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Sanfte Pflege

In der Kürze liegt die Würze – vor allem beim Transportweg: Die goldenen Honigbärchen, schwarzen Lavendellämmer und schokoladigen Bio-Badebomben in den Holzregalen des Naturkosmetikgeschäfts Sanfte Pflege haben eine derart kurze Anreise hinter sich, dass sie wie frisch aus der Seifenmanufaktur duften. „Wir kaufen soweit wie möglich bei kleinen Produzenten aus der Region“, erklärt Inhaber Robert Buchegger, „und bei Firmen, die vom Drumherum her zu uns passen“. Dazu zählt für ihn neben dem verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt und dem Verzicht auf Tierversuche vor allem die Verwendung von natürlichen, teils essbaren Rohstoffen. „Die gibt’s schon seit hunderten Jahren, da weiß man, dass sie gut verträglich sind.“ Besonders Menschen mit empfindlicher Haut, Allergien oder Neurodermitis bietet er individuelle Beratung, welche Hautcremen, Duschgels oder Duftwässerchen am besten passen. „Dass sich die Kunden wohl fühlen, hat hier einen extrem hohen Stellenwert“, lächelt Buchegger. „Deshalb gibt’s uns ja auch schon seit 26 Jahren.“

Nai Baan

Die große Herausforderung, sagt Pamela Praphai-Schmied, ist die Kunst der Kontraste: Damit meint sie nicht die Einrichtung in den Komplementärfarben Gelb und Violett oder das Aufeinanderprallen von Tradition und Moderne in der offenen Küche des Nai Baan, sondern das harmonische Zusammenspiel von Süß und Scharf, das den Thai-Gerichten ihr charakteristisches Aroma verleiht. Um diesen authentischen Geschmack für Currys, Wok-Speisen oder Hühnerspießchen zu kreieren, kombiniert sie original thailändische Gewürze mit Innviertler Maishendl, Eferdinger Biogemüse und anderen Zutaten aus der Umgebung. Auch bei den Getränken achtet Praphai-Schmied auf regionale Herkunft: Bier und Biokaffee kommen aus Freistadt, Schnäpse und Fruchtsäfte entstehen aus Mühlviertler Obst, und Weine aus den wichtigsten Anbaugebieten Österreichs begleiten die fernöstlichen Spezialitäten im Welser Medienkulturhaus.

Schlossrestaurant Hagenberg

Ein Hauch der adeligen Vergangenheit schwebt über den Tischen im ziegelgewölbten Speisesaal. „Dabei ist dieser Gebäudeteil gar nicht so alt, nur 400 bis 450 Jahre“, erzählt Hannes Katzenschläger beiläufig, so als wollte er sagen: Was ist das schon im Vergleich zur mehr als tausendjährigen Geschichte des gesamten Schloss Hagenberg? Vor bald zehn Jahren hat er gemeinsam mit seiner Schwester Sibylle das Restaurant in dem historischen Gemäuer übernommen und ganz auf traditionelle österreichische Küche aus regionalen Biozutaten umprogrammiert. „Die Leute wollen wissen, wo ihr Essen herkommt. Und der Bauer hat eine Freude, wenn er ordentliches Geld für eine ordentliche Arbeit bekommt“, erklärt Katzenschläger, warum er Ziegenkäse, Rindfleisch oder Erdäpfel direkt bei den umliegenden Biohöfen kauft. Je nachdem, „was gerade bei uns wächst“, passt sich die Speisekarte des biozertifizierten Lokals der aktuellen Jahreszeit an: Die saisonalen Spezialitätenwochen von Wild über Spargel bis Lamm begleiten die Gäste durchs Jahr, denn „jedes Monat hat seine spannenden Mitbringsel“.

Ölmühle Raab

Ratternd gleitet das hölzerne Schiebetor zur Seite, um das tiefe Brummen der Maschinen und den nussigen Duft frisch gepresster Sonnenblumenkerne ins Freie zu entlassen. „Der Jahreszeit entsprechend ist unser Lager derzeit ziemlich voll“, deutet Thomas Raab auf die meterhoch gestapelten Säcke. „Aber eigentlich pressen wir das ganze Jahr über, damit die sensiblen Öle immer frisch zu den Kunden kommen.“ Seit 2005 betreibt die Familie ihre eigene Mühle, anfangs um Biotreibstoff für den Biohof Achleitner herzustellen, bis sich hochwertige Biospeiseöle als rentabler herausgestellt haben. „Die kleinstrukturierte Landwirtschaft in Österreich muss mehr aus jedem Hektar herausholen“, erklärt Raab, warum er sich auf Ölsaaten wie Hanf oder Färberdistel spezialisiert hat. Was er an Rohstoffen nicht selber ernten kann, bezieht er soweit als möglich aus der Region. Verkosten kann man die zehn kaltgepressten Ölsorten unter anderem im Hofladen, wo zudem fruchtige Marmeladen, windgetrocknete Nudeln oder Hausruckviertler Bio-Cider von befreundeten Betrieben locken.

Burgerei

Herzhaft bohrt die glubschäugige Graffti-Kuh in der Nase, dahinter thront ein mächtiger Vierkanter auf grünen Hügeln. „Das ist der Silberbauernhof in Gutau, auf dessen Weiden die Bio-Angusrinder für unsere Fleischlaberl ihren freien Auslauf genießen“, erklärt Andreas Katzensteiner, der gemeinsam mit Peter Schaller am Linzer Südbahnhofmarkt soeben die zweite Filiale der Burgerei eröffnet hat. Beflügelt vom Ideal der Regionalität, verwandelt das Gastronomenduo traditionelle Lebensmittel aus Mühl- und Hausruckviertel in feines Fastfood, das in der Marktkoje stilvoll auf Porzellantellern und mit knusprigen Erdäpfelscheitln (Potato Wedges) serviert wird. Wer will, kann den deftigen Petersburger (mit Speck und Spiegelei), den mediterranen Hagenburger (mit Mozzarella und Pesto) oder den vegetarischen Notburger (mit Spinatlaibchen und Bio-Feta) auch mit nach Hause nehmen. Zusätzlich zur schnellen Küche lockt die Bio-Vitrine mit zartem Bauchspeck, feinen Filetsteaks und Beuschel im Rexglas von Angusrindern und fleckigen Turocschweinen – „unser Beitrag zum vielseitigen Marktleben rundum“, lacht Katzensteiner.

Atrium

Warmes Sonnenlicht flutet durchs Glasdach in den arkadengesäumten Innenhof, doch sobald die nahe Michaelerkirche zwölf Uhr schlägt, ist es mit der idyllischen Ruhe vorbei: Aus den umliegenden Büros und vom Campus Steyr strömen die Menschen zum Mittagstisch ins Café Atrium, wo saisonale Bio-Lebensmittel der Region in „bodenständige Gerichte mit internationalen Einsprengseln“ verwandelt werden. „Wir fahren seit jeher eine hochwertige Schiene“, erklärt Mitarbeiter Andreas Straßer das Vertrauen der Gäste in die Küche: Vor zehn Jahren hat sich das Lokal als erstes Restaurant in Oberösterreich bio-zertifizieren lassen. Stolz verweist Straßer auf die große Auswahl an heimischen Bio-Weinen, bei denen „die Qualität einfach passt“. Nicht nur bei den Speisen und Getränken achtet das Atrium auf Nachhaltigkeit: In der Küche und im Service finden etwa 20 Personen mit psychischen und sozialen Problemen eine sinnstiftende Arbeit, die ihnen eine Rückkehr in die Gesellschaft ermöglicht.

Gorfer Natur Gourmet

Als Reinhard Gorfer mit 21 den Bauernhof der Großmutter erbt, ist er „davor kein einziges Mal auf einem Traktor gesessen“. Das hindert ihn aber nicht daran, den 400 Jahre alten Betrieb völlig umzukrempeln und dabei das Kunststück zu meistern, nachhaltige Landwirtschaft mit haubengekrönter Gourmetküche zu verbinden. „Bei uns sehen die Leute die Qualität, die in die Pfanne kommt“, deutet Gorfer auf die steilen Weiden, wo wuschelige Hausschafe und die drei Rinderrassen Angus, Galloway und Simmentaler Fleckvieh genussvoll grasen. Im Laufe der Jahre hat er die Erfahrung gemacht, dass „das Fleisch umso besser und zarter schmeckt, je biologischer und artgerechter die Haltung ist“. Genau das wissen auch die Gäste zu schätzen, und so ist die rustikale Gaststube jedes Wochenende bis auf die letzte Kachelofenbank gefüllt. Zum Glück gibt es Bio-Fleisch, preisgekrönten Most, Schnaps und Fruchtsäfte des Hauses auch im Hofladen, damit die Gourmets unter der Woche nicht auf die bodenständigen Köstlichkeiten der Gorfers verzichten müssen.

Schurm’s Hofladen

Die allererste Ernte waren die skeptischen Blicke der Nachbarn: „Wir sind die einzigen weit und breit, die auf 780 Metern Höhe Obst anbauen“, sagt Martin Schurm nicht ohne Stolz. Anfangs wollte niemand glauben, dass das auch tatsächlich funktionieren kann, doch mittlerweile heimst der Familienbetrieb am Hang des Lichtenbergs eine Auszeichnung nach der anderen ein. Die preisgekrönten Fruchtsäfte, Moste, Schnäpse und Cider entstehen allesamt im Presshaus, wo Äpfel und Birnen schonend gepresst, mit natürlichen Methoden haltbar gemacht und in Pfandflaschen abgefüllt werden. Zu kaufen gibt es die süßen und herben Tropfen unter anderem direkt vor Ort: Im ehemaligen Kuhstall warten neben den hofeigenen Produkten noch einige „ausgefallene Sachen, die du so im Geschäft nicht kriegst“, verweist Silvia Schurm auf die vollen Holzregale. Von befreundeten Betrieben aus der Umgebung bezieht sie Käse von Kuh oder Ziege, kerniges Bauernbrot, Eiernudeln und Bio-Pestos, damit die Kundinnen und Kunden „nicht alle einzeln abklappern müssen“ und dennoch die Geschmacksvielfalt der Region auskosten können.

Paul’s

Inspiriert haben ihn all die „Orte, wo’s gemütlich ist“. Und weil Paul Gürtler in seinen Leben schon ziemlich viel in der Weltgeschichte herumgekurvt ist, herrscht auf der Speisekarte ein „wildes Durcheinander“ von heimischen Klassikern, internationalen Spezialitäten und „tollen Verrücktheiten“. Spaß beim Essen ist für den Küchenchef die oberste Maxime, und so hören die Gerichte auf witzige Kauderwelsch-Namen wie „Chili con Krake“, „Tscheinataun“ und „Der Gerät“. Die regionale Herkunft der Lebensmittel liegt Gürtler besonders bei seinen Steaks am Herzen: Die Gäste können zum Beispiel Cuts vom Mostviertler Wagye-Rind und Porterhouse-Steak aus der Mühlviertler Fleischmanufaktur Riepl bestellen oder zum selber Grillen in der Greißlerei des Paul’s kaufen. Dort warten darüber hinaus kuriose Würzsaucen, eigene Teemischungen, handgerösteter Kaffee und natürlich das Paul’s Bier, ein bernsteinfarbenes, malziges Vollbier aus der Braucommune Freistadt.

Bergkräutergenossenschaft

Minzige Frische kitzelt die Nase, zwei Schritte weiter duftet es nach süßen Hollerblüten, dann wieder nach kräftigem Kümmel: „Bei uns riecht’s in jeder Ecke anders“, scherzt Karl Dirnberger beim Rundgang zwischen den vollgeschlichteten Hochregalen. Bekleidet mit weißem Mantel und Schutzhaube, führt er durch den Betrieb, wo pro Jahr 180 Tonnen Kräuter von 38 Mühlviertler Biobauernhöfen zu Tee und Gewürzmischungen verarbeitet werden. Entstanden ist die Bergkräutergenossenschaft vor bald 30 Jahren beim sonntäglichen Stammtisch, erzählt der Geschäftsführer gleich zu Beginn der Besichtigung. Im Lauf der Jahre wurde für jede Höhenlage das passende Kraut gefunden: Während Zitronenmelisse die wärmeren Täler bevorzugt, entwickelt Pfefferminze auf 900 Höhenmetern ein besonders intensives Aroma.Wie die ätherischen Öle der Pflanzen erhalten bleiben und was das mit dem Butterkessel aus der ehemaligen Molkerei Freistadt zu tun hat, erfährt man beim Rundgang durch die Hallen. Danach geht es bei Schönwetter weiter auf eines der Kräuterfelder, und zu guter Letzt locken im Werksverkauf die wohlduftenden Schätze aus dem Mühlviertel.