Alle Artikel zum Schlagwort kinderfreundlich

Villa sinnenreich

Die Sinne sind mitunter ganz schön fiese Verräter. Wie soll man zum Beispiel seinen Augen jemals wieder über den Weg trauen, wenn sie Kinder zu Riesen, Kurven zu geraden Linien und einen stabilen Raum zu einem betrunkenen Torkelkammerl machen? Für die Villa sinnenreich in der Nähe des Rohrbacher Bahnhofs haben Künstlerinnen und Bastler tief in ihrer Trickkiste herumgekramt, um die gewohnte Wahrnehmung der Welt – gelegentlich im wahrsten Sinne des Wortes – auf den Kopf zu stellen. Essbare Eintrittskarten in verschiedensten Geschmacksrichtungen, ein begehbares Kaleidoskop oder die Ruheoase in einer überdimensionalen Kuschelkokosnuss wecken die kindliche Neugierde, und schon bald hopst man voller Experimentierfreude durch die abwechslungsreich gestalteten Räume. Wer am Ende der ingesamt 50 Mitmachstationen noch nicht genug hat, kann sich auf dem knapp zweistündigen sinnenreich-Rundweg durch die Mühlviertler Hügelwelt den vielfältigen Sinneseindrücken und Illusionen hingeben.

Siebenkant

Mit leuchtenden Augen bringt Claudia Opletal den regenbogenbunten Donnerkeil zum Rotieren und erzählt dabei voller Begeisterung von der wenige Kilometer entfernten Holzkreiselmanufaktur: Beim Rundgang durch das Siebenkant gegenüber vom Welser Bahnhof sprudeln die Geschichten nur so aus dem Mund von Claudia, die sich vor zwei Jahren den Wunsch nach einem Geschäft erfüllt hat, „in dem man ohne Bedenken einkaufen kann“. Was damals als Laden für ökologisch und fair produzierte Damen- und Herrenmode begonnen hat, bietet heute zudem nachhaltiges Kinderspielzeug, regionale und biologische Lebensmittel sowie Schmuck und Accessoires von Kunstwerkstätten und Sozialinitiativen aus der näheren Umgebung. Geleitet wird sie bei der Auswahl der Artikel von der Wertschätzung für Mensch, Natur und das Produkt selbst. „Konsumieren ist eine Form von Politik“, ist Claudia überzeugt. „Mit jedem Einkauf entscheide ich, wen ich mit meinem Geld unterstütze.“

Kinderkram

Die kulleräugigen Kätzchen auf dem gagerlgelben Leiberl sehen so aus, als wären sie dem farbenfrohen Traum eines Kindes entsprungen, das eine ganze Nacht in der Zuckerlfabrik verbracht hat. „Wir freuen uns immer, wenn wir solche Retro-Sachen entdecken“, lacht Lilly Koslowsky, Verkäuferin im Kinderkram am Linzer Volksgarten. Besonders die ökofairen Kindermodelabels aus Skandinavien baden in den grellbunten Farben der frühen Siebziger, und auch viele Spielsachen wirken wie den Kindheitstagen der Elterngeneration entsprungen. Einfach und farbenfroh sollen Kleidung und Spielzeug sein, darüberhinaus umweltfreundlich, in Europa hergestellt und plastikfrei, erklärt Besitzerin Eva Höller. Egal ob wollige Häkelpuppen, Fläschchen aus Edelstahl und giraffenförmige Beißhilfen aus Naturkautschuk, „jedes Stück haben wir mit viel Sorgfalt ausgesucht und mit unseren Kindern getestet“. Ein eigener Tisch ist für die Produkte von Linzer Designerinnen reserviert, die in Handarbeit Bären auf Leiberl häkeln oder tierische Schnullerketten basteln. „Diese individuellen Nischenprodukte sind beliebte Geschenke“, erzählt Koslowsky. „Besonders wenn man selber nicht gern näht.“

Taverne zu Prandegg

Über moosbewachsenen Granitblöcken und wildwuchernden Haselstauden thronen die Reste der Burg Prandegg, der Franz Leitner seinen beruflichen Neustart zu verdanken hat. „Vor zehn Jahren hab ich hier im Backhäusl regelmäßig Bauernbrot gebacken“, erzählt der gelernte Bäcker, „und dann hat mich die Gemeinde gefragt, ob ich nicht ein Lokal aufmachen will“. Also verwandelte er mit tatkräftiger Unterstützung von Freundeskreis und örtlichen Vereinen das verfallene Gemäuer des ehemaligen Meierhofs in eine gemütliche Jausenstation, wo Kinder beim Ritterspiel zwischen Reitern und Wanderinnen durch Gastgarten und Spielplatz wuseln. Dass Franz Leitner im Ruf steht, einen der besten Schweinsbraten nördlich der Donau zu servieren, lockt die Gäste zusätzlich an. „Ich schau, dass alles so weit wie möglich von rundumadum kommt“, erklärt Leitner die Einkaufspolitik in seinem Null-Emissionen-Gasthaus: das Fleisch von einem Familienbetrieb in St. Leonhard, der frische Saibling aus dem nahen Naarntal, der Apfelmost aus Wartberg und das Bio-Zwickl aus Freistadt. Nur die fantastischen, mit Mohn und Powidl gefüllten böhmischen Golatschen bezieht er von jenseits der Grenze, was die Gäste aber nicht zu stören scheint: „Am Wochenende reißen uns die Leute die Golatschen nur so aus der Hand.“

Gerberei

Beglühbirnte Suppentöpfe aus Omas Küchenkastl leuchten auf das fröhlich zusammengewürfelte Sesselsurium, das altersmäßig schon fast mit dem historischen Gewölbe mithalten kann. „Für die Einrichtung haben wir über ein Jahr lang Flohmärkte, den Arge Trödlerladen und die Dachböden von Freunden geplündert“, scherzt Heidrun Resch. Mitte März hat sie schließlich zusammen mit ihrer Schwester Gunda im ehemaligen Gerberhaus am Linzer Pfarrplatz das Café Gerberei eröffnet, wo Kinder durch die Spielecke wuseln und Erwachsene über einem Roman aus dem Bücherregal oder einer Partie Schach brüten. „So ein gemütliches Lokal mit ein bissl Individualität haben wir uns immer gewünscht“, erklärt Heidrun die gemeinsame Idee. Nicht nur beim Kaffee aus der kleinen Salzburger Rösterei 220 Grad achten die beiden auf regionale, handwerkliche Herstellung, sondern auch bei den Getränken und den Bio-Zutaten für die hausgemachten Mehlspeisen und Aufstrichbrote. Besonders das Mühlviertel ist mit Bieren, Fruchtsäften und dem Mehl für Apfelschlangerl, Brioche und Schoko-Cookies gut vertreten, weil die beiden dort viele Bäuerinnen und Landwirte persönlich kennen, erklärt Heidrun: „Wir wollen hinter allem stehen, was wir anbieten.“

CrossFit

Komm kuscheln, raunt der Boden nach zig Liegestützen verführerisch, während irgendein Sadist die Schwerkraft auf die dreifache Stärke raufschraubt: Das Hochintensitätstraining am Ende des einstündigen Workouts macht seinem Namen alle Ehre, und mehr als einmal schrammt man haarscharf am Aufgeben vorbei. „Aber in der Gruppe geht dann doch immer noch ein Aitzerl mehr“, schnauft Lena, die im CrossFit 4020 regelmäßig „ans Limit geht“. Anfang 2014 hat Patrick Cumberworth „die Box“ gegründet und den Sporttrend aus den USA in den graffitiverzierten Keller nahe des Linzer Infracenters geholt. Im Gegensatz zum klassischen Gerätetraining im Fitnessstudio geht es bei CrossFit nicht ums Aufpumpen isolierter Muskelpartien, sondern um natürliche Bewegungsabläufe und Ganzkörperübungen, die auch im Alltag etwas bringen: „Die Kniebeuge beansprucht dieselben Muskeln wie das Aufstehen vom Sessel“, schildert Trainer Stefan Kirchsteiger das Prinzip. Kein Workout gleicht dabei dem anderen, kommen doch auch ungewöhnliche Trainingsgeräte wie Traktorreifen oder Holzkisten zum Einsatz. Dadurch können sich die Muskeln gar nicht an eine bestimmte Übung gewöhnen und sind stets aufs Neue gefordert, erklärt Kirchsteiger: „Wir sind abwechslungsreich mal tausend!“

Spielzeugstube

Das helle Klingeln der Türglocke markiert fast auf die Sekunde genau den Moment, in dem die Augen der Eintretenden zu leuchten beginnen: Vom Boden bis unter die Decke füllen Brettspiele, Puppen und Schaukelpferde mit ihren fröhlichen Farben die überbordenden Regale der Spielzeugstube. „Schön bunt muss es sein, weil die Kinder das lieben“, meint Anita Eiblhuber, die vor zwei Jahren das Traditionsgeschäft in der Urfahraner Hauptstraße übernommen hat. Zusätzlich zu herkömmlichem Plastikspielzeug bietet sie eine breite Auswahl an Produkten aus naturbelassenen Materialien, die von „bewährten Unternehmen“ in Europa hergestellt werden: Wärmende Teddybären aus Biobaumwolle stehen neben fair produzierten Stoffsternen, natürlich gefärbte Babygreiflinge gesellen sich zu Holztierfiguren, die von Menschen mit Behinderung gefertigt werden, und nebenan lassen klassische Kugelbahnen und Holzeisenbahnen das Herz vor Nostalgie höher schlagen. „Die Konkurrenz durch Supermärkte und Internet ist hart“, gesteht Eiblhuber. „Aber mein Vorteil ist die Beratung, welches Spielzeug in welchem Alter grad voll im Trend ist!“

P’aa

Bunte Blubberblasen schweben als Deko an der Wand – die einzigen Farbtupfen im ansonsten schlicht gehaltenen Interieur. „Wir haben reduziert bis zum Geht-nicht-mehr, damit nichts ablenkt vom Essen“, beschreibt Inhaber Hannes Braun den kürzlich abgeschlossenen Umbau im P’aa. „Genauso wird auch bei den Gerichten nix dekoriert, beschönt oder versteckt.“ Grund dafür gibt es ohnedies keinen: „Wir schauen darauf, was gut ist für den Körper“, erklärt Braun, warum es in seinem Lokal keine Mikrowelle, Tiefkühlkost oder Geschmacksverstärker gibt. Stattdessen kocht er aus frischen Biolebensmitteln vegetarische und vegane Gerichte, die zu einer kulinarischen Reise um die Welt einladen. Die Zutaten dafür können die Gäste auch direkt im Restaurant kaufen: In der Vitrine stehen von Sojaobers über Seitanwürstel bis zu pflanzlichem Chilihühnchen dieselben Produkte, wie sie für die Gerichte verwendet werden. „Wer neugierig ist, wie wir kochen“, ergänzt Braun, „der kann jederzeit in unsere Küche kommen und uns dabei zusehen“.

Gorfer Natur Gourmet

Als Reinhard Gorfer mit 21 den Bauernhof der Großmutter erbt, ist er „davor kein einziges Mal auf einem Traktor gesessen“. Das hindert ihn aber nicht daran, den 400 Jahre alten Betrieb völlig umzukrempeln und dabei das Kunststück zu meistern, nachhaltige Landwirtschaft mit haubengekrönter Gourmetküche zu verbinden. „Bei uns sehen die Leute die Qualität, die in die Pfanne kommt“, deutet Gorfer auf die steilen Weiden, wo wuschelige Hausschafe und die drei Rinderrassen Angus, Galloway und Simmentaler Fleckvieh genussvoll grasen. Im Laufe der Jahre hat er die Erfahrung gemacht, dass „das Fleisch umso besser und zarter schmeckt, je biologischer und artgerechter die Haltung ist“. Genau das wissen auch die Gäste zu schätzen, und so ist die rustikale Gaststube jedes Wochenende bis auf die letzte Kachelofenbank gefüllt. Zum Glück gibt es Bio-Fleisch, preisgekrönten Most, Schnaps und Fruchtsäfte des Hauses auch im Hofladen, damit die Gourmets unter der Woche nicht auf die bodenständigen Köstlichkeiten der Gorfers verzichten müssen.

Natürlich Baby

Im Sekundentakt möchte man „Mei liab!“ quietschen, wenn man die regenbogenbunten Leiberl mit Baggern, Zwergen und Marienkäfern durchstöbert: Farbenfroh, bequem und lustig ist die Kindermode im Natürlich Baby, und zudem Bio-, Fairtrade– und/oder GOTS-zertifiziert. „Mir war ziemlich ungut beim Gedanken, welche Schadstoffe in gewöhnlichen Babytextilien sind“, erinnert sich Monika Stadler an ihre Beweggründe, das Geschäft bei der Goethekreuzung zu eröffnen. Für ihr eigenes Kind hat sie sich „so richtig reingestrebert“ in das Thema und weiß nun ganz genau, welche Stoffe für zarte Babyhaut besonders gut verträglich sind und wie man mit Stoffwindeln Abfall vermeidet. Darüber hinaus findet man im Laden Schnuller aus Naturkautschuk, naturbelassene Holzspielsachen, Biobaumwoll-Tragetücher oder einen schadstofffreien Kinderwagen aus dem Mühlviertel – kurzum „Sachen, die gut fürs Baby und für die Umwelt sind und dabei das Leben der Eltern erleichtern“.