Alle Artikel zum Schlagwort regional

Wirt am Graben

Gusentaler Lachsforelle, Lamm aus Rutzenmoos, Wildhendl aus Vorchdorf: Gelegentlich liest sich die Speisekarte beim Wirt am Graben wie eine ausgefeilte Reiseroute zu den Orten, wo das bäuerliche Lebensmittelhandwerk in Oberösterreich daheim ist. Als „irrsinnigen Aufwand“ beschreibt Pierre Levassor die Lieferantensuche, aber für das Vertrauen der Gäste braucht es Transparenz, was von welchem Bauernhof stammt. „Außerdem ist der persönliche Kontakt zu den Herstellern unglaublich schön“, lacht der Junggastronom, der selbst auf einem kleinen Bauernhof beim Attersee aufgewachsen ist. Seit der Eröffnung des gemütlichen Lokals vor mehr als fünf Jahren „hat sich einiges entwickelt, aber das Gedankengut ist gleich geblieben“: nämlich aus frischen, saisonalen, großteils biologischen Lebensmitteln der Region eine gutbürgerliche und zugleich moderne Küche zu zaubern, erklärt Pierre sein Konzept. Abwechslung ist da allein schon durch den Wechsel der Jahreszeiten vorprogrammiert, deshalb schreibt er eigenhändig jeden Tag die Speisekarte neu. „Ich möchte nicht immer Schnitzel backen, sondern Freiraum für kreative Gerichte schaffen.“

Gutes Finden

Die Donau ist verschwunden, auch von den Städten, den Bergen und den Seen ist nichts mehr zu sehen: Ganz Oberösterreich ist zugepflastert mit bunten Icons, die anzeigen, wo es regionale, biologische, fair gehandelte und klimafreundliche Produkte und Services zu entdecken gibt. Dass sich die nicht nur in den urbanen Ballungsräumen verstecken, zeigt die kostenlose App „Gutes Finden“: Der praktische Wegweiser zeigt auf einer übersichtlichen Karte oder in Listenform mehr als 1000 Restaurants, Lebensmittel- und Modegeschäfte, Hotels und nachhaltige Ideen in der unmittelbaren Umgebung und liefert die wichtigsten Informationen wie Kontaktdaten oder Produktsortiment. Zudem kann man neue Angebote hinzufügen oder die Unternehmen mit Goldsternchen für ihren Service belohnen. „Diese App“, sagt Norbert Reiner vom Klimabündnis Oberösterreich, „hilft allen Oberösterreicherinnen und Oberösterreichern, ein gutes und nachhaltiges Leben zu führen.“

Siebenkant

Mit leuchtenden Augen bringt Claudia Opletal den regenbogenbunten Donnerkeil zum Rotieren und erzählt dabei voller Begeisterung von der wenige Kilometer entfernten Holzkreiselmanufaktur: Beim Rundgang durch das Siebenkant gegenüber vom Welser Bahnhof sprudeln die Geschichten nur so aus dem Mund von Claudia, die sich vor zwei Jahren den Wunsch nach einem Geschäft erfüllt hat, „in dem man ohne Bedenken einkaufen kann“. Was damals als Laden für ökologisch und fair produzierte Damen- und Herrenmode begonnen hat, bietet heute zudem nachhaltiges Kinderspielzeug, regionale und biologische Lebensmittel sowie Schmuck und Accessoires von Kunstwerkstätten und Sozialinitiativen aus der näheren Umgebung. Geleitet wird sie bei der Auswahl der Artikel von der Wertschätzung für Mensch, Natur und das Produkt selbst. „Konsumieren ist eine Form von Politik“, ist Claudia überzeugt. „Mit jedem Einkauf entscheide ich, wen ich mit meinem Geld unterstütze.“

Rex

Wie in Mamas Speis drängen sich die Rexglasln in der gläsernen Vitrine, nur dass sie hier statt Marillenmarmelade und Senfgurkerln fertige Gerichte wie Chili con Carne, Mohnschupfnudeln und Perl-Graupen-Suppe enthalten: In der Egger-Passage neben der Linzer Arkade versteckt, bietet das Rex – wie der Name schon vermuten lässt – warme und kalte Speisen im Pfandglas zum Mitnehmen oder zum gleich Genießen. „Eine wiederverwendbare Verpackung erspart viel Müll“, erläutert Lukas Brandstätter die Idee für sein Lokal. Außerdem wollte er eine Alternative zum Wurstsemmerl in der Mittagspause anbieten: Vier unterschiedliche Hauptspeisen finden sich auf der täglich wechselnden Speisekarte, eine mit Fleisch oder Fisch, die andere vegetarisch, die dritte eine Süßspeise und die letzte eine Suppe mit Gebäck von der Linzer Bäckerei Brandl. Aus österreichischen, teils biologischen Zutaten zubereitet, stehen vor allem heimische Klassiker auf dem Menü, sagt Brandstätter. „Und auch ein paar internationale Einsprengsel, damit es nie fad wird.“

Bio-Bäckerei Stöcher

Der frische Herbstwind fegt die bunten Kastanienblätter über den gepflasterten Marktplatz und die fröstelnden Wandersleute und Kurgäste direkt in die warme Stube, wo schon seit dem Mittelalter Brot gebacken wird: Im Herzen des Kurortes Bad Zell in einem historischen Gebäude gelegen, kann die Bio-Bäckerei der Familie Stöcher gar nicht anders als der Tradition verpflichtet zu sein. „Das Wichtigste beim Backen ist die Zeit, damit der Teig rasten und seinen vollen Geschmack entwickeln kann“, meint Karl Stöcher, der nach altem Rezept und aus regionalen Biozutaten sein „Mühlviertler Urbrot“ im Holzofen bäckt. Auch für die verführerischen Mehlspeisen wie Himbeertorte, Butterkipferl und Briochegebäck verwendet er Mehl, Milch und Eier von Biobetrieben aus der unmittelbaren Umgebung. „Bio heißt für uns, dass wir mit naturbelassenen Zutaten arbeiten“, sagt Karl Stöcher. „Nur ein Zusatzstoff ist zu finden: viel Kreativität.“

Nachbars Garten

Dornen auf dem Stängel, Dornen auf den Blättern, Dornen auf der Frucht, aber der süße Geschmack der Litschi-Tomate entschädigt für die schmerzhaften Stacheln, „die erst nach zwei Wochen wieder aus der Haut kommen“, berichtet Clemens Wurm aus leidlicher Erfahrung. Glücklicherweise muss man die Früchte nicht selber ernten, sondern kann sie geschält und entstachelt im Hofladen von Nachbars Garten kaufen. Auf dem Versuchsfeld direkt neben dem alten Bauernhaus in Oftering wachsen exotische Physalis, Tomatillos und Honigmelonen neben heimischen Kraut und Rüben, die für den freitäglichen Ab-Hof-Verkauf knackfrisch geerntet werden. „Den Salat hab ich grad vor 20 Minuten geschnitten“, erzählt Wurm. Vor 15 Jahren hat er den elterlichen Hof auf Bio umgestellt und dafür sein Wirtschaftsstudium abgebrochen. „Da kriegst jedes Mal einen richtigen Flash, wenn du an der Frischluft rackerst“, erinnert er sich an die Umstellung von Hörsaal auf Gemüsefeld. Bereut hat er die Entscheidung nie: „Als Biobetrieb kannst du viel mehr gestalten, und die Biobauern helfen sich untereinander mit ihren Erfahrungen total gern weiter.“

Kinderkram

Die kulleräugigen Kätzchen auf dem gagerlgelben Leiberl sehen so aus, als wären sie dem farbenfrohen Traum eines Kindes entsprungen, das eine ganze Nacht in der Zuckerlfabrik verbracht hat. „Wir freuen uns immer, wenn wir solche Retro-Sachen entdecken“, lacht Lilly Koslowsky, Verkäuferin im Kinderkram am Linzer Volksgarten. Besonders die ökofairen Kindermodelabels aus Skandinavien baden in den grellbunten Farben der frühen Siebziger, und auch viele Spielsachen wirken wie den Kindheitstagen der Elterngeneration entsprungen. Einfach und farbenfroh sollen Kleidung und Spielzeug sein, darüberhinaus umweltfreundlich, in Europa hergestellt und plastikfrei, erklärt Besitzerin Eva Höller. Egal ob wollige Häkelpuppen, Fläschchen aus Edelstahl und giraffenförmige Beißhilfen aus Naturkautschuk, „jedes Stück haben wir mit viel Sorgfalt ausgesucht und mit unseren Kindern getestet“. Ein eigener Tisch ist für die Produkte von Linzer Designerinnen reserviert, die in Handarbeit Bären auf Leiberl häkeln oder tierische Schnullerketten basteln. „Diese individuellen Nischenprodukte sind beliebte Geschenke“, erzählt Koslowsky. „Besonders wenn man selber nicht gern näht.“

Taverne zu Prandegg

Über moosbewachsenen Granitblöcken und wildwuchernden Haselstauden thronen die Reste der Burg Prandegg, der Franz Leitner seinen beruflichen Neustart zu verdanken hat. „Vor zehn Jahren hab ich hier im Backhäusl regelmäßig Bauernbrot gebacken“, erzählt der gelernte Bäcker, „und dann hat mich die Gemeinde gefragt, ob ich nicht ein Lokal aufmachen will“. Also verwandelte er mit tatkräftiger Unterstützung von Freundeskreis und örtlichen Vereinen das verfallene Gemäuer des ehemaligen Meierhofs in eine gemütliche Jausenstation, wo Kinder beim Ritterspiel zwischen Reitern und Wanderinnen durch Gastgarten und Spielplatz wuseln. Dass Franz Leitner im Ruf steht, einen der besten Schweinsbraten nördlich der Donau zu servieren, lockt die Gäste zusätzlich an. „Ich schau, dass alles so weit wie möglich von rundumadum kommt“, erklärt Leitner die Einkaufspolitik in seinem Null-Emissionen-Gasthaus: das Fleisch von einem Familienbetrieb in St. Leonhard, der frische Saibling aus dem nahen Naarntal, der Apfelmost aus Wartberg und das Bio-Zwickl aus Freistadt. Nur die fantastischen, mit Mohn und Powidl gefüllten böhmischen Golatschen bezieht er von jenseits der Grenze, was die Gäste aber nicht zu stören scheint: „Am Wochenende reißen uns die Leute die Golatschen nur so aus der Hand.“

Café Bar Stern

Wie die Protonen-Strahlen der Ghostbusters zickzacken die weißen Lichtbänder durchs Lokal, und auf den Kletterpflanzen über den Tischen könnte sich Tarzan locker durch die Lüfte hangeln: „Das Lichtkonzept und die Bepflanzung sind sicher die auffälligsten Änderungen seit dem Umbau“, meint Rainer Landerl, der Geschäftsführer der Café Bar Stern beim Linzer City Kino. Nicht nur die Einrichtung wurde im Sommer 2014 cinefantastisch umgebastelt, sondern auch die Karte noch regionaler und biologischer gestaltet: Kaffee und Fruchtsäfte kommen aus dem Mühlviertel, Limonaden aus dem Hausruckviertel, Craft-Biere aus Salzburg und der Cider direkt vom burgenländischen Erzeuger. „Wenn wir bei uns so tolle Produzenten haben, dann wär’s doch idiotisch, wenn ich’s anderswo kauf“, lacht Landerl. Begleitet werden die Getränke von hausgemachten Mehlspeisen, Tagesgerichten und kleinen Imbissen aus der bio-regionalen Küche des Restaurants Gelbes Krokodil, zu dem das Stern gehört. An lauen Sommerabenden öffnet sich die bewegliche Glasfront zum kleinen Gastgarten am Linzer Graben, wo man bei einem gepflegten Hollerkracherl über Sternzeichen, Sternbilder und Filmsternchen philosophieren kann.

Lucia’s Naturladen

Kaum tritt man durch die offene Glastür, empfängt einen der aromatische Duft von jungen Kräuterkistln und das herzhafte Lachen von Lucia Lössl, die einer Kundin vom saftigen Gemüse der nahen Felder vorschwärmt. „Wenn du gut essen willst, musst du wissen, was grad bei uns reif ist“, meint die Namensgeberin von Lucias Naturladen im Ennser Vorort Lorch. Regelmäßig fährt sie zu den umliegenden Höfen und holt knackiges Gemüse, frisch geerntetes Obst oder selbstgemachte Nudeln. „Meine Überzeugung ist, dass besser einer für alle fährt, bevor jeder einzeln umanandkurvt“, erklärt Lössl. Vor sechs Jahren hat sie ihren Kindheitstraum vom eigenen „Kaufmannsladen“ erfüllt, „wo es gute und schöne Dinge gibt“. Dazu zählen für Lössl nicht nur regionale Bio-Lebensmittel, sondern auch fair gehandelte ModeSchafmilchseifen aus Sierning, Klangschalen und eine Unzahl von kreativen Geschenksideen. „Besonders beliebt sind unsere Geschenkskörbe mit Schmankerln aus der Umgebung“, sagt Lössl. „Da wissen die Beschenkten genau, wo’s herkommt.“