Alle Artikel zum Schlagwort Handwerk

Schuhwerkstätte Hain

Federkielbestickte Hochzeitsschuhe und hochschaftige Bilgeri-Stiefel aus der k.u.k.-Monarchie stehen auf alten Schuhputzkastln, „aber die verkaufen wir nicht“, betont Dorit Hain lachend. Stattdessen fertigt ihr Mann Siegfried in der Kellerwerkstätte maßgeschneiderte Lederschuhe an, die mit der richtigen Pflege eine ähnlich hohe Lebenserwartung wie das historische Schuhwerk haben. Bei einem Urlaub in Italien ist der gelernte Werkzeugmacher der Liebe zur Schusterei verfallen und hat sich das traditionelle Handwerk selbst beigebracht. Sein jahrzehntelang angeeignetes Fachwissen und seine Leidenschaft steckt er auch in die Reparatur von Schuhen aller Art. Absätze, Innenfutter, Fersenleder – „viele Leute wissen gar nicht, was man alles wieder richten kann“, sagt Hain. Statt Plastik kommt natürlich gegerbtes Leder oder hochwertiger Gummi zum Einsatz: „Das ist besser für die Umwelt. Außerdem erzählen viele Kunden, dass sie länger mit den aufgewerteten Schuhen gehen können.“ Dabei hilft auch die umfangreiche Auswahl an Schuhzubehör im Geschäft, das sich in den Regalen harmonisch zu fair gehandelten Geschenksartikeln und Modeaccessoires gesellt. „Wir halten es mit dem alten Indianersprichwort“, meint Dorit Hain: „Man soll bei all seinen Handlungen an die nächsten sieben Generationen denken.“

Ab Hof

Neugierig beäugen die Labonca-Schweine, Angus-Rinder und Waldziegen die ungewohnten Besucher, die mit viel Neugierde und großem Appetit über ihre Weide stapfen: Der Fotograf Manuel Zauner und der Koch Alexander Rieder sind quer durch Österreich gereist, um zwölf Bio-Bauernhöfe aufzuspüren, die mit Leidenschaft und handwerklichem Können außergewöhnliche Lebensmittel erzeugen. Während der eine mit poetischen Bildern und stimmungsvollen Texten die besondere Atmosphäre der Betriebe einfängt, bereitet der andere aus den frischen Spezialitäten des Hauses direkt vor Ort jeweils fünf köstliche Gerichte zu: Aus frischen Freilandeiern entsteht zum Beispiel süßer Tröpferlschmarrn, aus saftigen Tomatenraritäten eine leichte Pasta Rossa und aus knusprigem Holzofenbrot herzhafte Bruschette. Das ästhetisch gestaltete Buch macht Lust auf eine kulinarische Entdeckungstour zu den ambitionierten Kleinversorgern Österreichs und gibt praktische Tipps, bei welchen Einkaufsgemeinschaften oder Food Coops man die vielfältigen Schätze der heimischen Landwirtschaft findet.

Kreativladen

Offener Bio-Kräutertee, einzelne Eier und lose Getreidekörner, die vor den Augen der Kundschaft geschrotet werden: Der Kreativladen im EuroCenter Linz-Oed bietet ein buntes Gegenprogramm zum klassischen Supermarkt. Anstatt abgepackte Ware zu erstehen, kann man hier Tupperdosen, Einmachgläser und Einkaufskörbe mit (Bio-)Lebensmitteln anfüllen lassen oder an der Bar einen frisch gepressten Fruchtsaft schlürfen. Zugleich steht eine breite Palette an Geschenkartikeln zur Auswahl, von duftenden Schafmilchseifen über handgefertigte Filztaschen bis zu Topfblumen der Zweigstelle Schwaigau von pro mente. Die Hauptaufgabe des Geschäfts, erklärt Trainingsleiter Gerald Langreiter, ist aber eine andere: „Seit 1985 begleiten wir hier bis zu sechs Menschen nach psychischen Krisen auf dem Weg zurück zum freien Arbeitsmarkt.“ Davon profitieren auch die Kundinnen und Kunden, findet Langreiter, denn das zusätzliche Personal ermöglicht eine ganz individuelle Beratung.

Sisi-Top

Jeder hat eine zweite Chance verdient: die Kreditkarte als Gitarrenplektron, der Bierkorken als Kühlschrankmagnet, das Leiberl als geflochtener Gürtel. Kreatives Recycling und ausgefallene, handgefertigte Souvenirs bestimmen das Sortiment im Sisi-Top schräg gegenüber des Lentos‚. In ihrer winzigen Werkstatt bedruckt Kathrina Becker Postkarten und Buttons, veredelt Bio-Baumwollleiberl mit Stickereien und schneidert Altkleider zu Polstern oder Röcken um. Wegen eines Jobs ist die Aachnerin in Linz gelandet und „mag jetzt nimmer weg“ aus ihrer „Stahlstadt“. Diese Liebe zur neuen Heimat spiegelt sich auch im Namen des Ladens, der an Kaiserin Elisabeth erinnert – „auch so eine Deutsche, die sich rübermachte“, scherzt Kathrina. Immer wieder blitzt das Konterfei der Monarchin zwischen den zusammengewürfelten Möbeln und den Retro-Vinylplatten hervor, die dem Geschäft das gemütliche Flair eines wuseligen WG-Wohnzimmers verleihen.

Atelier Vielfelt

Die Schaufensterpuppe stolziert mit spiralengemustertem Kleid aus recycelter 70er-Jahre-Bettwäsche durch den Raum, daneben leuchten handgefilzte Kinderpatscherl, streichelweicher Textilschmuck und originelle Kopfbedeckungen in allen Farben des Regenbogens: Es ist schier unmöglich, die geballte Kreativität der sechs oberöstereichischen Kunsthandwerkerinnen zu beschreiben, die miteinander das Atelier Vielfelt wenige Schritte vom Linzer Hauptplatz betreiben. Die Leidenschaft für traditionelle Textilhandarbeit zieht sich wie ein roter Faden durchs Sortiment: Gemeinsam präsentieren sie selbst genähte, gestrickte, gefilzte und gewebte Kleidungsstücke und Accessoires, kombiniert mit den kuscheligen Schätzen der Wollwerkstatt und den frischen Ideen von jungen Gastausstellerinnen. Zudem unterstützt die Boutique regelmäßig internationale Spendenaktionen, heuer zum Beispiel das Projekt Guldusi für afghanische Stickerinnen.

Sack & Co.

Das blau-grün-karierte Dirndl hat sich seine zweite Chance redlich verdient: Statt im Kasten den Motten als Fraß zu dienen, bringt es als heimatverbundene Geschenksverpackung die Augen noch einmal zum Leuchten. Die Näherinnen von Sack & Co. verwenden für ihre entzückenden Sackerl abgetragene (Trachten)-Mode, Stoffreste und traditionelle Mühlviertler Webstoffe. Die Stoffbeutel, Bschoadbinkerl (ein quadratisches Tuch, das früher zum Transportieren von Proviant diente) und kleinen Gutscheinverstecke lassen sich immer wieder befüllen und weiterverschenken – so spart man Berge an Geschenkpapier und Plastik! Christa Oberfichtner hat die Initiative anlässlich der Woche der Nachhaltigkeit im Herbst 2013 ins Leben gerufen. Mit dem kreativen, abwechslungsreichen Design der Beutel will sie zum selber Nähen inspirieren. Wer zwei linke Hände hat, kann die Sackerl auch einfach online bestellen. Pro verkauftem Exemplar gehen zwei Euro an ein Asylheim im Mühlviertel.

Grüne Erde

Der heimelige Duft von Lavendel und frisch geschnittenem Holz wirbelt beim Öffnen der Eingangstür um die Nase, und nach nur zwei Schritten fragt eine Verkäuferin freundlich, wie sie behilflich sein könne. Mit einer Führung durch die breit gefächerte Kollektion, möchte man beim ersten Besuch von Grüne Erde sagen: Auf zwei Etagen siedeln kuschelige Fairtrade-Flauschedecken und milde Naturkosmetik, Himmelbetten aus unbehandeltem Zirbenholz und schmucke Bio-Baumwollpullover in satten Erdtönen. Bei der Herstellung der Produkte achtet Grüne Erde auf Umweltschutz und menschengerechte Arbeitsbedingungen. Dazu gehören auch flexible Arbeitszeitmodelle für die Angestellten, denen das Unternehmen die Auszeichung als frauenfreundlichster Betrieb Oberösterreichs verdankt.

Donau Stein Design

Manch Schatz liegt am Grund der Donaufluten, und mit ihren glitzernden Edelsteinen verführen Wassernixen arglose Kinder, heißt es in der Sagenwelt. Nun gibt es zwar keine Diamanten in der Donau, aber die Schmuckdesignerin Sieglinde Almesberger findet auf ihren Spaziergängen entlang des Ufers reichlich Rohstoff für ihre Amulette, Ringe und Ketten: Sie verwandelt rötliche und grüne, geäderte und gepunktete Donaukiesel in ihrem Atelier in der Altstadt in modischen Naturschmuck. Zudem ist Almesberger die Erfinderin der Linzer Metallkugeln, die in der Weihnachtszeit viele Geschäftsauslagen zieren. Die goldenen und silbernen Drahtbälle werden bei Pro Mente in verschiedenen Größen handgefertigt und zu Schmuck oder Christbaumbehang verarbeitet.