Alle Artikel zum Schlagwort Lebensmittel

Siebenkant

Mit leuchtenden Augen bringt Claudia Opletal den regenbogenbunten Donnerkeil zum Rotieren und erzählt dabei voller Begeisterung von der wenige Kilometer entfernten Holzkreiselmanufaktur: Beim Rundgang durch das Siebenkant gegenüber vom Welser Bahnhof sprudeln die Geschichten nur so aus dem Mund von Claudia, die sich vor zwei Jahren den Wunsch nach einem Geschäft erfüllt hat, „in dem man ohne Bedenken einkaufen kann“. Was damals als Laden für ökologisch und fair produzierte Damen- und Herrenmode begonnen hat, bietet heute zudem nachhaltiges Kinderspielzeug, regionale und biologische Lebensmittel sowie Schmuck und Accessoires von Kunstwerkstätten und Sozialinitiativen aus der näheren Umgebung. Geleitet wird sie bei der Auswahl der Artikel von der Wertschätzung für Mensch, Natur und das Produkt selbst. „Konsumieren ist eine Form von Politik“, ist Claudia überzeugt. „Mit jedem Einkauf entscheide ich, wen ich mit meinem Geld unterstütze.“

Nachbars Garten

Dornen auf dem Stängel, Dornen auf den Blättern, Dornen auf der Frucht, aber der süße Geschmack der Litschi-Tomate entschädigt für die schmerzhaften Stacheln, „die erst nach zwei Wochen wieder aus der Haut kommen“, berichtet Clemens Wurm aus leidlicher Erfahrung. Glücklicherweise muss man die Früchte nicht selber ernten, sondern kann sie geschält und entstachelt im Hofladen von Nachbars Garten kaufen. Auf dem Versuchsfeld direkt neben dem alten Bauernhaus in Oftering wachsen exotische Physalis, Tomatillos und Honigmelonen neben heimischen Kraut und Rüben, die für den freitäglichen Ab-Hof-Verkauf knackfrisch geerntet werden. „Den Salat hab ich grad vor 20 Minuten geschnitten“, erzählt Wurm. Vor 15 Jahren hat er den elterlichen Hof auf Bio umgestellt und dafür sein Wirtschaftsstudium abgebrochen. „Da kriegst jedes Mal einen richtigen Flash, wenn du an der Frischluft rackerst“, erinnert er sich an die Umstellung von Hörsaal auf Gemüsefeld. Bereut hat er die Entscheidung nie: „Als Biobetrieb kannst du viel mehr gestalten, und die Biobauern helfen sich untereinander mit ihren Erfahrungen total gern weiter.“

Lucia’s Naturladen

Kaum tritt man durch die offene Glastür, empfängt einen der aromatische Duft von jungen Kräuterkistln und das herzhafte Lachen von Lucia Lössl, die einer Kundin vom saftigen Gemüse der nahen Felder vorschwärmt. „Wenn du gut essen willst, musst du wissen, was grad bei uns reif ist“, meint die Namensgeberin von Lucias Naturladen im Ennser Vorort Lorch. Regelmäßig fährt sie zu den umliegenden Höfen und holt knackiges Gemüse, frisch geerntetes Obst oder selbstgemachte Nudeln. „Meine Überzeugung ist, dass besser einer für alle fährt, bevor jeder einzeln umanandkurvt“, erklärt Lössl. Vor sechs Jahren hat sie ihren Kindheitstraum vom eigenen „Kaufmannsladen“ erfüllt, „wo es gute und schöne Dinge gibt“. Dazu zählen für Lössl nicht nur regionale Bio-Lebensmittel, sondern auch fair gehandelte ModeSchafmilchseifen aus Sierning, Klangschalen und eine Unzahl von kreativen Geschenksideen. „Besonders beliebt sind unsere Geschenkskörbe mit Schmankerln aus der Umgebung“, sagt Lössl. „Da wissen die Beschenkten genau, wo’s herkommt.“

Bio-Tofu vom Ackerlhof

In der hellen Kühlvitrine ruhen die milchig weißen Blöcke, die Gregor Mittermayr schlicht „Mühlviertler Bohnenkas“ nennt, denn „die Herstellung von Tofu funktioniert nicht anders als bei normalem Käse“. Vor zwei Jahren hat der Jungbauer für eine vegane Freundin versuchsweise damit begonnen, aus dem hofeigenen Soja des elterlichen Biobetriebes die eiweißreiche Fleischalternative zu gewinnen: Zuerst werden die Bohnen gekocht, püriert und ausgepresst, und die so gewonnene Sojamilch schließlich mit dem natürlichen Meersalzextrakt Nigari verkäst. „Das hat von Anfang an super hingehaut“, erinnert sich Mittermayr. Einmal pro Woche stellt er nun seinen regionalen Bio-Tofu frisch her und verkauft ihn an ausgewählte Lokale sowie im winzigen Hofladen, wo zudem selbstgebackenes Brot, Bio-Eier und Apfelsaft zum selber Zapfen locken. „Meine Eltern freuen sich, dass sich der Betrieb weiterentwickelt“, erzählt Mittermayr. „Und mittlerweile hat die Mama den Tofu in ihre bodenständige Küche integriert und kocht damit köstliche Knödel, Aufläufe und Aufstriche.“

Ölmühle Raab

Ratternd gleitet das hölzerne Schiebetor zur Seite, um das tiefe Brummen der Maschinen und den nussigen Duft frisch gepresster Sonnenblumenkerne ins Freie zu entlassen. „Der Jahreszeit entsprechend ist unser Lager derzeit ziemlich voll“, deutet Thomas Raab auf die meterhoch gestapelten Säcke. „Aber eigentlich pressen wir das ganze Jahr über, damit die sensiblen Öle immer frisch zu den Kunden kommen.“ Seit 2005 betreibt die Familie ihre eigene Mühle, anfangs um Biotreibstoff für den Biohof Achleitner herzustellen, bis sich hochwertige Biospeiseöle als rentabler herausgestellt haben. „Die kleinstrukturierte Landwirtschaft in Österreich muss mehr aus jedem Hektar herausholen“, erklärt Raab, warum er sich auf Ölsaaten wie Hanf oder Färberdistel spezialisiert hat. Was er an Rohstoffen nicht selber ernten kann, bezieht er soweit als möglich aus der Region. Verkosten kann man die zehn kaltgepressten Ölsorten unter anderem im Hofladen, wo zudem fruchtige Marmeladen, windgetrocknete Nudeln oder Hausruckviertler Bio-Cider von befreundeten Betrieben locken.

Genussgarten Urfahr

„Der Mangold ist grad richtig gut“, schwärmt Michael Stumpner der Kundin vor und geht zum drei Schritte entfernten Beet, um eine Handvoll der grünroten Stängel zu ernten: Kürzer als im Genussgarten Urfahr kann der Transportweg kaum sein, denn „nur das Frische ist gut“, ist Stumpner überzeugt. Seit Anfang 2014 bestellt der Selbstversorger gemeinsam mit „Einkoch“ Florian Ortner das ungenutzte Grundstück an der Linzer Stadtgrenze nach den Grundsätzen der Bio-Permakultur. Neugierigen erklärt er geduldig die Idee dieser nachhaltigen Wirtschaftsweise und verrät Tricks, die auch im eigenen Garten funktionieren. Einen Teil der Ernte verkocht Ortner direkt vor Ort zu extravaganten Chutneys und eingelegten Spezialitäten, die neben Wollschweinspeck, Schafkäse, Vollkornbrot und Apfelsaft von regionalen Biobetrieben in zwei schlichten Baucontainern zum Verkauf angeboten werden. „Die Lieferanten haben alle eine ähnliche Idealvorstellung wie wir“, sagt Stumpner: „Wertvolle Lebensmittel und die Schönheit der Natur anderen zugänglich zu machen.“

Käseglocke

Von Cremeweiß über Knallorange bis Dunkelblau reicht die Farbpalette in der Vitrine: „Käse abseits vom Einheitsbrei“ ist das Markenzeichen der Käseglocke am Linzer Südbahnhofmarkt, wo italienischer Taleggio, deutscher Limburger und spanischer Queso Azul neben wagenradgroßen Laiben Emmentaler und Gouda reifen. Mehr als 200 aromatische Spezialitäten hat Manfred Auer bei seinen Reisen quer durch Europa aufgespürt: „Ich bin immer auf der Suche nach besonderen Produkten und fahre dafür direkt zu kleinen Dorf- und Bergsennereien“, erzählt der diplomierte Käsesommelier. Stolz ist er auf sein regionales Bio-Sortiment, das er künftig noch weiter ausbauen möchte. „Wir wollen jeden ansprechen, der sich von der Industrie verabschieden will und ursprüngliche Natürlichkeit wertschätzt.“ Das gilt nicht nur für den Käse: Neben Brot, Milch und Eiern in Bio-Qualität bietet Auer in seinem Marktstandl frisch marinierte Antipasti und Pasta aus einer italienischen Manufaktur feil – kurzum Lebensmittel, „wo echte handwerkliche Kunst dahinter steht“.

Inges Bio-Café

Den Spitznamen Bio-Lois hat er sich redlich verdient: Alois Stingeder war bereits ein Vorreiter der Bio-Branche, als Nachhaltigkeit nur ein Thema für „ein paar Spinnerte“ war. Nach einem kleinen Geschäft in Leonding hat er im Jahr 2000 in der Urfahraner Hauptstraße seine charmante Mischung aus Kaffeehaus und Greißlerei eröffnet und nach seiner verstorbenen Frau benannt. „Inge hat sich immer ein Künstlercafé mit Lesungen, Debatten und einer Galerie gewünscht“, erzählt der 65-Jährige und deutet auf die zeitgenössischen Bilder an der Wand. Die Gäste freilich kommen vor allem wegen dem herzhaften Frühstück, den frisch gepressten Fruchtsäften oder den Mittagsgerichten, alle aus regionalen, biologischen und biodynamischen Lebensmitteln frisch zubereitet. Die Zutaten zum selber Kochen bekommen sie im angrenzenden Geschäft: „Von Erdäpfeln bis Champagner ist hier alles Bio“, beschreibt Stingeder das Vollsortiment auf engstem Raum. „Gute Ware und ein gscheiter Service“ sind ihm dabei besonders wichtig: Mit seinen acht Mitarbeiterinnen betreibt er „ein klassisches Bedienungsgeschäft, wo wir für die Kunden jede Scheibe Käse oder Wurst einzeln aufschneiden“.

Kreativladen

Offener Bio-Kräutertee, einzelne Eier und lose Getreidekörner, die vor den Augen der Kundschaft geschrotet werden: Der Kreativladen im EuroCenter Linz-Oed bietet ein buntes Gegenprogramm zum klassischen Supermarkt. Anstatt abgepackte Ware zu erstehen, kann man hier Tupperdosen, Einmachgläser und Einkaufskörbe mit (Bio-)Lebensmitteln anfüllen lassen oder an der Bar einen frisch gepressten Fruchtsaft schlürfen. Zugleich steht eine breite Palette an Geschenkartikeln zur Auswahl, von duftenden Schafmilchseifen über handgefertigte Filztaschen bis zu Topfblumen der Zweigstelle Schwaigau von pro mente. Die Hauptaufgabe des Geschäfts, erklärt Trainingsleiter Gerald Langreiter, ist aber eine andere: „Seit 1985 begleiten wir hier bis zu sechs Menschen nach psychischen Krisen auf dem Weg zurück zum freien Arbeitsmarkt.“ Davon profitieren auch die Kundinnen und Kunden, findet Langreiter, denn das zusätzliche Personal ermöglicht eine ganz individuelle Beratung.

Genussplatzl Wasserwald

Zwischen Hollerstrauch und Lattenzaun tun sich immer wieder kleine Gucklöcher auf, durch die Neugierige in den verwunschenen Garten lugen: Das Genussplatzl Wasserwald beim gleichnamigen Naherholungsgebiet ist ein Hort der Artenvielfalt, wo Sulmtaler Hühner neben selbstgezimmerten Hochbeeten im Sand scharren. Mehr als 100 Tomatensorten und ebenso viele Chilis wachsen in den Permakulturbeeten, hinzu kommen violette Kartoffeln, aromatische Rauken und heilsame Kräuter. Jeden Freitag verkaufen die beiden Arche-Noah-Aktivisten Sonja Tobin und Gerhard Wiener ihre frische Ernte sowie seltene Jungpflanzen – „was es eben grad im Garten gibt“, sagt Sonja Tobin. Hinzu kommen die Schätze von befreundeten Bio-Betrieben wie Einkornmehl, Apfel-Hollunder-Saft und preisgekrönter Speck vom Turopolje-Schwein. „Wir haben hier nur Sachen, die uns selbst schmecken, damit wir nichts wegschmeißen müssen, wenn mal was übrig bleibt“, lacht Sonja Tobin.