Das Online-Magazin für Nachhaltigkeit in Linz und Rundumadum

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Villa sinnenreich

Die Sinne sind mitunter ganz schön fiese Verräter. Wie soll man zum Beispiel seinen Augen jemals wieder über den Weg trauen, wenn sie Kinder zu Riesen, Kurven zu geraden Linien und einen stabilen Raum zu einem betrunkenen Torkelkammerl machen? Für die Villa sinnenreich in der Nähe des Rohrbacher Bahnhofs haben Künstlerinnen und Bastler tief in ihrer Trickkiste herumgekramt, um die gewohnte Wahrnehmung der Welt – gelegentlich im wahrsten Sinne des Wortes – auf den Kopf zu stellen. Essbare Eintrittskarten in verschiedensten Geschmacksrichtungen, ein begehbares Kaleidoskop oder die Ruheoase in einer überdimensionalen Kuschelkokosnuss wecken die kindliche Neugierde, und schon bald hopst man voller Experimentierfreude durch die abwechslungsreich gestalteten Räume. Wer am Ende der ingesamt 50 Mitmachstationen noch nicht genug hat, kann sich auf dem knapp zweistündigen sinnenreich-Rundweg durch die Mühlviertler Hügelwelt den vielfältigen Sinneseindrücken und Illusionen hingeben.

Kinderkram (c) Stern&Kringel

Kinderkram

Die kulleräugigen Kätzchen auf dem gagerlgelben Leiberl sehen so aus, als wären sie dem farbenfrohen Traum eines Kindes entsprungen, das eine ganze Nacht in der Zuckerlfabrik verbracht hat. „Wir freuen uns immer, wenn wir solche Retro-Sachen entdecken“, lacht Lilly Koslowsky, Verkäuferin im Kinderkram am Linzer Volksgarten. Besonders die ökofairen Kindermodelabels aus Skandinavien baden in den grellbunten Farben der frühen Siebziger, und auch viele Spielsachen wirken wie den Kindheitstagen der Elterngeneration entsprungen. Einfach und farbenfroh sollen Kleidung und Spielzeug sein, darüberhinaus umweltfreundlich, in Europa hergestellt und plastikfrei, erklärt Besitzerin Eva Höller. Egal ob wollige Häkelpuppen, Fläschchen aus Edelstahl und giraffenförmige Beißhilfen aus Naturkautschuk, „jedes Stück haben wir mit viel Sorgfalt ausgesucht und mit unseren Kindern getestet“. Ein eigener Tisch ist für die Produkte von Linzer Designerinnen reserviert, die in Handarbeit Bären auf Leiberl häkeln oder tierische Schnullerketten basteln. „Diese individuellen Nischenprodukte sind beliebte Geschenke“, erzählt Koslowsky. „Besonders wenn man selber nicht gern näht.“

Taverne zu Prandegg (c) Stern&Kringel

Taverne zu Prandegg

Über moosbewachsenen Granitblöcken und wildwuchernden Haselstauden thronen die Reste der Burg Prandegg, der Franz Leitner seinen beruflichen Neustart zu verdanken hat. „Vor zehn Jahren hab ich hier im Backhäusl regelmäßig Bauernbrot gebacken“, erzählt der gelernte Bäcker, „und dann hat mich die Gemeinde gefragt, ob ich nicht ein Lokal aufmachen will“. Also verwandelte er mit tatkräftiger Unterstützung von Freundeskreis und örtlichen Vereinen das verfallene Gemäuer des ehemaligen Meierhofs in eine gemütliche Jausenstation, wo Kinder beim Ritterspiel zwischen Reitern und Wanderinnen durch Gastgarten und Spielplatz wuseln. Dass Franz Leitner im Ruf steht, einen der besten Schweinsbraten nördlich der Donau zu servieren, lockt die Gäste zusätzlich an. „Ich schau, dass alles so weit wie möglich von rundumadum kommt“, erklärt Leitner die Einkaufspolitik in seinem Null-Emissionen-Gasthaus: das Fleisch von einem Familienbetrieb in St. Leonhard, der frische Saibling aus dem nahen Naarntal, der Apfelmost aus Wartberg und das Bio-Zwickl aus Freistadt. Nur die fantastischen, mit Mohn und Powidl gefüllten böhmischen Golatschen bezieht er von jenseits der Grenze, was die Gäste aber nicht zu stören scheint: „Am Wochenende reißen uns die Leute die Golatschen nur so aus der Hand.“

Gerberei (c) Stern&Kringel

Gerberei

Beglühbirnte Suppentöpfe aus Omas Küchenkastl leuchten auf das fröhlich zusammengewürfelte Sesselsurium, das altersmäßig schon fast mit dem historischen Gewölbe mithalten kann. „Für die Einrichtung haben wir über ein Jahr lang Flohmärkte, den Arge Trödlerladen und die Dachböden von Freunden geplündert“, scherzt Heidrun Resch. Mitte März hat sie schließlich zusammen mit ihrer Schwester Gunda im ehemaligen Gerberhaus am Linzer Pfarrplatz das Café Gerberei eröffnet, wo Kinder durch die Spielecke wuseln und Erwachsene über einem Roman aus dem Bücherregal oder einer Partie Schach brüten. „So ein gemütliches Lokal mit ein bissl Individualität haben wir uns immer gewünscht“, erklärt Heidrun die gemeinsame Idee. Nicht nur beim Kaffee aus der kleinen Salzburger Rösterei 220 Grad achten die beiden auf regionale, handwerkliche Herstellung, sondern auch bei den Getränken und den Bio-Zutaten für die hausgemachten Mehlspeisen und Aufstrichbrote. Besonders das Mühlviertel ist mit Bieren, Fruchtsäften und dem Mehl für Apfelschlangerl, Brioche und Schoko-Cookies gut vertreten, weil die beiden dort viele Bäuerinnen und Landwirte persönlich kennen, erklärt Heidrun: „Wir wollen hinter allem stehen, was wir anbieten.“

CrossFit 4020 (c) Stern&Kringel

CrossFit

Komm kuscheln, raunt der Boden nach zig Liegestützen verführerisch, während irgendein Sadist die Schwerkraft auf die dreifache Stärke raufschraubt: Das Hochintensitätstraining am Ende des einstündigen Workouts macht seinem Namen alle Ehre, und mehr als einmal schrammt man haarscharf am Aufgeben vorbei. „Aber in der Gruppe geht dann doch immer noch ein Aitzerl mehr“, schnauft Lena, die im CrossFit 4020 regelmäßig „ans Limit geht“. Anfang 2014 hat Patrick Cumberworth „die Box“ gegründet und den Sporttrend aus den USA in den graffitiverzierten Keller nahe des Linzer Infracenters geholt. Im Gegensatz zum klassischen Gerätetraining im Fitnessstudio geht es bei CrossFit nicht ums Aufpumpen isolierter Muskelpartien, sondern um natürliche Bewegungsabläufe und Ganzkörperübungen, die auch im Alltag etwas bringen: „Die Kniebeuge beansprucht dieselben Muskeln wie das Aufstehen vom Sessel“, schildert Trainer Stefan Kirchsteiger das Prinzip. Kein Workout gleicht dabei dem anderen, kommen doch auch ungewöhnliche Trainingsgeräte wie Traktorreifen oder Holzkisten zum Einsatz. Dadurch können sich die Muskeln gar nicht an eine bestimmte Übung gewöhnen und sind stets aufs Neue gefordert, erklärt Kirchsteiger: „Wir sind abwechslungsreich mal tausend!“

Gorfer Natur Gourmet (c) Veronika Gorfer

Gorfer Natur Gourmet

Als Reinhard Gorfer mit 21 den Bauernhof der Großmutter erbt, ist er „davor kein einziges Mal auf einem Traktor gesessen“. Das hindert ihn aber nicht daran, den 400 Jahre alten Betrieb völlig umzukrempeln und dabei das Kunststück zu meistern, nachhaltige Landwirtschaft mit haubengekrönter Gourmetküche zu verbinden. „Bei uns sehen die Leute die Qualität, die in die Pfanne kommt“, deutet Gorfer auf die steilen Weiden, wo wuschelige Hausschafe und die drei Rinderrassen Angus, Galloway und Simmentaler Fleckvieh genussvoll grasen. Im Laufe der Jahre hat er die Erfahrung gemacht, dass „das Fleisch umso besser und zarter schmeckt, je biologischer und artgerechter die Haltung ist“. Genau das wissen auch die Gäste zu schätzen, und so ist die rustikale Gaststube jedes Wochenende bis auf die letzte Kachelofenbank gefüllt. Zum Glück gibt es Bio-Fleisch, preisgekrönten Most, Schnaps und Fruchtsäfte des Hauses auch im Hofladen, damit die Gourmets unter der Woche nicht auf die bodenständigen Köstlichkeiten der Gorfers verzichten müssen.

Natürlich Baby (c) Stern&Kringel

Natürlich Baby

Im Sekundentakt möchte man „Mei liab!“ quietschen, wenn man die regenbogenbunten Leiberl mit Baggern, Zwergen und Marienkäfern durchstöbert: Farbenfroh, bequem und lustig ist die Kindermode im Natürlich Baby, und zudem Bio-, Fairtrade– und/oder GOTS-zertifiziert. „Mir war ziemlich ungut beim Gedanken, welche Schadstoffe in gewöhnlichen Babytextilien sind“, erinnert sich Monika Stadler an ihre Beweggründe, das Geschäft bei der Goethekreuzung zu eröffnen. Für ihr eigenes Kind hat sie sich „so richtig reingestrebert“ in das Thema und weiß nun ganz genau, welche Stoffe für zarte Babyhaut besonders gut verträglich sind und wie man mit Stoffwindeln Abfall vermeidet. Darüber hinaus findet man im Laden Schnuller aus Naturkautschuk, naturbelassene Holzspielsachen, Biobaumwoll-Tragetücher oder einen schadstofffreien Kinderwagen aus dem Mühlviertel – kurzum „Sachen, die gut fürs Baby und für die Umwelt sind und dabei das Leben der Eltern erleichtern“.

Barfussweg (c) Stern&Kringel

Barfußweg

Was unsere Füße im Alltag so alles erdulden müssen, grenzt schon fast an Folter: Enge Schuhe, hohe Absätze und harter Asphalt malträtieren die Latscher – höchste Zeit, sie mit einer natürlichen Massage zu verwöhnen! Zwischen Wiese, Wald und Hopfenfeld ist der Barfußweg in Sankt Ulrich mit seinen mehr als 20 Stationen wahrer Balsam für Körper und Seele: Weicher Torf, spitzer Neuhauser Granitbruch, hölzerne Balancierbalken und ein Marsch durch ein erfrischendes Bachbett stimulieren die Fußreflexzonen. Zwischendurch genießt man auf Riesenschaukeln und in Hängematten den Ausblick auf die Mühlviertler Hügellandschaft, wo Hummeln geschäftig um den blühenden Klee brummen und Schmetterlinge verträumt zu den Wolken emporsegeln. Am Ende des etwa einstündigen Spaziergangs heißt das Gasthaus Lang die Bloßfüßigen mit herzhaften Gerichte und einem riesigen Spielplatz willkommen.

Vogelgesang-Klamm (c) Stern&Kringel

Vogelgesang-Klamm

Vielleicht singen hier irgendwo die Vögel, allein man hört sie nicht bei dem gewaltigen Getöse, mit dem der Trattenbach über die Felsen donnert. Ihren Namen hat die längste Schlucht Oberösterreichs ohnedies nicht dem zwitschernden Federvieh zu verdanken, sondern dem Gemeindearzt Moritz Vogelgesang, der die wildromantische Klamm vor mehr als hundert Jahren für die Sommerfrischegäste erschlossen hat. Über eineinhalb Kilometer Länge, 240 Höhenmeter und 500 zum Teil in den Felsen gemeiselte Stufen folgt der kinderfreundliche Holzsteg dem rauschenden Flusslauf. Mit welcher Wucht sich der Bach im Lauf der Jahrtausende in den Dolomitstein gefräst hat, erahnt man beim Anblick der tosenden Wasserfälle, die vom Beginn der Schlucht bis zu ihrem Ausgang zum staunenden Verweilen einladen. Oben angelangt stärken sich die Wandersleute in der Bosruckhütte mit einer deftigen Jause, bevor sie auf demselben Weg zurück ins Tal marschieren. Wer hingegen noch mehr Bewegungsdrang verspürt, wandert auf sanft ansteigenden und gut beschilderten Wegen weiter zum Rohrauerhaus und von dort über die Hofalm wieder hinunter nach Spital am Pyhrn.

Hermanns Art of Shoes (c) Stern&Kringel

Hermanns Art of Shoes

Eine stolze Sammlung alter Schuhcreme-Blechdosen schmückt die Theke, auf der ein Paar Waldviertler mit durchgelatschter Sohle steht. „Die hat ein Kunden vor 15 Jahren gekauft, und jetzt lässt er sie herrichten, damit er sie noch mal 15 Jahre tragen kann“, erklärt Hermann Stuchlik. Anstatt Schuhe wie Wegwerfartikel zu behandeln, die nach einem Jahr aus der Mode und in die Tonne kommen, setzt Stuchlik in seinem Geschäft beim Welser Kaiser-Josef-Platz auf „gscheite heimische Produkte, wo sich eine Reparatur auszahlt“. Das gilt nicht nur für die Fußbekleidung: Auf Kundenwunsch hat er im Laufe der Jahre naturnahe Möbel, herzige Handpuppen und artistischen Jonglierbedarf in sein kunterbuntes Sortiment aufgenommen. „Die Kinder stehen derzeit total auf die Diabolos“, schmunzelt Stuchlik. Er selbst buddelt in seiner Freizeit lieber nach römischen Überresten oder verarbeitet die Früchte seines Gartens zu köstlichen Marmeladen, Fruchtessigen und Likören, mit denen er seine Kundschaft verwöhnt.

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