Alle Artikel zum Schlagwort Recycling

Quand

Auf kuschelig gepolsterten Holzpaletten sitzend schlürft Adelheid Neumeier-Binder mit einer Kundin gemütlich eine Tasse Kaffee. „Die Leute kommen gerne zum Quatschen, das Einkaufen geht da ganz einfach nebenbei“, lacht die Inhaberin der Boutique Quand, in der sie seit Sommer 2014 ihre Leidenschaft für nachhaltige Mode mit ihren langjährigen Erfahrungen im Sozialbereich verknüpft. Nicht nur bei der selbst gestalteten Einrichtung prägen recycelte Autoreifen, Holzbretter und Hanfseile das Erscheinungsbild, auch bei den Kleidern und Accessoires bekommen alte Feuerwehrschläuche, Kaffeesäcke oder Fahrradpneus eine zweite Chance. „Ich nähe T-Shirts zu Loopschals, Hosen zu Röcken, Ärmel zu Hauben“, schildert Neumeier-Binder ihren „Quandkreislauf“. Den größten Teil ihres Sortiments bildet aber alltagstaugliche Ökomode für Damen und Herren: „Das wichtigste Kriterium sind die GOTS-, FairWear– und IVN-Gütesiegel, und gefallen muss es mir natürlich auch.“ Das ist heutzutage zum Glück kein Problem mehr, findet Neumeier-Binder: „Öko ist schon lange keine Jutesackmode mehr, sondern so richtig im Trend.“

Schmuck Kastner

Ein junges Paar ist extra aus Südtirol angereist, „ganz nachhaltig mit dem Zug“, erinnert sich Christine Kastner-Ursprunger: „Wenn die Leute heiraten, dann ist es ihnen extrem wichtig, dass sie was Spezielles bekommen.“ Als eines der wenigen Schmuckgeschäfte in Österreich bietet ihr Laden hochwertige Eheringe aus nachhaltigen Quellen: Gold und Silber werden unter kontrolliert fairen Arbeitsbedingungen ohne Einsatz hochgiftiger Chemikalien gewonnen, die Kimberley-zertifizierten Diamanten wiederum stammen aus konfliktfreien Gebieten. Auch für die noblen Schmuckstücke, die sie eigenhändig in ihrer Welser Werkstätte gestaltet, verwendet die Goldschmiedin Amethyst, Turmalin und Aquamarin aus fairen Quellen sowie recycelte Edelmetalle: Dafür schmilzt sie Omas alte Halskette oder das aus der Mode gekommene Armband ein und schenkt ihnen als Ohrringen oder Anhängern ein zweites Leben. So werden „die Ressourcen, die im Umlauf sind, möglichst umweltschonend weitergenutzt“.

Volkshilfe ReVital Shop Linz

Ein falsches Samurai-Schwert und zwei echte Steiff-Teddybären aus dem Jahr 1905 sind Bereichsleiter Martin Zwicker besonders in Erinnerung geblieben, aber eigentlich „gibt’s hier jeden Tag was Neues zu entdecken“: Wer kuriose Kleidungsstücke, außergewöhnliche Retro-Möbel oder schickes 50er-Jahre-Geschirr sucht, dem bietet der Volkshilfe ReVital Shop am Spallerhof ein buntes Sammelsurium an günstiger Second-Hand-Ware. Abfallvermeidung lautet dabei das Zauberwort, stammen die Artikel doch zum Großteil aus Altstoffsammelzentren und 500 Altkleidercontainern in ganz Oberösterreich. Wer sperrige Möbel oder alte Elektrogeräte direkt an die Volkshilfe spenden will, ruft einfach im Shop an: Der Betrieb beschäftigt knapp 50 Langzeitarbeitslose, die brauchbare Ware kostenlos abholen, streng auf Sauberkeit, Sicherheit und Funktionstüchtigkeit prüfen und gegebenenfalls reparieren. Auch deshalb herrscht an frischem Nachschub für den 600 Quadratmeter großen Laden keinerlei Mangel, meint Zwicker: „Wenn ich doppelt so viel Fläche hätte, könnte ich die auch locker bespielen.“

Pure and Green

„Das schmeckt so grauslich“, hat sich Sohn Moritz über den Geschmack des Wassers aus der Plastikflasche beschwert: Mit der schwierigen Suche nach einer „ordentlichen Trinkflasche“ hat für Tina Pramhas ein Abenteuer begonnen, das vor zwei Jahren mit der Gründung des Online-Versands Pure and Green seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Bei ihrer jahrelangen Recherche hat sie nachhaltige, schicke und vor allem schadstofffreie Alltagsgegenstände von unterschiedlichsten Herstellern entdeckt und das breit gestreute Angebot nun auf ihrer Plattform gebündelt: Vorratsdosen aus Edelstahl, Babyschnuller aus Naturkautschuk, kompostierbare Salatschüsseln oder Kinderrucksäcke aus Bio-Baumwolle lagern im Keller ihres Einfamilienhauses am Stadtrand von Linz. Dort können die Kundinnen und Kunden ihre Bestellungen auch direkt abholen und sparen so die Versandkosten und unnötiges Verpackungsmaterial.

Hirsch trifft Blume

Der Strauß in zarten Rosatönen sieht nicht nur zum Anbeißen aus: „Die ungespritzten Bio-Edelrosen aus Freistadt kann man tatsächlich essen“, lacht Andrea Hirsch. Seit bald fünf Jahren ist ihr Geschäft Hirsch trifft Blume ein heißer Geheimtipp für blütenprächtige Dekorationen. Besonders bei Trauungen nimmt sie sich Zeit, um mit viel Liebe zum Detail auf individuelle Wünsche einzugehen: So gestaltet sie für eine Meereshochzeit einen Brautstrauß aus Muscheln und Wasserblumen oder für eine Feier im Stil der 20er Jahre ein Bouquet aus traditionellen Wicken, Freesien und Frauenmantel. Die Blumen, Moospolster und Wurzelstöcke für ihre Kreationen bekommt sie großteils von kleinen Gärtnereien und Bauernhöfen aus der Umgebung, und auch bei den charmanten Mitbringseln wie Kugelfröschen, Weinflaschen oder Grünkohl-Pesto achtet sie auf regionale Herkunft. Zudem bastelt die Floristin herzige Grußkarten aus handgeschöpftem Papier, die eine blühende Überraschung bergen: Vergräbt man die Billets in der Erde, sprießen blumige Liebesboten aus den im Karton versteckten Samen.

Sisi-Top

Jeder hat eine zweite Chance verdient: die Kreditkarte als Gitarrenplektron, der Bierkorken als Kühlschrankmagnet, das Leiberl als geflochtener Gürtel. Kreatives Recycling und ausgefallene, handgefertigte Souvenirs bestimmen das Sortiment im Sisi-Top schräg gegenüber des Lentos‚. In ihrer winzigen Werkstatt bedruckt Kathrina Becker Postkarten und Buttons, veredelt Bio-Baumwollleiberl mit Stickereien und schneidert Altkleider zu Polstern oder Röcken um. Wegen eines Jobs ist die Aachnerin in Linz gelandet und „mag jetzt nimmer weg“ aus ihrer „Stahlstadt“. Diese Liebe zur neuen Heimat spiegelt sich auch im Namen des Ladens, der an Kaiserin Elisabeth erinnert – „auch so eine Deutsche, die sich rübermachte“, scherzt Kathrina. Immer wieder blitzt das Konterfei der Monarchin zwischen den zusammengewürfelten Möbeln und den Retro-Vinylplatten hervor, die dem Geschäft das gemütliche Flair eines wuseligen WG-Wohnzimmers verleihen.

B7 Fahrradzentrum

„Ein bissl voll ist es derzeit“, entschuldigt sich Projektleiter Hannes Herber beim Rundgang durch die Werkstatt: „Wir reparieren hier alles vom Waffenrad bis zum Hightech-Bike“, und da sorge der freundliche Frühlingsstart für reichlich Aufträge. Ketten schmieren, Reifen wechseln, Bremsen kontrollieren – ein Service im B7 Fahrradzentrum macht den Drahtesel fit für den Einsatz. Versteckt hinter der Kapuzinerkirche gelegen, bietet das Projekt 14 zeitlich befristete Arbeitsplätze, um die Beschäftigten beim (Wieder-)Einstieg in die Erwerbstätigkeit zu unterstützen. Unter der Anleitung von Fachkräften lernen sie den Umgang mit Kunden und Kolleginnen genauso wie die Tricks, um gespendete und gebrauchte Räder zu recyceln und wieder auf fahrtauglich zu trimmen. Ab 60 Euro sind die Second-Hand-Vehikel im Geschäft erhältlich. Wer’s lieber brandneu mag, findet hier zudem schicke Retro-Stadträder, sportliche Trekking-Bikes, kompakte Falträder und E-Bikes sowie das nötige Zubehör für eine schwungvolle Radlsaison.

Mueslibrikett

Knusprig krachen die gerösteten Nüsse zwischen den Zähnen, und süßsaure Beeren kitzeln die Geschmacksknospen: Das knackige Energiepaket “Hanf & Cranberries” ist eines von sieben Mueslibriketts aus der Backstube von Lucia Sittenthaler. Während handelsübliche Müsliriegel als massengefertigte Zuckerbomben wenig zur gesunden Ernährung beitragen, setzt die Welserin ganz auf Natürlichkeit und liebevolle Handarbeit: Haferflocken, Honig, getrocknete Früchte und Nüsse bezieht sie von regionalen Bio-Höfen, befreundeten Imkereien und aus dem Garten ihres Großvaters. Diese ausgewählten Zutaten verarbeitet sie zu kreativen Kraftriegeln, die sie in kompostierbares Backpapier wickelt und mit handgeschriebenen Etiketten versieht. Die Mueslibriketts kann man pur oder auch mit Milch als Instant-Müsli vernaschen. Erhältlich sind sie im Online-Shop und bei Vertriebspartnern in Linz, Wels oder Wien.

Sack & Co.

Das blau-grün-karierte Dirndl hat sich seine zweite Chance redlich verdient: Statt im Kasten den Motten als Fraß zu dienen, bringt es als heimatverbundene Geschenksverpackung die Augen noch einmal zum Leuchten. Die Näherinnen von Sack & Co. verwenden für ihre entzückenden Sackerl abgetragene (Trachten)-Mode, Stoffreste und traditionelle Mühlviertler Webstoffe. Die Stoffbeutel, Bschoadbinkerl (ein quadratisches Tuch, das früher zum Transportieren von Proviant diente) und kleinen Gutscheinverstecke lassen sich immer wieder befüllen und weiterverschenken – so spart man Berge an Geschenkpapier und Plastik! Christa Oberfichtner hat die Initiative anlässlich der Woche der Nachhaltigkeit im Herbst 2013 ins Leben gerufen. Mit dem kreativen, abwechslungsreichen Design der Beutel will sie zum selber Nähen inspirieren. Wer zwei linke Hände hat, kann die Sackerl auch einfach online bestellen. Pro verkauftem Exemplar gehen zwei Euro an ein Asylheim im Mühlviertel.