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Schlagwort: Kultur

Taverne zu Prandegg (c) Stern&Kringel

Taverne zu Prandegg

Über moosbewachsenen Granitblöcken und wildwuchernden Haselstauden thronen die Reste der Burg Prandegg, der Franz Leitner seinen beruflichen Neustart zu verdanken hat. „Vor zehn Jahren hab ich hier im Backhäusl regelmäßig Bauernbrot gebacken“, erzählt der gelernte Bäcker, „und dann hat mich die Gemeinde gefragt, ob ich nicht ein Lokal aufmachen will“. Also verwandelte er mit tatkräftiger Unterstützung von Freundeskreis und örtlichen Vereinen das verfallene Gemäuer des ehemaligen Meierhofs in eine gemütliche Jausenstation, wo Kinder beim Ritterspiel zwischen Reitern und Wanderinnen durch Gastgarten und Spielplatz wuseln. Dass Franz Leitner im Ruf steht, einen der besten Schweinsbraten nördlich der Donau zu servieren, lockt die Gäste zusätzlich an. „Ich schau, dass alles so weit wie möglich von rundumadum kommt“, erklärt Leitner die Einkaufspolitik in seinem Null-Emissionen-Gasthaus: das Fleisch von einem Familienbetrieb in St. Leonhard, der frische Saibling aus dem nahen Naarntal, der Apfelmost aus Wartberg und das Bio-Zwickl aus Freistadt. Nur die fantastischen, mit Mohn und Powidl gefüllten böhmischen Golatschen bezieht er von jenseits der Grenze, was die Gäste aber nicht zu stören scheint: „Am Wochenende reißen uns die Leute die Golatschen nur so aus der Hand.“

Filmszene Ottensheim (c) Stern&Kringel

Filmszene Ottensheim

Gemütlich fläzen die Gäste bei Cocktails, Cappuccino und kühlem Bier in den breiten Lederfauteuils – wäre da nicht die große Leinwand am Kopf des Saals, könnte die Filmszene Ottensheim glatt als überdimensioniertes Wohnzimmer durchgehen. „Wie daheim vorm Fernseher“, beschreibt Beate Haller-Fischerlehner die entspannte Atmosphäre in ihrem Haus, wo jeder Film zum cineastischen Gemeinschaftserlebnis wird. Vor der Vorstellung und in der Pause serviert die Chefin persönlich Getränke und kleine Imbisse wie Pizza, Sandwich oder Schokoeisbecher direkt zu den Sitzplätzen. „Das Gebäude war von Anfang an so konzipiert, dass das Kino zu Tisch kommt“, erzählt die Eigentümerin, die den Betrieb in vierter Generation führt. Alte Filmrollen und originale Kinoplakate an der Wand erinnern an die lange Familientradition, doch auf der Leinwand setzt sie auf modernste Technik, die von Dolby 3D bis HFR alle Stückln spielt. „Der neue Projektor ist auch viel leichter zu bedienen, der alte ist heute nur noch bei Nostalgievorführungen im Einsatz“, lacht Haller-Fischerlehner.

Hectors Reise (c) 2014 Egoli Tossell Film

Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück

Das Glück ist bekanntlich ein Vogerl, und manche werden bei der Suche nach diesem flüchtigen Piepmatz zum rastlosen Jäger: Als Rucksacktourist reist der britische Komiker Simon Pegg in der Verfilmung des Bestsellers von François Lelord um den halben Globus, um die Quelle der Zufriedenheit zu finden. Von der Vergnügungsmeile in Shanghai führt sein Weg über ein tibetisches Kloster und ein afrikanisches Familienfest zu seiner amerikanischen Jugendliebe, bis er letztendlich gneißt, worum’s im Leben wirklich geht. Die Antwort ist zwar nicht unbedingt innovativ, aber so charmant erzählt, dass das bezaubernde Märchen noch einige Tage später spontanes Lächeln hervorruft und so ein Quäntchen zum eigenen Glück beiträgt.

Café Valdés (c) Stern&Kringel

Sprachencafé im Valdés

Feurige Latino-Musik und der aromatische Duft kubanischer Zigarren schweben über den Tischen, und dunkler Rum lockert die Zunge: In der karibischen Atmosphäre des Café Valdés sprudeln die spanischen Worte wie von selbst. Zweimal im Monat bietet das abendliche Sprachencafé die Gelegenheit, gemeinsam mit Gleichgesinnten die Vokabeln aus dem Uni-Kurs einem Praxistest zu unterziehen oder die Fremdsprachenkenntnisse für den Urlaub aufzupolieren – nicht nur für Spanien, sondern auch Italien, Frankreich und England. Abseits des klassischen Unterrichts kritisiert hier niemand die grammatikalischen Fehler oder den deutlich hörbaren Akzent. Stattdessen plaudern die Sprachlehrlinge völlig unbefangen übers Wetter, über spannende Kursangebote und über die schönsten Urlaubsziele.

Musiktheater-Führung (c) Stern&Kringel

Musiktheater-Führung

Irgendwann purzeln die Zahlen und Daten nur noch im Kopf herum. Eindrucksvoller als die genaue Länge der verlegten Stromkabel oder die Oberfläche der Glasfassade ist ohnedies der Blick hinter die Kulissen einer Spielstätte, die technisch alle Stücke spielt: Das Musiktheater am Volksgarten hat sich die Tricks der weltbesten Opernhäuser abgeschaut und daraus die modernste Bühnentechnik Europas kreiert. Die raffinierte Mechanik von Schnürboden, Drehbühne und Hebepodium imponiert ebenso sehr wie die Akustik im Großen Saal oder im Orchestersaal. Zudem erlaubt die Führung Einblicke in Bereiche, die dem Publikum normalerweise verwehrt bleiben, zum Beispiel in die Schneiderei, die Kulissenwerkstatt oder die Künstlergarderoben. Nach dem eineinhalbstündigen Rundgang durch das Haus bleibt noch reichlich Zeit, um im Klangfoyer spielerisch mit dem Tangosaurus oder der Schallmauer zu experimentieren.

Cinematograph (c) Stern&Kringel

Cinematograph

Mit schwarzer Fliege, Nickelbrille und gepflegtem Schnurrbart begrüßt Herr Georg höflich sein Publikum, als wäre er gerade einem seiner Filme entsprungen. „Heute sehen Sie einen meiner absoluten Lieblingsstreifen“, schwärmt der leidenschaftliche Cineast, bevor der geschichtsträchtige Projektor losrattert. Das Cinematograph ist eine magische Zeitmaschine in die goldene Ära des Kinos: Historische Spielfilme und Dokumentationen in Schwarzweiß stehen am Programm des Liebhaberkinos. In dem 400 Jahre alten Gebäude an der Donaulände finden 35 Personen auf schmalen, rot gepolsterten Sesseln Platz. Neben der Leinwand steht ein rabenschwarzes Piano zur musikalischen Begleitung von Stummfilmen bereit, daneben ein Schild mit der Bitte, nicht auf den Boden zu spucken. Vor und nach den Vorstellungen serviert Frau Traude im angrenzenden Café kaiserliche Rumford-Suppe mit Graupen oder Altwiener Kaffeespezialitäten in Gmundner Keramikhäferln. Jeden Sonntag gibt es zwischen Kachelofen, Spieluhr und vergilbten Fotos ein ausgiebiges Kinofrühstück: Gestärkt mit Melange und Marmeladensemmerl, startet man mit wahren Filmklassikern gemütlich in den Tag.

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