vernaschen. Erhältlich sind sie im Online-Shop und bei Vertriebspartnern in Linz, Wels oder Wien.

Sack & Co.

Das blau-grün-karierte Dirndl hat sich seine zweite Chance redlich verdient: Statt im Kasten den Motten als Fraß zu dienen, bringt es als heimatverbundene Geschenksverpackung die Augen noch einmal zum Leuchten. Die Näherinnen von Sack & Co. verwenden für ihre entzückenden Sackerl abgetragene (Trachten)-Mode, Stoffreste und traditionelle Mühlviertler Webstoffe. Die Stoffbeutel, Bschoadbinkerl (ein quadratisches Tuch, das früher zum Transportieren von Proviant diente) und kleinen Gutscheinverstecke lassen sich immer wieder befüllen und weiterverschenken – so spart man Berge an Geschenkpapier und Plastik! Christa Oberfichtner hat die Initiative anlässlich der Woche der Nachhaltigkeit im Herbst 2013 ins Leben gerufen. Mit dem kreativen, abwechslungsreichen Design der Beutel will sie zum selber Nähen inspirieren. Wer zwei linke Hände hat, kann die Sackerl auch einfach online bestellen. Pro verkauftem Exemplar gehen zwei Euro an ein Asylheim im Mühlviertel.