Alle Artikel zum Schlagwort vegan

Café Bar Stern

Wie die Protonen-Strahlen der Ghostbusters zickzacken die weißen Lichtbänder durchs Lokal, und auf den Kletterpflanzen über den Tischen könnte sich Tarzan locker durch die Lüfte hangeln: „Das Lichtkonzept und die Bepflanzung sind sicher die auffälligsten Änderungen seit dem Umbau“, meint Rainer Landerl, der Geschäftsführer der Café Bar Stern beim Linzer City Kino. Nicht nur die Einrichtung wurde im Sommer 2014 cinefantastisch umgebastelt, sondern auch die Karte noch regionaler und biologischer gestaltet: Kaffee und Fruchtsäfte kommen aus dem Mühlviertel, Limonaden aus dem Hausruckviertel, Craft-Biere aus Salzburg und der Cider direkt vom burgenländischen Erzeuger. „Wenn wir bei uns so tolle Produzenten haben, dann wär’s doch idiotisch, wenn ich’s anderswo kauf“, lacht Landerl. Begleitet werden die Getränke von hausgemachten Mehlspeisen, Tagesgerichten und kleinen Imbissen aus der bio-regionalen Küche des Restaurants Gelbes Krokodil, zu dem das Stern gehört. An lauen Sommerabenden öffnet sich die bewegliche Glasfront zum kleinen Gastgarten am Linzer Graben, wo man bei einem gepflegten Hollerkracherl über Sternzeichen, Sternbilder und Filmsternchen philosophieren kann.

Bio-Tofu vom Ackerlhof

In der hellen Kühlvitrine ruhen die milchig weißen Blöcke, die Gregor Mittermayr schlicht „Mühlviertler Bohnenkas“ nennt, denn „die Herstellung von Tofu funktioniert nicht anders als bei normalem Käse“. Vor zwei Jahren hat der Jungbauer für eine vegane Freundin versuchsweise damit begonnen, aus dem hofeigenen Soja des elterlichen Biobetriebes die eiweißreiche Fleischalternative zu gewinnen: Zuerst werden die Bohnen gekocht, püriert und ausgepresst, und die so gewonnene Sojamilch schließlich mit dem natürlichen Meersalzextrakt Nigari verkäst. „Das hat von Anfang an super hingehaut“, erinnert sich Mittermayr. Einmal pro Woche stellt er nun seinen regionalen Bio-Tofu frisch her und verkauft ihn an ausgewählte Lokale sowie im winzigen Hofladen, wo zudem selbstgebackenes Brot, Bio-Eier und Apfelsaft zum selber Zapfen locken. „Meine Eltern freuen sich, dass sich der Betrieb weiterentwickelt“, erzählt Mittermayr. „Und mittlerweile hat die Mama den Tofu in ihre bodenständige Küche integriert und kocht damit köstliche Knödel, Aufläufe und Aufstriche.“

Friedlieb und Töchter

Wie eine wildes Tier faucht die silberglänzende Espressomaschine und verspricht eine geballte Dosis von jenem heiß begehrten Stoff, dem das schicke Café Friedlieb und Töchter seine Benamsung verdankt: Vor bald 200 Jahren hat Friedlieb Ferdinand Runge die belebende Wirkung des Koffeins entdeckt, und als seine „ideologischen Töchter“ zelebrieren Elke Schmedler und Kristina Bleil mitten in der Linzer Altstadt die urbane Kaffeehauskultur, „die wir von Wien, Amsterdam oder London gekannt und in Linz bisher vermisst haben“. Damit sind sie offenbar nicht allein, denn seit der Eröffnung im Dezember knotzen die Gäste mit einer Tasse ökofairen Kaffees in den gemütlichen Polstermöbeln, die die beiden eigenhändig designt und zusammengezimmert haben. Nicht nur bei der stylishen Einrichtung im historischen Bäckerhaus haben die zwei Inhaberinnen selbst Hand angelegt: Auch in der Küche machen sie „alles zu 100 Prozent selber“ und backen aus überwiegend regionalen Biozutaten saftige Orangen-Marzipan-Torten, verführerischen Apfelstrudel und vegane Guglkugln.

P’aa

Bunte Blubberblasen schweben als Deko an der Wand – die einzigen Farbtupfen im ansonsten schlicht gehaltenen Interieur. „Wir haben reduziert bis zum Geht-nicht-mehr, damit nichts ablenkt vom Essen“, beschreibt Inhaber Hannes Braun den kürzlich abgeschlossenen Umbau im P’aa. „Genauso wird auch bei den Gerichten nix dekoriert, beschönt oder versteckt.“ Grund dafür gibt es ohnedies keinen: „Wir schauen darauf, was gut ist für den Körper“, erklärt Braun, warum es in seinem Lokal keine Mikrowelle, Tiefkühlkost oder Geschmacksverstärker gibt. Stattdessen kocht er aus frischen Biolebensmitteln vegetarische und vegane Gerichte, die zu einer kulinarischen Reise um die Welt einladen. Die Zutaten dafür können die Gäste auch direkt im Restaurant kaufen: In der Vitrine stehen von Sojaobers über Seitanwürstel bis zu pflanzlichem Chilihühnchen dieselben Produkte, wie sie für die Gerichte verwendet werden. „Wer neugierig ist, wie wir kochen“, ergänzt Braun, „der kann jederzeit in unsere Küche kommen und uns dabei zusehen“.

Winter-Smoothies

Der Duft von Zimt, Anis und Muskat liegt in der Luft, aber damit endet auch schon die Ähnlichkeit mit zuckerlastigen Weihnachtskeksen: Die winterlichen Smoothies von Barbara Rias-Bucher sind mit ihrer Megaportion Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen eine gesunde Zwischenmahlzeit in der kalten Jahreszeit. Für ihre Rezepte greift die Autorin tief in die Trickkiste: Wärmende Zutaten wie Ingwer, Chili oder Gewürznelken bringen den müden Kreislauf in Schwung, knackige Nüsse und Dörrzwetschken verleihen den Drinks den nötigen Biss, und kleine Stückchen Lebkuchen, Schokolade oder Mandelmakronen machen den üblichen Mix aus Äpfel, Birnen und Bananen zu einem festlichen Dessert. Experimentierfreudige wagen sich an schlürfbare Imbisse mit Linsen, Frischkäse oder Feta, die dem Körper nicht nur die bei trockener Heizluft dringend benötigte Flüssigkeit zuführen, sondern mit ihrem basischen pH-Wert einen gesunden Ausgleich zur jährlichen Festtagsschlemmerei schaffen.

Veganpower

Kämpferisch reckt der bissige Ex-Boxweltmeister auf der Autogrammkarte seine Fäuste in die Luft. „Da denkt sich auch der härteste Typ: Wenn sich der Mike Tyson vegan ernährt, dann kann das gar nicht so schlimm sein“, lacht Daniel Zellan. Er selbst hat als Kampfsportler jahrelang Putenfleisch, Topfen und tierisches Eiweiß verschlungen, bis er nach einem Allergieschock „körperlich völlig kaputt“ im Spital gelandet ist. Unverträglichkeit gegen Fleisch und Milcheiweiß lautete die Diagnose, die der Startschuss für seine Umstellung auf rein pflanzliche Ernährung war. Und weil für ihn dazu auch Proteinpulver für den Muskelaufbau gehört, eröffnete er zunächst den Online-Shop und im September das Geschäftslokal Veganpower, wo er neben Nahrungsergänzungsmitteln auch Tipps für ein Leben ohne tierische Produkte anbietet: „Ob Ausdauer oder Pumpen, ich sag den Leuten, welche Sportnahrung, Superfoods und Energieriegel am besten passen.“ Die mehr als 600 veganen Produkte sind frei von Farbstoffen, Chemie und Aspartam, teils biozertifiziert und durch ihren basischen pH-Wert verträglicher für die Nieren, erklärt Zellan: „Von denen kannst du bedenkenlos so viel essen, wie du willst und wie dir schmeckt.“

Frontfood

Ein Brotweckerl, frisches Gemüse, hausgemachte Saucen – sieht aus wie ein gewöhnlicher Burger, nur das gegrillte Laibchen in der Mitte wirkt bei genauer Betrachtung eine Spur heller. „Das ist kein Faschiertes, sondern Sojagranulat“, erklärt Bernhard Falkner, der in seinem frisch eröffneten Frontfood „zu hundert Prozent vegane Küche“ anbietet. Dass die rein pflanzlichen Gerichte ausgerechnet in Form von amerikanischem Fastfood daherkommen, ist für den Burger-Liebhaber nur logisch: „Vegane Lokale kommen oft mit einem alternativen Touch oder erhobenem Zeigefinger daher. Ich wollte was bieten, was die Leute kennen und annehmen.“ Tatsächlich wirken Schnitzlinger (ein Semmerl mit paniertem Laibchen), Chiiesy (mit pflanzlichem Käse) und Pirateburger (mit Fishifilet) so vertraut, dass auch viele Nicht-Veganer herzhaft zubeißen. Auch bei Öko-Strom und kompostierbarer Verpackung legt Falkner großen Wert auf Nachhaltigkeit. Zudem sind alle Zutaten „soweit als möglich“ Bio, regional und fair gehandelt, betont er nicht ohne Stolz. „Das ist schon eine ziemlich einzigartige Geschichte.“

Biobelli

Wie bei einem Sandbild türmen sich die bunten Schichten zu tollkühnen Mondlandschaften, nur dass es sich bei den einzelnen Lagen nicht um eingefärbte Sandkörner, sondern um Mehl, Zucker und Kakao handelt: Fast ist es einem leid um die kleinen Kunstwerke im Einmachglas, aber die fertigen Kuchen von Biobelli schmecken so lecker, dass man schnell über den Verlust hinwegkommt. Aus großteils regionalen Bio-Zutaten zaubert Isabella Gaiszbauer ihre veganen Backmischungen, „die herkömmlichen Mehlspeisen geschmacklich um nichts nachstehen“. Die Rezepte dafür hat sie selbst kreiert, als sie für ein halbes Jahr probeweise ganz ohne tierische Produkte gelebt hat: „Im Endeffekt ist vegan Backen einfacher, weil man zum Beispiel kein Eiweiß zu Schnee schlagen muss“, lacht die 27-Jährige. Das gilt natürlich insbesonders für ihre Teige, die – mit Wasser, Essig und Öl vermengt – eine fertige Masse für Muffins, Brownies oder Guglhupf ergeben. Wer bereits alle vier Sorten im Online-Shop ausprobiert hat, ist damit aber noch lange nicht am Ende der Geschmacksvielfalt angelangt: „Ich gebe gerne frische Äpfel in meine Zimtmischung oder Kirschen zum Mohnteig, das schmeckt dann noch viel saftiger!“

Kräuterspiele

Schläfrig blinzeln die Leute auf dem Weg zur Arbeit in die kleine Küchennische, wo Sarah Stumptner schon ab den frühen Morgenstunden Kekserl und Kuchen bäckt: „Ich bin eben ein aktiver Mensch“, scherzt die Inhaberin der Kräuterspiele über ihren unbändigen Tatendrang. Deshalb bietet ihre Koje am Südbahnhofmarkt nicht nur Regale voller Bio-Spezialitäten aus dem Genussland Oberösterreich, sondern auch vegane und vegetarische Mehlspeisen, Aufstriche sowie ein täglich wechselndes Mittagsgericht. Ihr Mahl genießen die Gäste gemeinsam an einer großen Naturholztafel, die auf massiven Baumstämmen ruht – der „Stammtisch“, wie Stumptner lachend kommentiert. Die regionalen Zutaten für die frisch gekochten Speisen kauft sie direkt am Südbahnhofmarkt: „Die Vielfalt auf engem Raum finde ich einfach klass“, schwärmt die Vegetarierin, die diese bunte Mischung um selbstgemachte Säfte, Kompotte und Kräuterspezialitäten aus dem eigenen Garten bereichert. Zudem serviert sie grüne Smoothies, gemixt aus rohem Gemüse und süßen Bananen, Datteln und Cashewnüssen, „damit es ja nicht zu gesund schmeckt“.

Paul’s

Inspiriert haben ihn all die „Orte, wo’s gemütlich ist“. Und weil Paul Gürtler in seinen Leben schon ziemlich viel in der Weltgeschichte herumgekurvt ist, herrscht auf der Speisekarte ein „wildes Durcheinander“ von heimischen Klassikern, internationalen Spezialitäten und „tollen Verrücktheiten“. Spaß beim Essen ist für den Küchenchef die oberste Maxime, und so hören die Gerichte auf witzige Kauderwelsch-Namen wie „Chili con Krake“, „Tscheinataun“ und „Der Gerät“. Die regionale Herkunft der Lebensmittel liegt Gürtler besonders bei seinen Steaks am Herzen: Die Gäste können zum Beispiel Cuts vom Mostviertler Wagye-Rind und Porterhouse-Steak aus der Mühlviertler Fleischmanufaktur Riepl bestellen oder zum selber Grillen in der Greißlerei des Paul’s kaufen. Dort warten darüber hinaus kuriose Würzsaucen, eigene Teemischungen, handgerösteter Kaffee und natürlich das Paul’s Bier, ein bernsteinfarbenes, malziges Vollbier aus der Braucommune Freistadt.