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Nachbars Garten

Dornen auf dem Stängel, Dornen auf den Blättern, Dornen auf der Frucht, aber der süße Geschmack der Litschi-Tomate entschädigt für die schmerzhaften Stacheln, „die erst nach zwei Wochen wieder aus der Haut kommen“, berichtet Clemens Wurm aus leidlicher Erfahrung. Glücklicherweise muss man die Früchte nicht selber ernten, sondern kann sie geschält und entstachelt im Hofladen von Nachbars Garten kaufen. Auf dem Versuchsfeld direkt neben dem alten Bauernhaus in Oftering wachsen exotische Physalis, Tomatillos und Honigmelonen neben heimischen Kraut und Rüben, die für den freitäglichen Ab-Hof-Verkauf knackfrisch geerntet werden. „Den Salat hab ich grad vor 20 Minuten geschnitten“, erzählt Wurm. Vor 15 Jahren hat er den elterlichen Hof auf Bio umgestellt und dafür sein Wirtschaftsstudium abgebrochen. „Da kriegst jedes Mal einen richtigen Flash, wenn du an der Frischluft rackerst“, erinnert er sich an die Umstellung von Hörsaal auf Gemüsefeld. Bereut hat er die Entscheidung nie: „Als Biobetrieb kannst du viel mehr gestalten, und die Biobauern helfen sich untereinander mit ihren Erfahrungen total gern weiter.“

Schurm’s Hofladen

Die allererste Ernte waren die skeptischen Blicke der Nachbarn: „Wir sind die einzigen weit und breit, die auf 780 Metern Höhe Obst anbauen“, sagt Martin Schurm nicht ohne Stolz. Anfangs wollte niemand glauben, dass das auch tatsächlich funktionieren kann, doch mittlerweile heimst der Familienbetrieb am Hang des Lichtenbergs eine Auszeichnung nach der anderen ein. Die preisgekrönten Fruchtsäfte, Moste, Schnäpse und Cider entstehen allesamt im Presshaus, wo Äpfel und Birnen schonend gepresst, mit natürlichen Methoden haltbar gemacht und in Pfandflaschen abgefüllt werden. Zu kaufen gibt es die süßen und herben Tropfen unter anderem direkt vor Ort: Im ehemaligen Kuhstall warten neben den hofeigenen Produkten noch einige „ausgefallene Sachen, die du so im Geschäft nicht kriegst“, verweist Silvia Schurm auf die vollen Holzregale. Von befreundeten Betrieben aus der Umgebung bezieht sie Käse von Kuh oder Ziege, kerniges Bauernbrot, Eiernudeln und Bio-Pestos, damit die Kundinnen und Kunden „nicht alle einzeln abklappern müssen“ und dennoch die Geschmacksvielfalt der Region auskosten können.

Nets.werk

Mühlviertler Kräuter von Aufreiter, Fruchtsäfte vom Köglerhof und Bio-Eiernudeln vom Sulzerstetterhof locken in den Holzregalen: Das Nets.werk neben der Leonfeldner Straße ist so etwas wie ein Hofladen für 27 regionale Bio-Landgüter. Einmal pro Woche bringen Bäuerinnen und Bauern aus Eidenberg, Eferding oder Alberndorf die gesammelten Online-Bestellungen ins Linzer Geschäft, wo man jeden Freitag seine individuell zusammengestellte Kiste mit frischer Milch, Brot oder Gemüse abholen kann. Das spart Kilometer, weil nicht jeder oder jede für einen Sack Kartoffeln ins Mühlviertel brettern muss. Außerdem bleibt am Ende des Verkaufstages keine abgelaufene Frischware übrig, die man – wie in Supermärkten sonst üblich – in die Mülltonne treten müsste. Die Idee für ihr Geschäft hat Inhaberin Renate Liedl von Gerhard Zwingler, der vor acht Jahren den ersten Nets.werk-Laden in Steyr eröffnet hat. Mittlerweile gibt es zahlreiche Regionalstellen, zum Beispiel in Wels, Enns und Haag. Die Läden bieten einen direkten Draht zu regionalen, biologischen, sozial gerechten und tierfreundlichen Betrieben, sodass Kundinnen und Kunden ohne Zwischenhändler ihre Lebensmittel beziehen können.

Theresiengut

Gedankenverloren schweift der Blick über die Stadt unten im Donautal, und die frische Landluft füllt die Lungen bis tief in die feinsten Bronchien. Das Theresiengut könnte mit seiner entspannenden Lage am Pöstlingberg als Meditationszentrum dienen. Tatsächlich leben und arbeiten hier aber Menschen mit geistiger Beeinträchtigung, die auf der 23 Hektar großen Landwirtschaft biologische Lebensmittel für den Eigenbedarf und für den freitäglichen Ab-Hof-Verkauf produzieren. Gleich neben dem Eingang warten frisches Obst und Gemüse, daneben steht eine Vitrine mit Milch, Joghurt und Ziegenkäse. In den Regalen locken Dinkelvollkornnudeln, Marmelade oder eingelegte Köstlichkeiten, außerdem lebensfrohe Filzfiguren und bunt schillernde Kerzen. Durch die Arbeit in der Gärtnerei und der Kreativgruppe entwickeln die Betreuten Verantwortungsgefühl und soziale Kompetenzen – zentrale Fertigkeiten für ein Leben in größtmöglicher Selbstbestimmung.

Leisenhofgärtnerei

Johanna hegt ihr Heiliges Basilikum, Sebastian experimentiert mit Stützmauern aus Lehm für die Rankbohnen, und Chefgärtner Klaus vermehrt Saatgut für seltene Kürbissorten. So vielseitig wie die Interessen der fünf Mitarbeiter sind die Obst- und Gemüsepflanzen in der Leisenhofgärtnerei am Pöstlingberg: Auf einem knappen Dreiviertel Hektar gedeihen Ochsenherz- und Ribiseltomaten, Filderkraut und Kuri-Kürbisse, russische Gurken und italienischer Salat und machen damit gerade für  Kinder die Vielfalt abseits der Supermarktregale erlebbar. Früher hat der kleine Anger das nahe Petrinum versorgt, heute verkauft die biodynamische, Demeter-zertifizierte Gärtnerei an zwei Tagen pro Woche Brot, Käse, Honig, Wiesenblumen und natürliches, geschmacksintensives Obst und Gemüse. Wer Lust am selber Garteln verspürt, der kann als freiwilliger Erntehelfer im Leisenhofgut mit anpacken – als Lohn winken die frisch geernteten Früchte.

Obstbaumgarten auf dem Freinberg

Kronprinz Rudolf, Kaiser Wilhelm und Herzogin Elsa geben sich hier ein adeliges Stelldichein: Alte, vom Aussterben bedrohte Apfel-, Birnen- und Kirschsorten haben im Obstbaumgarten auf dem Freinberg ein neues Zuhause gefunden. Die Anlage ist nicht nur wegen der herrlichen Aussicht über das Donautal und das Eferdinger Becken einen Besuch wert: Hier und in den vier weiteren Linzer Obstbaumgärten darf man kostenlos die Früchte der seltenen Obstbäume ernten. Beim Stern&Kringel-Lokalaugenschein waren zwar nur mehr vereinzelte Äpfel auf den 15 Jahre alten Bäumchen zu sehen, dafür gibt es Haselnuss, Sanddorn und Kornelkirsche in Hülle und Fülle.